Konzert  19.11.2010  Gotha - Keimzeit

Konzerte

Bericht & Foto Thomas Behlert

 

Nach weisen Reimen Töne zum genießen 

Die Band Keimzeit ist in Gotha keine unbekannte Nummer mehr. So war es folgerrichtig, dass der Veranstaltungsort „Londoner“ fast ausverkauft war und sich über 230 Zuschauer den Hals verrenkten, Bier tranken und sich ansonsten recht vergnügt den Songs der Berliner Band  hingaben.

Davon hatten Norbert Leisegang und Mitspieler reichlich mitgebracht, denn schließlich galt es das neue Album „Land in Sicht“ vorzustellen. Hier handelt es sich um einen herrlichen Zweiteiler, der als eine Art Werksschau gelten kann. Alles was beim Publikum in den vergangenen 20 Jahren gut ankam, wurde fein säuberlich von den entsprechenden Alben getrennt und auf „Land in Sicht“ zusammengefasst. Manche Lieder spielte Keimzeit neu ein und verpasste diesen so neue Frische und Herzlichkeit.

Die Zuschauer in Gotha brauchten auf nichts zu verzichten, was ihnen in den vergangenen Jahren ans musikalische Herz gewachsen war. Es erklangen Klassiker aus den Alben „Stabile Währung Liebe“, „Privates Kino“ und „1000 Leute wie ich“. Gut aufgelegt waren dabei die Musiker neben Norbert, die fast alle wie er Leisegang hießen. Das Schlagzeug bediente Roland L. mit Freude an der Musik. Er trieb die Keimzeit-Meute immer zu Höchstleistungen an, wie auch der Tastenmann Andreas Sperling. Dieser konnte sein Instrument mal schnell zu einer alt klingenden Hammondorgel verwandeln und sogar Drehleiergeräusche erzeugen. Durch seinen Einsatz klangen die gut bejubelten Lieder „Irrenhaus“, „Singapur“ und „Schwein“ ziemlich cool. Ein ganz neuer Groove ließ gerade diese in den Köpfen der Zuschauer ankommen. Gerne sang das Publikum einige Zeilen und wippte ansonsten vergnügt und gut gelaunt im Takt mit. Rudi Feuerbach an der Gitarre und Hartmut L. am Bass vervollständigten das Bild.

Da Keimzeit für ihren musikalischen Rückblick einige instrumentale Titel wieder neu entdeckten, war es nur folgerichtig, dass diese auch in Gotha ausprobiert wurden. So schwebten nach vielen weisen Reimen Töne zum genießen durch den Raum. Das Quintett konnte sich ganz auf die Instrumente konzentrieren und ein Zusammenspiel auf hohem Niveau organisieren. Gitarre und Keyboard gaben bei „Fliegen“ alles: Sie bohrten sich in die Köpfe und machten klar, dass solch meditativer Sound gerne öfters erklingen könnte.

Da Keimzeit an diesem Abend die etwas ruhigeren Songs einsetzten, kam doch etwas Langeweile auf, die aber schnell durch verlässliche „Kracher“ vor die Tür getrieben wurde. Es ist halt so: Jeder wartet auf „Kling Klang“, denn da sind fast alle Text sicher, da kennt man die Melodie, da heißt es aus voller Kehle mitsingen und sich am Sound berauschen. Nach zwei Stunden und dem ebenfalls gewünschten „Kapitel 11“ war Schluss. So ganz Schluss aber doch nicht, denn das Publikum verlangte nach Zugaben, die dann ruhig und freundlich die Zeit bis Mitternacht verkürzten.