Konzerte Pankow und Silly 2009 - Ein Tagebuch

Konzert Tagebuch Pankow / City 2009

Konzerte

Pankow

City

Open Air Reviews: 3 x Pankow und 1 x City

Berichte & Fotos Timur

 

Nach der „Nur aus Spaß“ Frühjahrstour und mehreren Aufführungen von “Hans im Glück” an der Berliner Volksbühne gaben Pankow im Spätsommer drei Open Air Konzerte. Beim letzten im Doppelpack mit City. 

Stadtfest Hennigsdorf, Freitag, 28. August 2009 

Ein Stadtfest ist ein Stadtfest. Dieses hier hat zwei Bühnen und zwei Bands die zeitgleich auftreten! Dazwischen eine bunte Festmeile, mit dem nervenden Hitmix-Wummer-Chaos von Losbuden und Fahrgeschäften, an deren einem Ende schon seit halb acht die AC/DC-Coverband Riff-Raff das genresicher an Biertischen platzierte Publikum unterhält. Am anderen Ende dieses Highway To Hell startet pünktlich um acht Pankow – zum Glück ohne Bestuhlung vor der Bühne und laut genug, um nicht im Jahrmarktgetöse unterzugehen. 

Die Band, neben Herzberg, Ehle und Dohanetz, heute wieder mit Kulle Dziuk an den Tasten, zieht die ganze Kiste gleich steil nach oben. Unbeeindruckt vom bierseligen Freitagabendtreiben lassen Sie es ebenso munter krachen, als spielten sie in einem vollen Stadion – und siehe, nach und nach füllt sich der Platz tatsächlich. 

Klar gehen die alten Hits beim Publikum schnell in die Beine, aber auch bei den jüngeren Stücken springt der Funke über, ist doch neben der schnörkellosen Musik auch so ziemlich jedes Wort zu verstehen. Ein toller Sound. Wer hätte das gedacht! 

Pankow gibt eine Vorstellung, die angenehm locker über die Bühne rockt. Druckvoll, souverän und immer geradeaus – und am Ende hat es allen gefallen. Sicher auch denen vom Kettenkarussell. Gute Arbeit!

Altstadtfest Jena, Freitag, 11. September 2009 

Wieder so ein Freitag, und es dauert länger von Berlin-Pankow bis zur A9 zu kommen, als dann mit Höchstgeschwindigkeit die Reststrecke bis zur Altstadt von Jena zu absolvieren. Bei Ankunft auf dem beschaulichen Marktplatz läuft gerade der Soundcheck – so bleibt noch Zeit für eine wirkliche Original Thüringer Rostbratwurst. 

Der Platz ist gut frequentiert, und langsam füllt sich auch der Raum direkt vor der Bühne. Jedenfalls war man in Jena so schlau, das Festareal in Rummel und Kultur zu unterteilen, sodass das Eine das Andere nicht stört. Während sich Spannung und Stimmung steigern, sind Gesprächsfetzen zu hören: „Pankow, das waren doch … ist das nicht … ach die sind das … etwa ’ne Punkband … ach so, das ist ein Berliner Stadtteil … und danach hat sich die Band benannt?“ Offensichtlich ist es höchste Zeit, mal wieder im Grünen Herzen Deutschlands aufzutreten. Der letzte Gig in Thüringen muss der vor fast exakt drei Jahren gewesen sein – allerdings in Erfurt. Vielleicht zieht es die mit ihren Jazz-, Blues- und Rockfestivals verwöhnten Jenaer, wie ich in Gesprächen erfahre, nicht so oft in die Landeshauptstadt. Wer weiß. 

Aber gleich wird allen klar, wer hier auf die Bühne kommt und worum es geht: Der Opener „Gib mir ein Zeichen!“ knackig, rockig, rotzig – so oft gehört und immer wieder ein Genuss! Der Sound ist Spitze und beim Licht wurde nicht geknausert. Eine große Rockshow nimmt ihren Lauf, Jena kommt schnell in Schwung und vor allem in Bewegung! Ingo York ist heute offenbar gelöster als zwei Wochen zuvor. Deutlich hörbar wummert und treibt sein Bass die Combo vorwärts.  

Sogar das jüngere Publikum zieht es ganz nach vorn – ironischer Weise bei den älteren Songs, bei denen auch alle fröhlich mitsingen. Von wegen Pankow, wer war das noch mal! Am Ende der Show ist klar, dass Jena wohl als wahres Highlight in der 2009er-Live-Serie vermerkt werden muss. Exzellent!

Emmenrausch, Kelbra, Samstag, 12. September 2009

 

Am nächsten Tag der nächste Gig. Emmenrausch 2009, das offizielle jährliche Biker-Treffen für Fahrer und Freunde der Motorradmarke MZ, hatte sich das Talsperren-Strandbad des malerisch am Fuße des Kyffhäuser-Gebirges liegenden Kelbra auserkoren, nachdem der eigentliche MZ-Standort Zschopau, wo alle früheren Treffen stattfanden, nicht mehr zur Verfügung stand.

Ein weitläufiges Areal mit langem Strand. Dazu ein Dreitage-Programm, das wohl für jeden der angereisten Motorrad-, Musik- und Campingfreunde seine Leckerbissen hat. Einen sicheren Musikgeschmack bewiesen die Veranstalter, wie man von den Stammgästen hört, wohl schon in den Jahren zuvor. Dieses Mal hatten am Freitag die Glamrock-Legenden The Sweet und T-Rex das Rockrausch-Bühnenprogramm eröffnet, und für Samstag stehen nun Pankow und City auf dem Plan.

Pankow startet. Songs und Sound passen meinem Empfinden nach perfekt zur versammelten Biker-Szene, die sich allerdings nur zögerlich bewegen lässt. Auch, so scheint es, hat manches Jungblut vor Ort in seinem Leben noch nicht die richtigen Platten gehört. Aber was soll’s, das Zauberwort heißt Rock’n’Roll, und etliche der ausgewiesenen City-Fans lassen sich dann schließlich auch von Pankow bestens unterhalten. Solide Leistung!

Mit City kommt dann die ganz große Show. Laut- und lichtstark liefert die Band eine perfekte Performance mit neuen und neueren wie auch mit älteren und alten Songs. Machtvolle Drums, tragende Keyboards und schwerer Bass, melodisiert von Akustik- und E-Gitarre und immer wieder garniert von Joro Gogows Geigenspiel. Typisch City! Die guten Songs – zum Mitsingen und Mitklatschen – kommen bestens an, und im Finale selbstverständlich noch der Mega-Hit „Am Fenster“ und ein sprühendes Bühnenfeuerwerk. Fulminant!

Alles in allem ein sehr gelungener Abend – an einem wunderschönen Ort, mit hunderten schmucken Motorrädern, vielen netten Leuten und zwei vollen Packungen erstklassiger Rockmusik!