Konzert  17.12.2010  Gotha - Krippenspiel

Konzerte

Bericht Thomas

 

Politischer Supergau und die Kreuzigung Jesus 

War das ein herrlicher Abend: Voller Komik, unanständigen Witzen und religiösem Firlefanz. Die Spaßgruppe Dekadance aus Dresden führte doch wirklich ein neues Krippenspiel in Gotha auf.

Wer sich ansonsten dieses Spiel am 24.12. in den Kirchen ansieht, wird kaum eine Übereinstimmung mit dem Schubertschen-Krippenspiel erkennen. In der Stadthalle wurde schon wieder ein neuer Inhalt präsentiert, der zwar mit einer Kreuzigung endet, aber Jesus einen anderen Weg dorthin gehen lässt. Diesmal versetzte Erzengel Gabriel unser aller Olaf-Jesus, nebst Familie, auf eine Bohrinsel, da seine Eltern, der ungarische Kampftaucher Joseph und die Universalarbeiterin Marie nicht den göttlichen Weg bestritten. Ganz ohne Arbeit, aber glücklich verliebt bezogen sie Judas IV. Doch alle Drei machten das Beste aus der Situation: Die heiligen drei Könige wurden ordentlich abgezockt und um Gold, Weihrauch und Möhren gebracht und der recht coole Gott selbst mit einer langen, eindringlichen und verdammt witzigen Rede nieder gerungen.

Diese wörtliche Betäubung entwickelte sich zu einem kurzen Soloprogramm Olaf Schuberts. Es blitzte der Schalk, es leuchtete Genialität. Olaf-Jesus wollte Buße tun, aber auch Busen greifen und erläuterte außerdem, dass die Ölsardine im Golf von Mexiko in der heutigen Zeit eine ganz neue Bedeutung bekommt. Aktuelles packten die „Monty Python des Ostens“ literweise in ihr Spiel: Da wurde über Radioaktivität und Brennstäbe philosophiert, die elenden TV-Kochshows veralbert und am Ende das gekochte Abendmahl über den Jordan geschmissen. Unwiderruflich ist die Herkunft des lieben Gottes: Es ist das schöne und recht konservative Sachsen. Bert Stephan sächselte manchmal gar herrlich, man musste so seine Figuren oberster Dienstherr und seinen Stellvertreter (Papst) auf Erden einfach lieb haben. Und besonders dann, als die Zuschauer zu hören bekamen, dass Gott sich immer mal frustriert in sein Ferienhaus ins Eichsfeld zurückzieht.

Ob er hier mit bekannten Einwohnern über Ski fahren und VW Ersatzteile „gnädschd“? Auch gab es einige Späße, die jeder im ausverkauften Saal schon auf andere Weise hören konnte, oder wer kennt diesen nicht: Was rief Gott, als er letzte Hand ans Ruhrgebiet legte? Essen ist fertig. Die Krippenspieler setzten in ihrem Spiel eins drauf: Na, wenn das Essen ist, wie wird erst Gottes Kotze aussehen. Irgendwann kam das Abendmahl auf den Tisch, bei dem neben Meister Gott, seinem unehelichem Sohn Jesus, Maria und Joseph, Newton, Herr Büttner-Petrol und Hawking, der plötzlich wieder lief, teilnahmen. Man steigerte sich während der Tischreden bis zum politischen Supergau, trank sächsisches Bier und nicht „die hiesige Krätze“, wie das Ensemble betonte.

Bei den ganz hervorragend agierenden und gut aufgelegten Musikern, die jedes Jahr zur Krippenspiel-Time auch als Schauspieler agieren, ist eine Pause nicht einfach eine Pause. Als die Zuschauer zum Bierstand laufen wollten, zeigten die sechs himmlischen Reiter ihre neueste Filmkreation zum Thema „Doppelhochzeit“. Diesmal hieß es: Bauer sucht Gitarrist und am Ende die Brille und ansonsten konnten sich Klaus Weichelt, Bert Stephan, Jochen Barkas, Holger Fuchs, Stephan Gräser und Olaf Schubert vor der Kamera völlig verausgaben, ordentlich austoben und verwirrt durchs Bild hüpfen.

Am krönenden Ende des Abends wurden schließlich alle Haken beseitigt und Jesus freiwillig ans Kreuz genagelt. Man sang noch gemeinsam einen Rocksong und ließ schließlich viele Menschen verwirrt aber glücklich, mit Lachtränen auf den roten Bäckchen, zurück. Möge Olaf Schubert auch im nächsten Jahr in Gotha die Krippe aufstellen. Dann sollten aber alle zu Hause bleiben, die keinen intelligenten Spaß verstehen und irgendwie auf die dicke Cindy warteten.