Gruppe Kreis - Presse 1989

Melodie & Rhythmus  9/1989

   
 

Mut zum Gefühl

 

Jan Audenhover

   

  Wer selbst jahrelang auf der Bühne gestanden hat, den lässt dieses besondere Fluidum wohl nie mehr los. Den reizt es, zumindest ab und zu, wieder vor das Mikro zu treten. Ein Beispiel: ARNOLD FRITZSCH, einstiger Chef der ersten Pop - Band der DDR namens Kreis. Das war vor etwa 10 Jahren.

Nach dem Split der Gruppe zog er es vor, sich mehr in den Hintergrund zu begeben. Allerdings blieb er weiter kräftig im Pop - Geschäft - als Komponist, Arrangeur, Texter und Produzent. Doch zurück zum Sänger Arnold Fritzsch. Dieser präsentierte sich Anfang des Jahres während der "Tage der Jugend" bei den "Classics", der musikalischen Übertretung mit der Halleschen Philharmonie, u.a. mit zwei Songs, die sich nun auf seinem ersten Amiga - Solo - Album befinden.

"Wärme" erschien im Juni `89.

"An diesem Projekt arbeitete ich zwei, drei Jahre. Es ist eine Sammlung von Ideen, Gefühlen - und zeigt mich wie ich bin. Spart allerdings die Facette des absoluten begeisterten Pop - Fans aus ..." (die wiederum mit dem Pop - Projekt ihren Ausdruck findet).

Es ist sicherlich immer noch ein Wagnis, für Popsongs Arrangements zu wählen, die in der Tradition der sinfonischen Musik stehen. Es drängt sich die Frage auf, warum ARNOLD FRITZSCH dieses Risiko einging: " Als ich 1987 zum ersten Mal die LP "Bad" von Michael Jackson hörte, war ich ob der Perfektion und Wirkung dieser Musik erschlagen, dass ich einpacken wollte. Irgendwann fing ich dann an, mir zu überlegen, was wir Mitteleuropäer dagegen setzen können. Da ist die Tradition der Beherrschung des Sinfonie - Orchesters. Und dann natürlich die deutsche Liedkomposition, der ich mich auch sehr verpflichtet fühle; diese Schwere, ja Schwermütigkeit der abendländischen Musikkultur ...".

Die Songs der Langspielplatte strahlen menschliche Wärme aus, die leise, einschmeichelnde Melancholie beeindruckt. Das liegt nicht nur an den poetischen, assoziativen Texten Werner Karmas und den filigranen, stets auf Wirkung zielenden Arrangements von Professor Wolfram Heicking, sondern an den gefühlvollen Kompositionen ARNOLD FRITZSCH `s.

Diese Dreieinigkeit verhilft der Platte zu einer Tiefe, die ihm sicher viele kaum zugetraut hätten. Mit zu den besten Songs gehört "Der tote Clown". Die Verwendung des lateinischen Textes steigert die Aussage dieses Titels in ein geradezu hymnisches Mass. Überhaupt erscheint die zweite Plattenseite nicht nur in Bezug auf die Songs, sondern auch von der Dramaturgie her die stärkere zu sein: Wie die Stimmung des "Toten Clowns" durch das nachfolgende Stück "Der Freund" ( mit einem herrlichen Vaudeville - Sound ) aufgebrochen wird, ist einfach bestechend.

Der Titel - und Schlußsong der LP dann wirkt wie eine Zusammenfassung dessen, was ARNOLD FRITZSCH anzustreben gedenkt:

Halt ich dich in meiner Hand / musst du wissen / nie will ich dich drin beengen. / Bleibst du hier im warmen Land / darf die Wärme nie als Fessel an dir hängen ...

Ein sympathisches Credo !