Konzert Stern Combo Meißen - Cottbus 18.06.05

18.06.2005  Cottbus  Stern Combo Meißen

Konzerte

Bericht Jens Kurze

SCM

* Stern Combo Meißen und das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus * Weißes Gold – ein Konzertstück für Rockband und Orchester *

Ich gebe es zu – ich bin kein Klassikfan, der voller Überschwang in jedes Sinfoniekonzert rennt. Und auch die LP „Weißes Gold“ von der Stern Combo Meißen aus dem Jahre 1978 habe ich seit längerem nicht mehr gehört – naja, der Musikgeschmack ändert sich halt mit der Zeit. Aber gespannt war ich doch, wie sich das live anhören würde. 

Es wurde ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde. In der schönen Kulisse des Puschkinparks in Cottbus stand eine gigantische Bühne, Ton und Licht waren gut. 

Die erste Stunde gehörte den Sinfonikern, die ein sehr abwechslungsreiches Programm darboten. Es reichte von Musical-Melodien bis zu Filmmusiken aus „Startreck“ oder „Der Herr der Ringe“ – Respekt, meine Damen und Herren, das war beeindruckend ! 

Nach einer dramaturgisch unnötigen Pause mit merkwürdigen Preisverleihungen ( geschuldet dem Organisator „Lausitzer Rundschau“ ) begannen die beiden Stern -Keyboarder Eghard Schumann und Frank Nicolovius natürlich mit Vivaldis Frühling – live immer wieder ein wuchtiges Klangbild. Danach quetschten sich die Musiker von Stern Meißen in die linke Bühnenecke.

Das war der eigentliche Wermutstropfen, denn so entgingen uns die Vitalität von Schlagzeuger Micha Behm und die vielen Feinheiten von den Norbert Jägers Percussionarbeit. So mutierte ein bestens aufgelegter Bassist Alexander Prokop zum Frontmann. Mit sichtbarem Spaß an der Sache und souveränem Spiel am Doppelhals-Bass widerlegte er einmal mehr das Klischee des Baßmans als stoischer Ruhepol mit wenig Arbeit. ( Mir war gar nicht mehr in Erinnerung, dass in der Kurzhals-Werneburg-Komposition so viele interessante Basslinien beinhaltete..) Zudem trug er mit angenehmer tiefer Stimme den langen Sprechtext vor.

Die solistischen Gesangsparts übernahm als Gast Werther Lohse, einst selbst bei Stern Meißen tätig, nun seit vielen Jahren bei Lift. Eine gute Wahl, Werthers unverkennbare Stimme passte wunderbar zum wirklich guten Satzgesang der Stern-Leute.

Ich hatte das Glück, recht nah an der Bühne zu sein, und konnte das absolut entkrampfte Miteinander der Musiker verfolgen. Mimik, Körpersprache, Blickkontakte zwischen den Rockmusikern und den Sinfonikern – das alles machte das Werk richtig lebendig.

Der lang anhaltende Applaus nach dem Finale ( mit XXL- Schlagzeugeinsatz von Micha Behm ) war ein deutliches Zeichen, dass das Konzept aufgegangen ist.

Die graue Eminenz Martin Schreier stellte mit seiner unverwechselbaren lakonischen Art jeden einzelnen Musiker der Stern Combo Meißen vor, ehe es noch den „Kampf um den Südpol“ und „Also was soll aus mir werden“ als reiner Stern-Titel gab. 

Es war ein wirklich toller Abend, und ich würde das ganze gern noch einmal erleben. Ein altes Werk in neuem Glanz – ein großes Dankeschön an die Musiker der  Stern Combo Meißen und an das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus !