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27.04.2009 Berlin Pankow |
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Berichte & Fotos Timur |
Pankow |
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„Hans im Glück“ am 27. April 2009 im Berliner Prater – ein Rockmärchen von Pankow, inszeniert von der Volksbühne im Jahr der krachenden Krise und der rauschenden Revolutions-Retrospektiven. Der charmante Saal erinnert an eines dieser Kreiskulturhäuser und liefert damit eine authentische Kulisse für das osthistorische Jugendspektakel aus den Achtzigern: Die Geschichte vom begabten Hans, locker an das grimmsche Original angelehnt, handelt von der Planlosigkeit, von den Verwirrungen und Verirrungen eines jungen Menschen auf seinem Weg in die etablierte Wertewelt der Erwachsenen. Anstelle von Geist tritt zunehmend die Gier. Damals wie heute, sagen vorliegende Kritiken, hat die Story pädagogischen Wert und soziale Wichtigkeit. Das kann man wohl so stehen lassen, denn wenn sich auch draußen in der Gesellschaft inzwischen so manches erst gewendet und dann gewandelt hat, bleibt im individuellen Kern fast alles beim Alten. Die Aneck-Ecken heißen jetzt anders, und der tägliche Reibungsverlust wird vor allem auf Konto, Steuererklärung und Rentenbescheid sichtbar. Das auf der Bühne spartanisch inszenierte Konfliktfeld zwischen zählbarem Reichtum und spürbarem Glück dürfte für viele der überwiegend schon lange erwachsenen Besucher der Show sehr, sehr wirklichkeitsnah sein. Mehr noch als vor 25 Jahren, als das Stück seine Uraufführung hatte. Was im realen Sozialismus als Subversion galt, geht heute gleichwohl als Kritik am Kapitalismus durch. Ein kleines schrilles Ensemble agiert in flott gemachten Szenen um den pfiffigen und ebenso naiven Helden Hans. Mal laut, mal komisch und gern auch mal hysterisch, nimmt das Märchen seinen Lauf. Und dazwischen immer wieder und mittendrin: Pankow. Die erdigen Rocker, mit Rainer Kirchmann an den Tasten und Moe Jaksch am Bass, erscheinen im eleganten Outfit einer unschuldigen Tanzmusik-Combo. Passend zum Theater, passend zum Thema. André Herzberg fühlt sich im ständigen Rollenwechsel zwischen Rocksänger und Rezitator sichtlich wohl, während die Band auf eine angenehme Weise vor allem sich selbst spielt. Die Gestalt des Hans hingegen erscheint wie eine liebenswerte Provinzausgabe des Freibeuters aller Genres, Kid Rock. Mit jedem neuen Tauschgeschäft wird Hans vermeintlich glücklicher. Bis zum bitteren Ende, das dann wiederum keines ist, denn der musikalische wie auch emotionale Höhepunkt des Abends ist zweifellos „Stille“. Der letzte, der mit allem versöhnende, Song vom 1985er Originalwerk – jetzt im neuen Arrangement und mit den Worten des 2006er Albums „Nur aus Spaß“. Wer es auf der Platte noch nicht gemerkt hat, begreift es spätestens beim Live-Erlebnis: Dieses melancholisch schlendernde Lied über die kleinen Augenblicke des Glücksgefühls ist ein musikalisches Meisterwerk! Und weil ich inzwischen weiß, dass im Sommer mindestens ein weiterer Auftritt folgt, bleibt nur noch feststellen: „Es gibt das Glück!“
Ein Rockmärchen von PANKOW, Texte von Wolfgang Herzberg und Lothar Trolle
mit André
Herzberg, Jürgen Ehle, Stefan Dohanetz. Ensemble: Andreas Frakowiak, Ana Kavalis, Michael Klobe, Inka Löwendorf, Matthias Rheinheimer und Berliner Spätlese
Szenische
Einrichtung: Andreas Merz |
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