Gruppe Kreis - Presse 2004

Melodie & Rhythmus  3/2004

   
 

Der fünfte Beatle - Arnold Fritzsch

 

Karlo Enskat

   

  Bei seinem Namen fällt manchem zuerst seine tief traurige Ballade über die Auflösung der Beatles ein. Mitgefühlter Schmerz unter Millionen Fans, von denen sich Arnold Fritzsch trotzdem in einer besonderen Weise unterscheidet - er kann selbst Songs schreiben, die Hitpotential haben. So war seine Zeile „ich bin der fünfte Beatle und stehe hier allein" nicht nur trauriger Nachruf, sondern auch Programm für den smarten Mann am Klavier, der mittlerweile auf eine Musikerlaufbahn mit ausgeprägten Höhen und Tiefen zurückblickt.

Allein scheinst du heute mehr denn je zu sein. In der Liebe wie in der Musik. Oder täuscht das?

Na ja, in der Liebe hab ich vielleicht kein so glückliches Händchen. Die Trennung von Eva hab ich erst viel später wirklich realisiert, auch durch unseren Sohn Marcus. Ich hatte mich in Burglinde Wenk, eine Tänzerin vom Friedrichstadtpalast verliebt. Aber auch das hielt nicht sehr lange. Was uns blieb, war unser Sohn David. Dann kam irgendwann Angela in mein Leben und ich lag ihr zu Füssen. Sie war die erste Frau, der ich ohne Wenn und aber treu sein konnte. Und sie kam in einer Zeit, als sich mir geschäftlich-künstlerisch gerade der Himmel öffnete. Die Mauer war gefallen. Ich bekam als Künstler und Produzent einen Vertrag mit der BMG, produzierte in Tutzingen im Maffay-Studio, wurde mit meiner Frau nach München zur Plattenfirma geladen und man stellte mir dort einen fetten Mercedes vor das Hotel. Damit düsten wir jung Verliebten dann natürlich nach Venedig... Es war wie Traum.

Aber jeder Traum kennt ein Erwachen.

Und das kam schneller, als mir lieb war. Meine Verträge sagten, dass ich auch andere Künstler produzieren und bei BMG unterbringen würde. Aber keiner meiner Vorschläge wurde angenommen. Ich wollte Ines Paulke und anderen Kollegen den Weg ins geeinte Deutschland ebnen. Wir schrieben Songs, produzierten Demos, aber nichts passierte. Bis ich begriff, dass der Westen gar nicht interessiert daran war, unsere Leute auf den Markt zu lassen. Man wollte im Osten verkaufen. Sonst nichts. Ich meine, wann hat es schon auf der Welt etwas Vergleichbares gegeben. Die DDR öffnete nicht nur die Tore, sondern übergab die Schlüssel gleich mit. Die Ossis kauften jeden Schrott aus' dem Westen und die wohlhabenden Wessis kauften im selben Atemzug alles, was im Osten von Wert war. Häuser, Schlösser, Fabriken, Ländereien. In jede Firma kam ein wissender Geschäftsführer von West und die Ossis hatten ihre Haut zu Markt zu tragen. Und wohin hat uns das gebracht? 

Wohin hat es dich gebracht? Dein BMG-Vertrag endete?

Hat er. Und ich bemerkte das irgendwo im Ausland, weil mein Konto plötzlich leer war. Sie hatten aufgehört, die Vorschüsse zahlen. Ich warf mich voll auf die Filmmusik. Meine Familie wurde größer, Angela schenkte mir zwei wundervolle Jungs und ich genoss es, zu Hause im Studio arbeiten zu können und Hausmann zu sein. Aber etwas wandelte sich dabei in unserer Beziehung. Angela war jetzt durch ihre Fernsehmoderrationen die populäre Hälfte unseres Teams und nach ihrem Plan lief auch das Familientiming. Ich ordnete mich ein und unter. Vielleicht aber machte mich genau das für Sie unattraktiv. Hinzu kommt, dass ich schon immer sehr anfällig für Depressionen war und so verstrickte ich mich erneut in einem Netz aus verlorenen Träumen. überwältigter Angst und unerwiderter Liebe.2002 trennten wir uns und ich zog zurück nach Berlin. 

Und die Kinder?

Ich verbringe soviel Zeit wie möglich mit ihnen. Auch mit dem Großen, Marcus, der inzwischen selbst schon erfolgreich Musik macht. Angela zieht demnächst wieder mehr in meine Nähe, damit die Kinder es leichter haben, zu ihrem Vater zu kommen. Und immer, wenn ich diese Frau wieder sehe, schlägt mein Puls heftiger. 

Und was macht der Beatle in dir?

Weißt du, ich bin ja kein Typ, der die Bühnenmitte braucht. Ich bin Perfektionist und als solcher singe ich nicht gern vor Leuten, weil ich immer daran denken muss, wie viele Sänger es gibt, die mich in den Schatten stellen. Deshalb hatte ich auch damals trotz des Erfolges plötzlich keine Lust mehr, bei Kreis zu singen und hab auch meine Solokarriere immer wieder vernachlässigt. Beim Komponieren ist das ganz anders. Ich halte mich auf diesem Gebiet für einen der Besten und es macht mich ganz zufrieden, wenn ich bei einem Konzert eines Sängers einen einzigen Song von mir höre. Ich sehe die Leute und weiß, das ist der Beste. Ich kann immer noch sehr gute Songs schreiben. Das fliegt mir einfach zu. Manche Songschreiber haben dieses Glück. Paul Mc Cartney ist auch so einer oder Elton John... Ich arbeite wieder mehr in Liveprojekten wie „Rockzdaddy“ und „Monily". Trete gemeinsam mit Ines Paulke auf, für die ich ja zwanzig Jahren Lieder schreibe. Und ich habe wieder Träume. Zum Teil ganz alte, die ich nur lange vergessen hatte. Zum Beispiel möchte ich gern mal in das indianische Amerika. Da staunst du jetzt, oder?