27.08.2010  Die Prinzen - Waltershausen

 

Konzerte

Bericht & Fotos  Thomas Behlert

 

Prinzen zwangen zum mitklatschen 

Waltershausen entwickelt sich so langsam zur heimlichen Hauptstadt des Rock`n Roll, im Landkreis Gotha. Vor einigen Wochen standen Uriah Heep und die Animals auf der Bühne des Gleis3Ecks, im September kommt Gudrun Lange und Kaktus und am vergangenen Freitag musizierte die Leipziger Band Die Prinzen in der prächtigen Stadtkirche.

Bis hinauf in die Empore, bis zum letzten Platz, war das ehrwürdige Gemäuer gefüllt, denn es kamen ja die besten Sänger Deutschlands, die ihr Handwerkszeug einstmals im Thomaner Chor erlernten.

Beim Konzert zwischen heiligen Bildern, großen Kerzenhaltern und dem Kreuz zeigte das Quintett, dass es das Singen nicht verlernt hat, sondern dies mit den Jahren immer besser gestaltete. Die Musik und die Lieder waren dem Publikum bekannt, es wurde fast jede Zeile mitgesungen, kräftig im Takt geklatscht und mit den Füßen gewippt. Damit die Auftrittsorte auf ihrer Kirchtour aber eine Überlebenschance haben und der Putz an den alten Wänden bleibt, ließen die Prinzen die große Anlage zu Hause, man spielte unplugged, es waren kaum Verstärker aufgebaut. Auch Schlagzeuger Ali Zieme hatte abgerüstet und Basser Mathias Dietrich stöpselte nichts ein, sondern schickte seine Melodien einfach durch das  weite Rund. Das erst Lied erklang weit oben, gleich neben der Orgel, und stammte aus dem 15. Jahrhundert.

Weiter ging es mit dem neuen Album und mit allen Songs, die so „zwischendurch“ entstanden, wie der gut aufgelegte Tobias Künzel den Zuschauern erläuterte. Er war es auch, der spontan den Auftrittsort in einen Zweizeiler einbaute: Wir möchten singen ohne Pausen / den ganzen Tag in Waltershausen. Viel zu erzählen hatte vor allem Sebastian Krumbiegel, der vergnügt und sich immer bewegend durch das Programm führte und zu vielen Liedern eine Geschichte wusste. Ihre Karriere begann bekanntlich mit dem ersten Album „Das Leben ist grausam“ und dem Hit „Gabi und Klaus“, der natürlich nicht fehlen durfte.

So ging es immer weiter: es erklangen die ersten Töne, gleich wusste das Publikum welches Liedlein nun erklingt. Das nutzten Tobias, Sebastian, Wolfgang Lenk, Jens Semdner und Henri Schmidt unbarmherzig aus, sie „zwangen“ alle zum klatschen, Hände heben und immer wieder zum mitsingen. „Küssen verboten“ machte Laune, „Alles nur geklaut“ erinnerte viele an das komische Fernsehprogramm, das man nun, Dank, der Prinzen, verpassen durfte und „Du musst ein Schwein sein“ belebte Erinnerungen an Selbsterlebtes. Doch zum großen Nachdenken kam keiner der vielen Thüringer Bürger, denn gleich wurde an das „Monster“ erinnert und natürlich an ein Land, in dem nicht immer alles zum Besten läuft: „Deutschland“. Mitsingen hieß die Devise erst Recht beim neuen Hit „Frauen sind die neuen Männer“. Einige ruhige Minuten konnten alle Beteiligten genießen, als nämlich Sebastian Krumbiegel ganz alleine, sich nur am Klavier begleitend, die ironische und melancholische Ballade „Zurück ins Paradies“ „trällerte“. Aber irgendwann muss auch das schönste Konzert ein Ende haben, nach vier Zugaben verließen alle Zuschauer und die Musiker glücklich die Kirche. So etwas könnte sich ständig wiederholen.