26.02.2010  -  Dekadance in Gotha

Konzerte

Bericht von Thomas Behlert ... vielen Dank

DeKadance

 

Mit dem Neidlied die Sorgen weggeblasen 

In der gut besuchten Kulturhochburg „Londoner“ zeigten acht erwachsene Männer in orangefarbenen Overalls, mit buntem Cowboyhut und kunstvoll geflochtenem Rastalocken was man alles an einem Abend für hochmusikalischen Quatsch präsentieren kann.

Gleich mit dem ersten Song bekamen Nichteingeweihte einen kulturellen Schock gratis, da die Band aus dem Sachsenland mit aller Macht einige Stile des modernen Pop „vermährte“ und sich kräftig aus dem unteren Teil der Witzescala bediente. Wer kann diese nacherzählen? Wer will sie überhaupt nacherzählen? Der Sänger, Komponist und Texter Bernd Stephan gab wirklich alles: Er blies zwischen seinen lustigen Einlagen und herrlichen Songs immer tatkräftig auf der glänzenden Trompete. Gleich nachdem er unaussprechliche Worte dem amüsierten Publikum entgegen warf, gab er auch an mitgekommenen Nachwuchs den Hinweis aus, dass sie sich mal die Ohren zuhalten sollten.

Es ging Schlag auf Schlag: Man klärt, dass die Gothaer gegenüber den Sachsen keine Chance haben und hört Hans-Jürgen, den brutalen Geiger, der die grinsenden, aber sich vollkommen hingebenden Zuschauer mit einem „Ergänzungstango“ unterhält. Dann baut sich sogar ein hochwichtiges Lied seinen Weg durch die Boxen: Das „Neidlied“. Hier singt die gut aufgelegte Combo, dass viele Neider nur das Blumenbeet sehen, aber nicht den Spaten. Immer wieder erschallt der große Hit „Veränderung“, der wohl bald in die Hitparaden der sächsischen Landeshauptstadt einfallen wird und der Band dann das beschert, was sie darin besungen: „Wir brauchen Veränderung“.

 

Dann war es endlich soweit und das tschechische Mädel Gabi Schubert, das dem Betroffenheitslyriker Olaf Schubert verdammt ähnlich sieht, durfte sich von ihrem Schlagzeug erheben und mit vielen Zischlauten die nächste Ansage bewältigen. Es ging irgendwie um ein Lied, mit dem sich die Gaby die Sorgen wegblasen wollte: „Blas mir die Sorgen weg“. Die blonden Locken schlenkerten dabei im Scheinwerferlicht. Hoch anrechnen muss man der „Schuberten“ ihr Erscheinen in Gotha, denn bei Cindy aus Marzahn lässt sie (er) sich immer entschuldigen und macht lieber per Video einige hochintelligente „Witzchen“. Live in Gotha! Schubert wir danken dir dafür.

Schließlich bestraften Dekadance noch Dazwischenquatscher mit lautem Jazz und alle andern mit der fetten Zugabe „My Home Is my Castle“, dem schönen Spießerlied.

Dekadance musizierten so gut, dass die Einladung für das nächste Jahr schon ausgesprochen sein sollte, aber nur mit der Bedingung, dass die viel besungene „Veränderung“ ausbleibt und sie auch morgen noch den gleichen herrlich dämlichen Spaß uns Gothaern um die Ohren hauen.