Konzert  12.04.2009   Marionco feat. Christian Reichert

 

Konzerte

Bericht Agnes - Fotos Elke  ... vielen Dank
   

Aufmerksam auf Marinco wurde ich, als sich sein Fanclub mit mir vor einigen Wochen bei myspace befreundete. Ein Blick auf sein Profil und Reinhören in seine Songs machten mich neugierig. Dann kam eine Einladung zu einem seiner Konzerte. Es hielt mich also nichts mehr davon ab, ihn persönlich zu sehen und zu hören. So fuhr ich am Ostersonntag gen Berlin Friedrichshagen. Die Gegend kannte ich schon ein wenig. Ich vermutete das Braustübl in der Nähe des Spreetunnels. Da hatte ich mich aber geirrt. Mit Durchfragen fand ich`s dann. Die Location lag direkt an der Straße. Nicht zu übersehen waren auch die vielen Plakate von den Künstlern die hier im Alten Ballsaal schon aufgetreten sind bzw. noch auftreten werden. An der Kasse wurde ich gleich gefragt, ob ich vorbestellt hätte. Nein, das hatte ich nicht. „Ausverkauft würde es ja nicht gleich sein“, so meine Bemerkung. Zu meinem Erstaunen waren aber schon viele der Tische besetzt bzw. reserviert.

Trotzdem fand sich noch ein Plätzchen für mich, allerdings nicht gerade ideal. Die Bühne konnte ich nur von der Seite sehen. Einige Minuten vergingen und ich sah mich um. Stuck an der Decke und eine Inschrift „Alter Ballsaal“; Reliquien der Vergangenheit. Dann betraten zwei junge Männer die Bühne. Der eine war Marinco, den ich ja schon vom Foto her kannte, und der andere war Christian Reichert, ein klassischer Konzertgitarrist. Marinco kündigte an, dass es zwei Blöcke an diesem Abend geben würde. Zuerst würde Christian einige Stücke auf seiner Gitarre vorspielen. Danach folge eine Pause und dann würde er seine Songs vortragen, wobei ihn Christian auf seiner Gitarre und Sascha am Schlagzeug begleiten.

 

So eröffnete Christian das Konzert. Auch wenn ich ihn nur von der Seite sehen konnte, zu Hören war er sehr gut.

Er spielte verschiedene Konzertstücke u.a. aus Brasilien und Spanien. Die einzelnen Komponisten habe ich mir nicht gemerkt. Aber einer von ihnen, so erzählte es Christian, ist sehr starker Raucher und hat schon sämtliche Bypässe hinter sich. Daraus hat er dann ein dreisätziges Musikstück komponiert. Mehr als eine halbe Stunde lauschte ich dem sehr temperamentvollen Gitarrenspiel. Dann folgte die Pause. Während des Konzertes konnte ich beobachten wie sich eine „Fotografin“, die zuerst mit an meinem Tisch saß, sich an einen reservierten aber noch nicht besetzten Tisch direkt vor der Bühne platzierte. Ich ging hinüber und fragte sie, ob ich mich dazu setzen dürfe, sie hätte doch sicherlich auch nicht reserviert. Sie hatte nichts dagegen. Somit hatte ich wohl den besten Platz überhaupt ergattert.

Die junge Bedienung scherzte noch, dass dies der „Mitmachtisch“ sei. „Das kriegen wir hin“, sagte ich. Von dort aus konnte ich sehr gut die Tür beobachten, hinter der die Künstler verschwunden waren. Hinter der Glasscheibe waren sie zu erahnen. Wann war nur endlich die Pause zu Ende? Ich unterhielt mich mit meiner Tischnachbarin.

Dann endlich kamen sie raus auf die Bühne. Marinco nahm auf einem Barhocker Platz und kündigte seinen ersten Titel an. „Suche …frag Dich nicht wonach … empfinde … dann wird alles klar … erkenne … lass die Angst in Dir vergehen und wage es den Schritt für dich zu gehen“, „Wo ist der Stolz in Dir?“ war zu hören. Super sanfte Stimme.

Von einem schmerzvollen Abschied von der großen Liebe wird in „An meiner Seite“ erzählt. Diese beiden Titel sind auch auf myspace zu hören. Sehr gefühlvolle, berührende Texte. „Wenn Du gehst“ widmete Marinco dem Vater seiner seelenverwandten Freundin Uschi, der verstorben ist. Zu „Ferne“ erzählte mir Marinco nach dem Konzert, dass es nicht von der Sehnsucht nach der weiten Welt, sondern vielmehr von Selbstmord handelt. Diese Tatsache hat seine Mutter zunächst geschockt und mich verblüfft. Jedem ist ja freigestellt, wie er welchen Song für sich interpretiert. Den nächsten widmete er seinen Eltern, insbesondere seinem Vater, der wohl so eine Meinung von ihm hat, dass sein Sohn als Künstler so in den Tag hineinlebe. Ja, ein Künstlerleben unterscheidet sich wahrlich von einem "Alltäglichen". Im Laufe des Konzertes erzählte Marinco wie er über „Umleitungen“ nach Berlin kam und wie er es geschafft hatte, einen namenhaften Produzenten, Ingo Politz, für sich zu interessieren. Sie basteln wohl an einem Album. Eine Käuferin hat es dann auf jeden Fall schon.

Als ein großer Verehrer von Dirk Michaelis trug er einen sehr bekannten Titel: „Als ich fortging“ in seiner eigenen besonderen Art vor. Ich mag diesen Song wegen seiner Aussagekraft. Die sehr eingängige Melodie, spielte Christian so schön auf seiner Gitarre, dass ich Gänsehaut bekam.

„Diese Welt“ sollte dann schon der letzte Titel für diesen Abend sein. Eine Zeile daraus konnte ich mitschreiben: „zu dieser Welt gehörst auch Du mit Allem, was Dir bleibt und Du verlierst“. Wahre Worte. Den Zugaberufen des Publikums konnte sich jedoch Marinco nicht verwehren. So durften wir noch „Streichelst meine Seele“ lauschen. Eine sehr schöne Liebeserklärung.
Zum Schluß bedankte sich Marinco bei Allen und extra aus Mexico angereisten Freunden, für die er sich dann auch Zeit nahm. Er setzte sich auch zu uns an den Tisch. Meine Tischnachbarin, Elke, und er kannten sich schon vom Mailen. Ich erzählte ihm, dass ich durch myspace auf ihn aufmerksam geworden bin. Er erzählte locker drauf los. Seine Eltern stammen aus Kroatien, was dann seinen Vornamen erklärt. Er lese schon von Kindheit an Hesse, wozu ich im Deutschunterricht gezwungen werden musste. Schwere Kost. Aber er schöpfe seine Ideen und Kraft aus dieser Poesie. Gedichte schreibe er auch schon von Kindheit an. Eins muss ich zugeben, Schreiben kann er und Singen auch. Ich freue mich auf das Album. Und vielleicht folgt ja bald ein nächstes Konzert.