Konzert  12.12.2009  Keimzeit in Gotha

   

Konzerte

Bericht: Thomas

   
   

Alte Tugenden und wohlbekannte Versionen 

Das vergangene Wochenende war in Gotha ganz schön mit Kultur angereichert. Da konnte man den kleinen Weihnachtsmarkt in der Orangerie besuchen, am Freitag sich beim Krippenspiel in der Stadthalle schief lachen, den Jungen Tenören im Kulturhaus lauschen oder schließlich beim Rock von Keimzeit im „Londoner“ ordentlich mitgehen.

Gothaer, die nicht alltägliche deutsche Musik abseits von Kommerz und Radiotauglichkeit mögen, waren ab 20 Uhr genau richtig. Nachdem zunächst Colourblind als Vorband ordentlich einheizten und mit einer kraftvollen weiblichen Stimme am Mikrophon den Weg für das Quintett bereiteten, konnte eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Wer im „Londoner“ war, hatte Eintritt bezahlt und wollte deswegen auch unbedingt die Musik von Keimzeit genießen und nicht einfach nur da sein und schwätzen, wie bei der leicht verunglückten Open-Air-Veranstaltung im vergangenen Jahr zum Gothardus-Fest.

  Das Besondere an der Band sind die drei Leisegang-Brüder Norbert (voc), Hartmut (bs) und Roland (dr) die fest zusammen halten und gemeinsam mit Rudi Feuerbach (git) und Andreas Sperling (key) seit vielen Jahren immer wieder neue Songs schaffen, die man gerne hört und die auch noch voller Inhalt sind. Da draußen Schnee fiel und die Temperaturen sanken, waren die vielen Rock-, Reggae- und Salsaklänge im „Londoner“ angenehm und sehr erwärmend. Ebenso die groovenden Gitarrentöne und die immer wieder sich auftürmenden Keyboardburgen.

Es gab sogar ein Lied über einen Leuchtturm an der See, der Erinnerungen an vergangene Urlaubstage weckte. Einige Zuhörer nickten wissend und wogen sich im Takt. Besonderen Wert legte Keimzeit auf das neue Album „Stabile Währung Liebe“, das mit seinem Songhöhepunkt „Tokio Skyline“ von den Fans gerne gehört wird, da es alte Tugenden aufgreift und durch wunderbare Melodien besticht.

 Wieder wurde gefragt: „Mama, warum spielen die Kinder nicht mehr mit mir“ und genau um 22:30 Uhr erklang in einer wohlbekannten Version der Song, der Keimzeit dann doch ab und zu für das Radio tragbar macht: „Kling Klang“. Er kam so, wie man ihn seit dem gleichnamigen Album 1990 kennt: Norbert nestelte und nölte, die Gitarre zauberte die Melodie und Roland Leisegang am Schlagzeug ließ noch immer die Sticks ganz sachte über das Schlagzeug gleiten. Keimzeit wollte jeder hören und „Kling Klang“ erst Recht.

 Irgendwann muss auch die beste Band und ihr Publikum an den Abschied denken: es ist alles gesagt und alle Lieder gesungen. Bei Leisegang & Co dauert so etwas immer ein bisschen länger, denn die Zuschauer erklatschten sich sechs Zugaben. Restlos begeistert verließen die Gäste, viele sogar mit einem Autogramm, den „Londoner“, wobei Kay Sch. wahre Worte sprach: Live-Musik und der „Londoner“ ist ein gutes Zusammenspiel, das noch lange anhalten soll.