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Melodie & Rhythmus 2/1985 |
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Engagement für die Popmusik |
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Wolfgang Seppelt |
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Das zweite Zusammentreffen
mit ARNOLD FRITZSCH fand zwar fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem
ersten statt, die Umgebung allerdings war diesmal eine angenehmere. Denn
einte uns damals zufällig eines der übelsten Fahrzeuge, mit denen sich
Reservisten zu ihrem dreimonatigen Landaufenthalt zu begeben pflegen, so
trafen wir uns diesmal zu anderem Zweck in der stilvollen Altberliner
Wohnung des Ex - "Kreis"-Lerianers, Komponisten, Arrangeurs,
gelegentlichen Texters und neuerdings auch wieder Interpreten ARNOLD
FRITZSCH. Womit wir denn auch bei der Sache wären, beim ARNOLD FRITZSCH des Jahres `84, der sich nicht nur durch den Stoppelbart vom Jungstar der 70er Jahre unterscheidet. |
Denn als sich aus mancherlei Ursache die Kreise von "Kreis" popkonzentrisch zu verflüchtigen begannen, wechselte der Bandchef a.D. ohne Pause auf ausschließlich eigenverantwortliche Popwege über. Und das nicht, um etwa nachträglich an der Erfolgsquadratur des Kreises zu basteln (um im geometrischen Bilde zu bleiben), sondern um fortan so geradlings wie möglich seinen populärmusikalischen Ambitionen nachzugehen. Ambitionen, die sich bereits bei fast zehnjährigen "Kreis" - Training musikalisch bewährt und als äußerst publikumswirksam erwiesen haben und von denen vier Langspielplatten aus dieser zeit hörbares Zeugnis ablegen.
FRITZSCHs Kompositionen strahlten Frische aus, waren von direkter Machart, interessant instrumentiert und zeitgemäß interpretiert. Sie bedienten den damaligen Disko - Stil aufs beste und eigneten sich in jedem Fall zum Tanzen. Der mit der Musik der Beatles aufgewachsene Ex - Erzgebirgler FRITZSCH bekennt sich auch heute noch vorbehaltlos zu solcher, auf unmittelbare Wirkung zielende Musik, mit der Einschränkung allerdings, dass sie in Sound und Stilistik den zeitmodischen Wandlungen Rechnung tragen muss. Um jeglichem Missverständnis vorzubeugen, bei dieser Haltung handelt es sich um eine künstlerisch bewusste und nicht um Reduzierung aus Mangel an Substanz. Denn ARNOLD FRITZSCH hat nicht nur Talent, er hat sein musikalisches Handwerk auch gründlich studiert.
Abgesehen vom eifrigen Nachspielen der Hits früher Beatjahre in der Schülerband, wobei schon damals manche FRITZSCH - Kompositionen über den kleinstädtischen Tanzboden klangen, erhielt er ab 1965 an Zwickaus renommiertem Robert - Schumann - Konservatorium auch Trompeten-, Klavier und musiktheoretischen Unterricht. 1971 schließlich nahm er ein Musikhochschulstudium in Berlin auf, bei dem er u.a. im Fach Komposition von Prof. Dr. Wolfram Heicking betreut wurde.
Noch als Student gründete er die Gruppe "Kreis", komponierte, arrangierte, organisierte und tourte als Interpret seiner Lieder gemeinsam mit Ehefrau Eva (damals vielleicht eher Ehemädchen zu nennen) und den "Kreis" - Musikanten durch `s In - und Ausland, erreichte etwas, das meines Wissens außer ihm nur Fred Frohberg gelang: "Kreis" war über längere Zeit eine Stargruppe in der sonst vorrangig national orientierten tschechoslowakischen Pop - Szene.
Im 82er Trennungsjahr (der Gruppe wohlgemerkt, die Familie ist intakt wie eh und je) konzentrierte sich ARNOLD FRITZSCH dann auf die Studioarbeit und dabei wiederum insbesondere auf den Nachwuchs. Selbst noch jung und trendwendig genug, um für die nachrückende Interpretengeneration stil - und zeitgerecht schreiben zu können, und trotzdem schon sehr erfahren und mit Überblick über den komplizierten Gesamtprozess Komposition - Text - Interpret - Produktion ausgestattet. Und so kann der ARNOLD FRITZSCH der Jahre 84/85 bereits auf viele Erfolge seines zweiten Engagements für die DDR - Popmusik und ihre Interpreten zurückblicken.
Beispielsweise darauf, dass Ines Paulke ("Robinson") und Steffen ("Luise", Text gleichfalls FRITZSCH) von seinen Nachwuchsaktivitäten nicht unerheblich profitiert haben. Zu den Arbeitspartnern gehören aber auch gestandene Sänger wie Gerd Christian ("Steh mir bei") oder Eva-Maria Pieckert ("Glücklich sollt ihr werden"). Für sie schrieb ARNOLD FRITZSCH gerade zwei neue Titel: "Traumpaar" und "Ohne Garantie".
Das "Murmel" als Spielmacher und musikalischer Mitgestalter ca. 25 "He-Du" Sendungen des Kinderfernsehens moderierte und für die Sendungen "Polizeiruf 110" oder die "Variete" - Serie komponierte, sei genau wie der Chansonabstecher mit einfühlsamen Liedern für Angelika Neutschel nur kurz erwähnt und dem Konto Vielseitigkeit zugeschrieben. Ganz brandheiß und - neu liegt auf meinem Plattenteller die "Pop - Projekt" untertitelte Quartett - Scheibe "Elektrik Boogie". Damit offeriert FRITZSCH den heimischen Breakdance - Jungs musikalisch hochaktuelles und hierzulande produziertes Diskomaterial, das aber auch für Disko - Normalverbraucher brauch - und tanzbar ist.
Was für andere gut ist, kann einem selber doch auch nicht schaden - meinen schon lange seine Freunde vom Rundfunk und jetzt auch ARNOLD FRITZSCH selbst. Zwar will er primär Schreiber bleiben, zwischendurch aber mal wieder den Solosänger versuchen. Werner Karma textet und ARNOLD FRITZSCH komponiert, arrangiert und singt. "Du sollst mich haben" und "So träumen" heißen die ersten neuen Lieder, von denen letzteres bereits für das im kommenden Monat stattfindende Songfestival in Malta nominiert ist.
Nationaler und internationaler Start fast zeitgleich also. Eine Jury und das hiesige Publikum werden in den nächsten Wochen mitbestimmen, was es über das 85er Profil des ARNOLD "Murmel" FRITZSCH zu sagen geben wird.