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23.07.2006 Königstein Silly und Gäste |
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Konzerte |
Bericht Kossie / Fotos Kathrin |
Silly |
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Ruhe in Frieden – Tamara! „Auf der Festung Königstein, hollahi, hollaho…“ – wer kennt es nicht, dieses „kulturvolle“ Stimmungsliedchen, das eigentlich so gar nichts mit der anspruchsvollen Musik der Ostrock-Legende Silly zu tun hat. Außer dass diese Band eines Sonntags (23. Juli 2006) jene Festung Königstein eroberte, um im Rahmen des 10. Todestages von Tamara Danz ein Gedenk-Konzert mit einer Vielzahl von musikalischen Gästen zu geben. Soweit, so gut … oder besser so schlecht? Irgendwie ruhte über allem schon ein etwas bedrückendes Gefühl, einerseits wegen des Konzertrund dieses Konzertgrundes, Tamaras Tod, andererseits des unberechenbaren Wetters wegen, das sich am Himmel so langsam aber sicher zusammenbraute. Das Wetter hielt sich glücklicherweise, doch das Konzert hielt leider nicht, was zumindest ich mir davon versprochen hatte. Bereits die Berliner Vorband, Mariannenplatz, die sich auf der Melodie & Rhythmus sogar die komplett letzte Seite mit einer Werbeanzeige leisten kann, passte von ihrer musikalischen Ausrichtung einfach nicht zu dem, was mit Silly folgen sollte: denn es gab hier diesen typischen Deutsch-Rock mit etwas verkopften Texten, wie wir ihn momentan zur Genüge von Kettcar oder Tomte geboten bekommen. Die Leute vor der Bühne waren zwar freundlich verhalten, aber garantiert nicht das richtige Zielpublikum. |
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Und da man ja nicht wegen der Vorband gekommen war, freut man sich in diesem Moment noch stärker auf die Hauptattraktion: SILLY samt der illustren, auf Plakaten und in Anzeigen angekündigten Gäste. Nur schienen einige vor der Festung wohl zu große Angst zu haben, denn Wolfgang Niedecken, Katy Karrenbauer und Angelika Weiz fehlten einfach, dafür war Anja Krabbe wieder anwesend, die anfangs sehr schwach (besonders im Hintergrund von IC) sang, sich dann aber etwas steigerte und am Ende, bei der Zugabe „Traumpaar“ im Duett mit IC, glänzte. IC selber sang souverän, aber nicht gerade faszinierend. Er war nett, aber nicht charismatisch. Na ja, er war eben nicht das, was früher Tamara für die Band war, er war eben nur ein Ersatz, der nicht seine eigenen, sondern die Titel einer Anderen singen musste. Am stärksten kam das in dem Moment zum Ausdruck, in dem er seinen einzigen eigenen Titel, den er Reinhard Fißler widmete, singen durfte – der eigentlich Höhepunkt des IC-Auftritts. Anja Krabbe war die nächste, auch sie bot eine gute Leistung ohne besondere Höhepunkte, wogegen der nächste, Dirk Zöllner, ganz hervorragend die härteren Silly-Titel interpretierte. Und da war es, dieses Gefühl, dass hier ein Musiker steht mit einer ähnlichen Ausstrahlung wie sie einst Tamara hatte. Auch Anna Loos, die sehr bewegend ihren Auftritt mit „P.S.“ begann, kam der Sangesleistung und Erscheinung von Tamara Danz ziemlich nahe, nur so wie sie sich auf der Bühne gab, hatte das mit Tamara kaum etwas zu tun. |
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Eine großartige Sache war wohl auch der Auftritt der fantastischen Liedermacherin Ulla Meinecke, die drei bewegende Titel aus ihrem eigenen Repertoire zum Besten gab, aber passte das eigentlich zum Anliegen dieses Konzerts? Gut, zumindest durfte man mal einen Meinecke-Kurz-Auftritt live erleben! Auch Toni Krahl verstand es, das Publikum auf der Gefühlsebene zu packen, da er einen faszinierenden eigenen Titel sang, in dem er davon erzählt, wie er mit seiner kleinen Tochter das Grab von Tamara besucht und sehr melancholisch seine Eindrücke zu ihr und dem was aus ihrem musikalischen Vermächtnis geworden ist, wiedergibt. Danach sang er noch einen Silly-Titel und kündigte denjenigen an, der den Titel singen dürfe, den sich jeder der Beteiligten am meisten wünschte: Bataillon D’Amour. Ahnte Toni zu diesem Zeitpunkt schon, dass er das musikalische Grauen in Person von Joachim Witt ankündigte? Der Techniker schien dies wohl zu wissen und drehte Witt für den ersten Titel (Landekreuz auf meiner Seele) gleich mal das Mikro ab, so dass man einen seltsamen, dicken, älteren Mann auf der Bühne rumhüpfen sah, der sich voll ins Zeug legte und ein tonloses Duett mit Anja Krabbe zelebrierte. Nachdem man bemerkt hatte, dass kein Ton beim Publikum angekommen war, entschuldigte sich Herr Witt zwar mit der Bemerkung, dass es nicht seine Schuld wäre, aber den Titel zu wiederholen, viel niemanden der beteiligten Musiker ein. Dadurch ist uns glücklicherweise die erste Sanges-Katastrophe erspart geblieben, die uns als zweite dann aber stehenden Fußes mit der Witt-Interpretation von Bataillon D’Amour folgte. An dieser Stelle kann ich nur hoffen, dass Tamara Danz diesen Auftritt nicht aus himmlischer Höhe mitverfolgt hat, sondern gerade selbst mit Janis Joplin oder Jim Morrison unterwegs war. Denn Witt schaffte es tatsächlich, einen der besten Silly-Titel als die mieseste Erinnerung des Konzerts zu hinterlassen, er kann eben nicht singen, sondern nur mit verfremdeten Tönen Laute von sich geben, die einer Tamara Danz in keiner Weise würdig sind. Hat das die Band nie bemerkt – oder woran liegt es, dass dieser Mann Tamara so ihre „letzte Ehre“ erweisen darf. Da wünscht man sich doch, dass der „Goldene Reiter“ von der nächst besten „Flut“ davon gespült wird zu seinem „Mädchen Kosmetik“. Das Konzert ging zu Ende, das Wetter hatte sich gehalten, doch die Eindrücke blieben geteilt – und irgendwie lässt mir eine Frage keine Ruhe: Wo war der Geist von Tamara Danz? |
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