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Zu seinem einzigen Deutschland-Konzert kommt László
Tolcsvay am 20.Oktober nach Berlin ins CHB, dem ehemaligen Haus der
ungarischen Kultur am Alexanderplatz.
Der Künstler wurde 1950 in Budapest geboren und gilt als
herausragender Vertreter der ungarischen Beat-Generation der 60er
Jahre. Erste musikalische Stationen waren die Amateurbands The
Strangers und The Wanderers, Ende der sechziger Jahren gründete er
das legendäre Tolcsvay-Trio,das 1973 –zusammen mit den
Szörényi-Brüdern Levente und Szabolcs so wie
János Bródy (alle drei zuvor bei
Illés) unter dem Namen
Fonográf neue Akzente in der musikalischen Landschaft
Ungarns setzte. László Tolcsvay wird der Verdienst zugeschrieben,
als Erster Elemente der Rockmusik mit ungarischer Volksmusik
verbunden zu haben. 1973 schrieb er die Melodie zu
Petöfis ´´Nationallied´´,
welches sich zur Hymne seiner Generation entwickelte. Neben seiner
kompositorischen Tätigkeit für Fonográf arbeitete er auch
erfolgreich für zahlreiche andere Künstler, so z. B. für Zsuzsa
Koncz und
Judit Halász.
Von seinen größeren musikalischen Arbeiten soll als Erstes
das Musical ´´Doktor
Herz´´ Erwähnung finden – über 300 Mal an ungarischen
Bühnen aufgeführt, stand es 1991 auch auf dem Spielplan des Royal
Exchange Theatre von Manchester.
´´Isten
Pénze´´ und sein
Marien-Evangelium haben das Publikum von Budapest und
Bratislava und Oradea ebenso begeistert wie das von Deutschland,
Italien, der Schweiz oder den USA.
1987 vollendete Tolcsvay die ´´Ungarische
Messe´´, bei der volkstümliche, klassische und Elemente
der Rockmusik auf geniale Weise miteinander verknüpft werden.
Neben weiteren Oratorien und Balletmusiken hat er inzwischen fünf
Solo-Alben veröffentlicht.
Im Jahre 2003 hatte in Paris seine ´´Rákóczi-Fantasie´´ Premiere,
die anschließend auch in Rom , Brüssel, Kosice und Budapest zu sehen
war.
Am 30.Oktober vergangenen Jahres schließlich wurde die gemeinsam mit
János Brody komponierte Kantate ´´Ein Satz über die Freiheit´´
uraufgeführt.
Ein
vielseitig - vielsaitiger Mensch also, freundlich, zugänglich und
offen für neue Ideen.
Eine davon war unsere Überlegung, László Tolcsvay mit den seit über
einem Jahrzehnt erfolgreich die ungarische kulturelle Tradition (u.a.
Bártok, Petöfi) in die Gegenwart transponierenden
Transsylvanians bekannt zu machen, die unter dem prägnanten
Slogan ´´1000 Years Old Hungarian Speed Folk´´ nicht nur die
spezifisch deutsche Hüftsteife völlig schmerzfrei hinwegoperieren,
sondern auch im restlichen westlichen Europa ungezählte (Tanz-)Rockpaläste
an die Grenzen ihrer statischen Belastbarkeit brachten und zudem die
gern postulierte, aber nicht unbedingt realitätsnahe Option vom
harmoniegeschwängerten multikulturellen Global Village Europa nicht
allein durch ihr Repertoire, sondern auch durch ihre
deutsch-ungarische Besetzung in der Realität verankern.
Aus der geplanten kurzen Stippvisite wurden schließlich knappe drei
Stunden - der sprichwörtliche Funke sprang sofort über und wuchs
sich in kürzester Zeit zu einem leidenschaftlichen Feuer aus,
welches seine Höchsttemperatur in einer der heißesten Sessions
sengend verströmte, die der im
Kato unterhalb der U-Bahn Station ´´Schlesisches Tor´´ gelegene
Proberaum der Band wohl je erlebt hat und es wäre so erstaunlich
nicht, wenn die BVG auf Grund von Gleisverwerfungen einen
Schienenersatzverkehr hätte einrichten müssen. Egal, ob das rockige
´´Juliska-Jánoska´´ von den Transsylvanians oder die eher
besinnliche ´´Erste Straßenbahn´´ (´´Az
elsö villamos´´) aus der Tolcsvayschen Feder - die fünf spielten
zusammen, als würden sie seit Ewigkeiten zusammen auftreten - was
sie vielleicht auch eines nicht all zu fernen Tages machen werden...
Aber nicht genug damit, dass dies für sich genommem schon
Wunder-Land pur war. László Tolcsvay hatte Probleme mit seiner
Gitarre für das Konzert im CHB und so setzte sich
Transsylvanians-Gitarrero Hendrik Maaß mal eben kurz auf sein
Fahrrad - den immer näher rückenden Zeitpunkt seines Fluges nach
London im Nacken - und übergab seine akustisches Arbeitswerkzeug zu
treuen Händen; über so viel undeutsche Unkompliziertheit konnte dann
auch Tolcsvay Ùr nur noch staunen.
Schon stand die nächste Terminatur an, ein kleines
Interview im
rockradio.de - Studio von DJ Fredi für ostmusik.de,
keletizene.de und natürlich auch für den Sender, der wächst und
gedeiht und sich wachsender Belebtheit erfreut - nicht zuletzt bei
den Musikern selbst, geht es doch hier weder um ´´Format´´ und die
restliche Kommerz-Kacke - und um Kohle schon gleich gar nicht -
sondern um Inhalte, also genau um das, was die
öffentlich-rechtlichen Anstalten (sic!) sich selbst dermaleinst, in
schon lange veralzheimerter Vorzeit, ins Stammbuch schrieben, dafür
kräftige Gebühren kassieren, immer bestrebt, minoritäre Ecken und
Kanten abzuschleifen, um nur ja nicht den goldenen (Schnitt-)
Mittelweg zu verlassen und so etwas wie Kontur oder Profil erkennbar
werden zu lassen.
Und was den
windschnittigen Ätherwellen-Reitern recht ist, kann natürlich ihren
Brüdern und Schwestern im Geiste von der schreibenden & druckenden
Fraktion nur billig sein, darüber muß man sich nicht unbedingt
echauffieren - einfach weil man sich das vorher denken und eins und
eins zusammenzählen kann - wenn aber zum Beispiel der
Ober-Kapellmeister von ´´tuten & blasen´´ durch verstockt-ignorantes
Desinteresse sich empfiehlt, kommt man schon etwas aus dem
Takt(gefühl) incl. Harmonielehre...´´Anyway´´ ließe ein anderer
Papst von eigenen Gnaden Steine rollend jetzt verlauten, denn auch
hier erwies sich die zuvor veranschlagte Zeit von ca. dreißig
Minuten als all zu knapp bemessen - befänden wir uns noch in der Ära
des guten, alten Dampfradios drängte sich der reichlich alberne
Kalauer vom Dampfplauderer förmlich auf, doch ist dieser im
konkreten Falle mehr als daneben, denn was László Tolcsvay von sich
gab war alles andere als heiße Luft. Ausführlich und mit sichtlichem
Spaß an der Freud´ beantwortete er alle Fragen und auch nachdem die
diversen Mikros ab- und die Diktaphone ausgeschaltet waren, ging das
Gespräch weiter. Hätten nicht die
Omegafreunde.de (nicht zu verwechseln mit dem Omegafanclub.de)
und das spätabendliche
Konzert von Kistehén Tánczenekar seiner geharrt, wäre wohl noch
die oder andere Stunde unbemerkt vergangen. So verabschiedete sich
kurz nach Mitternacht ein gut gelaunter und entspannter László
Tolcsvay zusammen mit seiner Gattin, der gleich ihrem Manne
international erfolgreichen Künstlerin
Zsuzsanna Péreli, in Richtung Hotelbett...
20.Oktober
Der ´´Tag der Wahrheit´´, an welchem sich herausstellen sollte, ob
wir trotz medialer F-D-P-Taubheit (Flachzangen, Dumpfbacken und
Pappnasen) und dem relativ hohen Eintrittspreis von 25,- Euro, der
sich u.a. aus der Gage, den Flügen & Übernachtungen etc.
zusammensetzt, genügend Konzertbesucher mobilisieren konnten, um
nicht nur die ohnehin einkalkulierten persönlichen finanziellen
Verluste so gering wie möglich zu halten, sondern vor allem auch, ob
es uns gelungen ist, dem auftretenden Künstlern eine optimale
Atmosphäre zu ermöglichen, ist doch ein Auftritt vor gähnend leeren
Reihen alles andere als eine prickelnde Angelegenheit.
( Ein besonders herzliches Köszönöm szépen aber auch - zumindest von
mir - an das CHB!
In meiner seit dreieinhalb Jahrzehnten währenden
Konzertgänger-´´karriere´´ gab es ja schon das eine oder andere
allerliebst-herzerfrischende ´´Schmankerl´´ - aber das ein Laden,
Haus oder Schuppen eine Veranstaltung, die in seinen Räumen
stattfindet, einer Ankündigung nicht für wert befindet, ist dann
schon eine reife Leistung und eröffnet völlig neue Dimensionen
hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit. Das schreit förmlich nach
Patentierung und sollte fester Bestandteil aller BWL-Seminare
werden.)
Auch egal, zumal dieses legendäre Gebäude (in dem sich dereinst der
vom antifaschistischen Schutzwall fürsorglich behütete
Musik-Afficionado seine harte Ostmark gegen die Platten von
Generál,
Piramis,
LGT,
Skorpió, Omega und , neben vielen anderen mehr, eben auch für
Tolcsvay-Fonográf-Vinyl eintauschte, gab es doch damit nicht nur
etwas, um den Durst der Ohren zu stillen - schon die Plattencover,
deren drucktechnische Qualität und graphische Gestaltung,
vermittelten eine Hauch westlicher Dekadenz, waren quasi Vorboten
des Verbotenen - aus Freundesland) seiner Sanierung entgegendämmert
und der überwiegende Teil der Belegschaft im neuen, neben dem Maxim
Gorki Theater gelegenen Gebäude seine überbordenden Aktivitäten
nicht mehr mit einbringen kann.
Knapp zwanzig Tickets fanden im Vorverkauf ihre neuen Besitzer, das
ließ Übles befürchten, doch peau a peau füllte sich der Saal, gut
einhundertsechzig, überwiegend magyarisch justierte Ohren waren ´s
dann bei Konzertbeginn - im Vergleich zur numerisch nicht wesentlich
höher angesiedelten Zahl potentieller Berliner Musikfreunde durchaus
verdächtig nah dran am Guinness-Buch-Eintrag...
´´Öszinte dal´´ (´´Ehrliches Lied´´) von der zweiten, ´75er,
Fonográf-Scheibe ´´Mi újság Wagner úr?/Was gibt es Neues, Herr
Wagner?`` eröffnete den Abend. Weiter ging es dann wie folgt :
Vorwort
2.elöszó
3.´68
4.sajnalom, hogy igy esett -- Es tut mir leid, dass es so gekommen
ist
5.a mosolyod vigasztal -- Dein Lächeln tröstet mich
6.Tibeti hajna l-- Tibetische Morgendämmerung
7.a show folytatódik -- Die Show geht weiter
8.hunyd le a szemed -- Schließe deine Augen
9.köszönöm Doktor úr -- Danke, Herr Doktor
10.jöjj kedvesem -- Komm, meine Liebe
11.békét és reménységet -- Friede und Hoffnung....
12.éltek vizek -- Es lebten Gewässer
13.az elsö villamos
14.levél a távolból -- Brief aus der Ferne
15.la-di-da
16.kékszinü virág -- Blaue Blume
17.nemzeti dal -- National-Lied
Bis einschließlich Titel
Numero 12 gab es zusätzlich zu den abwechselnd mit Klavier, Gitarre
und Mundharmonika vorgetragenen Liedern eine unterstützende
Begleitung aus der Konserve, die aber nicht einer der Songs zur
Entfaltung seiner Wirkung nötig gehabt hätte - einer vergleichbaren
Unsitte glaub(t)en sich auch
Tibor Tátrai und Gábor Antal Szücs bei ihrem Latin Duo-Projekt
verpflichtet...
´´Die erste Straßenbahn ´´ war nicht nur László Tolcsvay erster
großer Erfolg als Solist, sondern auch der erste Titel, der bei
diesem Konzert ohne diese vermeidbaren Ballaststoffe auskam, mit der
nicht zu übersehenden Nebenwirkung, dass die anfängliche Spannung
einer zunehmenden Locker- und Verspieltheit wich, letztere nicht nur
im übertragenen Sinne.
Zwischen den einzelnen
Stücken eingestreute Anmerkungen, Anspielungen und Anekdoten, deren
mehrdeutiger Sinn sich aber leider nur den Muttersprachlern
erschloss; nicht nur aus diesem triftigen Grunde ärgerte sich manch
Anwesender über die selbstverschuldete Schludrigkeit beim magyarul
tanul... Die anschließenden Zugaben, an deren Zustandekommen der
Maestro wohl selbst nicht so recht zu glauben schien und die darum
auch keinen Platz auf der Setlist fanden, wurden vom Auditorium
überwiegend stehend entgegen genommen.
Nach dem letzten Vorhang kurz Luft geholt und schon ging es ans
Signieren und geduldige Fragen beantworten in englischer, deutscher
und der eigenen Sprache, ans Fachsimpeln mit Attila Ducsay - einem
umtriebigen Hans-Dampf-in-fast-allen-Gassen, der sich u. a. einen
Namen machte als Nachdichter und zuletzt für City und deren ´´Yeah
Yeah Yeah´´-Album die
Gábor Presser/Zóran
Sztevanovity - Komposition ´´Apám
hitte´´ ins Deutsche kongenialisierte: ´´Vater glaubte´´- und
und und.
Bedingt durch den frühen Rückflug nach Budapest, wo am Sonntagabend
der nächste Auftritt auf ihn wartete, konnte er die Einladung zum
Transsylvanians-Konzert in der nahegelegenen Kalkscheune leider
nicht annehmen, aber aufgeschoben soll sich ja nur auf aufgehoben
reimen, mehr nicht...
Alles in allem also ein gelungener Versuch deutsch-ungarischer
Zusamenarbeit - Fortsetzung folgt , die erste bereits am Freitag,
den 16. November, dann mit einer musikalischen Innovation namens
HANGOK, genaue Angaben zu Zeit und Ort sind
hier zu finden.
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