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Es ist Freitag, endlich Wochenende, so denken
sicher viele an jenem Abend, einige verkriechen sich aufs heimische Sofa,
andere fahren auf ihre Grundstücke hinaus ins Grüne und wieder andere zieht
es zum Berliner Postbahnhof um Erinnerungen wach werden zu lassen an eine
vergangene aber längst nicht vergessene Zeit, "die Seilschaft" ist wieder
da!
Nur weinige Meter von dem Ort, wo die
sogenannten "Großen" spielen, ich erinnere mich dran, dass mein Sohn dort
zum Bushido- Konzert war (P.S. über Geschmack und Größe lässt sich
bekanntlich streiten :-)), und noch nicht vor all zu langer Zeit war ich
selbst dort zum Spiel der Berliner Eisbären, befindet sich der Postbahnhof.
Mir war bis ich selbst davor stand nicht bewusst, wie nahe diese beiden
"Eventtempel" nebeneinander liegen. Wer aber sind die "Großen" oder eher die
kleinen Lichter am Himmel der Stars, sind es wirklich jene, die die riesigen
Hallen füllen, oft nur, weil sie sich diese auch finanziell leisten können
oder weil sie einen Namen haben, der uns Dank wahnsinnig teurer
Werbekampagnen von den Medien regelrecht eingebläut wird?
Für mich sind die wahren "Großen" ganz andere,
es sind die, die noch unter die Haut gehen, die mich berühren, die mich
erreichen mit all dem, was für sie selbst eigentlich "Arbeit" oder
"Broterwerb" ist, die wahren "Großen" sind die, die noch Spaß und Freude an
ihrem Job dort oben auf der Bühne haben, von denen dieser Spaß auch noch
ausstrahlt ins Publikum, deren Beruf nicht nur Geld verdienen ist sondern
auch Berufung, es sind die, die mich für ein paar Stunden die Sorgen des
Alltags vergessen lassen können.
Und so "steppte der Bär" an jenem Freitagabend
nicht nur in der großen O2 World auf dem Eis, sondern auch nebenan bei einem
Konzert der Spitzenklasse, einem Highlight für Herz und Seele, bei einer
"groß" - artigen Band.
Ganz unwillkürlich "scannen" meine Augen auch
das Publikum; was sind das für Menschen, die ihre Couch oder ihr Grundstück
am Freitag Abend gegen eine dunkle stickige Konzerthalle tauschen, die zu
einer Band kommen, die sich "die Seilschaften" nennen und Texte
interpretieren von einem wirklich "Großen", der viel zu früh gehen musste
und kaum zu überbieten ist, vergleichbar mit Silly ohne Tamara, die es doch
schaffen in ihrem Sinne weiter zu machen, ohne sie und doch in (mit) ihrem
Geist? Wer also geht in diese Konzerte, sind es Menschen jenseits der 50 die
schon in uralter Zeit der ostmusik verfallen waren, sind es sogenannte "Ostalgiker"?
Ich persönlich kann hier nur vier Besucher realistisch beurteilen, einer
davon bin ich selbst, noch nicht jenseits der 50 und auch kein Ostalgiker,
eben nur jemand, der irgendwann anfing, genauer auf die Texte zu schauen,
sich mehr zu interessieren für die Musik, ohne einen "Ost-West-Hintergrund".
Über das restliche Publikum kann ich nur spekulieren, ich denke aber, dass
viele Menschen da sind, die diese Art Musik "neu" entdeckt haben, sie sind
einfach noch zu jung und sicher wäre es vermessen, allen zu unterstellen,
dass sie auf einer "Ostalgie - Wellenlänge" abfahren. Aber selbst jene, bei
denen es so ist, was wäre so schlecht daran???
Was auffällt ist das "Mischungsverhältnis",
viele jung gebliebene Alte aber auch junge Menschen, ganz anders als ich es
bei einem Konzert einer anderen "Ostband" erlebt hab (ich möchte den Namen
nicht nennen), auf welchem ich das Gefühl hatte eher an einer Kaffeefahrt
teilzunehmen als an einem Rockkonzert, ohne dies als Qualitätsmakel des
Konzerts selbst anzusehen.
Musik, die berührt, die tief unter die Haut
geht, so hab ich es empfunden, da gab es Titel, die sogar die Tränendrüsen
"zuhören" ließen durch ihre tiefsinnigen Texte, aber auch durch die Art der
Interpretation, Stimme, Klang der Instrumente und das Harmonieren der
Bandmitglieder. Jedesnoch so inhaltsreiche Lied würde keine Gänsehaut
hervorrufen, wenn die Darbietung nicht stimmig ist, es ließe uns kalt, wenn
kein herzblut der Interpreten drin liegt, aber die Seilschaft legte alles
hinein, was möglich ist, sie sangen und spielten nicht nur, sie "lebten" die
Songs. Egal ob langsam oder rockig, in jedem Titel schwangen die Emotionen,
jeder Titel berührte auf seine Weise, drang unter die Haut bis zu herz und
Seele vor und hallte noch lange nach.
In das Programm waren kleine, aber
herzergreifende Geschichten eingestreut, ob nun vom kleinen Jungen, der am
Ostseestrand zum Ritter und Möwenfänger wird oder vom Bären und dem´schlauen
Ha(a)sen, der seine "Größe" darin beweist, dass er noch redet....diese
Anekdoten oder Fabeln waren zum richtigen Zeitpunkt in das Programm
eingewoben und genau so bewegend erzählt wie eben auch die Interpretation
der Gundermann Texte drum herum. An der Stelle fällt mir ein, dass es um
mich herum viele Leute gab, die die kompletten Texte mit sangen, und es sind
keine Texte, wie sie in jedem zweiten Schlager zu hören sind, das spricht
dafür, wie stark "Gundi" auf sein Publikum gewirkt hat und heute noch wirkt.
Beeindruckt hat mich auch die Ausdauer der
Gruppe, ohne Pause spielten sie mit ständig steigender "Power" weit über
zwei Stunden, keine Zeichen der Ermüdung, ganz im Gegenteil. Nur ein kleiner
Wermutstropfen schleicht sich ein, bei der Länge des Konzerts wurde der Ort
des Geschehens zu einer Kraftprobe fürs Publikum, auch wenn der Postbahnhof
einen nostalgischen Charme besitzt, aber stundenlanges Stehen in
erdrückender Enge und in stickiger Luft fordert ein hartgesottenes Publikum,
kreislauf- und rückenstabil ohne Platz- und Berührungsangst.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn die Seilschaft "nebenan" gespielt
hätte, dort wo die sog. "Großen" sind? Sicher wäre die Stimmung genau so
großartig, vielleicht mehr noch, die Seilschaft kann etwas, wovon andere nur
träumen, sie geben dem Publikum etwas zum Mitnehmen, eine Berührung, die
nachhaltig in der Erinnerung spürbar bleibt, DANKE dafür. |