|
Melodie & Rhythmus 7 / 1973 |
|
|
Eberhard Görner |
"Heute bin ich allein ..." - wer kennt ihn nicht, den Erfolgstitel in unseren Schlagerparaden. Reinhard Lakomy ( Sänger, Komponist, Arrangeur und Orchesterleiter in einer Person ), dieser Name ist zu einem Begriff geworden.
|
|
Der Weg zum erfolgreichen Musiker und Interpreten begann für ihn in seiner Heimatstadt Magdeburg, wo er bereits mit sechs Jahren Klavierunterricht nahm, mit Fünfzehn in einer Band musizierte, erste Kompositionsversuche unternahm und nach Unterrichtsschluss, er besuchte die Musikschule, mit seinem Lehrer Dieter Nahtow Komposition und Klavier übte. Nach dem Abitur studierte Reinhard Lakomy ab 1965 an der Hochschule für Musik "Carl Maria v. Weber", Dresden. Dann kam Berlin: 1966 Pianist bei Klaus Lenz, 1968 Mitbegründer des Günher - Fischer - Quintetts, dazwischen Ehrendienst bei der NVA, 1971 Gründung des Reinhard - Lakomy - Chores, bis Sommer 1972 Weiterarbeit im Günther - Fischer - Quartett und 1973 Etablierung einer eigenen Gruppe unter dem Namen Reinhard - Lakomy - Ensemble. Ist an dieser kurzen Musikbiographie schon die Zielstrebigkeit und der Fleiß Reinhard Lakomys ablesbar, so wird dies noch deutlicher, fragt man ihn nach seinen persönlichen Erfahrungen bei der Umsetzung von Tanzmusik. "Wirkungsvolle Tanzmusik zu komponieren verlangt, das man sich auch in anderen Musikbereichen, wie Klassik oder Jazz, bestens auskennt. Für meine Kompositionen habe ich keine Vorbilder. Verbindet man sich damit, besteht die Gefahr, das das Eigene schnell zur Kopie wird. |
Ich muss meine Mittel selbst ausprobieren, zu einer meinen Intuitionen entsprechenden Melodie konkrete Klangvorstellungen entwickeln, denn: Komposition und Arrangement müssen aus einem Guss sein, wobei natürlich das Arrangement in sich Gegensätze braucht, sonst wird der Titel uninteressant. Gleiches gilt für den Text.
Er darf den Rhythmus einer Komposition nicht zerstören, beides, Text und Melodie, müssen eine harmonische Einheit finden, die dann durch die Interpreten zum Tragen kommt. In Fred Gertz, mit dem ich seit 5 Jahren zusammen arbeite, und der alle meine Texte schreibt, habe ich in dieser Hinsicht einen kritischen und deshalb produktiven Partner."
Reinhard Lakomy ist der Auffassung, das es nicht reicht, nur begabt zu sein, darin sieht er nur die eine Seite eines guten Musikers, die andere heisst intensives Arbeiten, Vervollkommnung der handwerklichen Fähigkeiten und deren Prüfung in der Praxis.
Klingender Beweis für die Richtigkeit einer solchen Haltung ist der Erfolg seines Chores. Er meint dazu: " Einen Chor kann man fast instrumental einsetzen, man kann ihn mit anderen Instrumenten koppeln. mehrere Gesangsstimmen im Satz haben eine viel wärmere, persönlichere Wirkung, als wenn nur Streicher und Bläser eingesetzt werden. Das Arrangement wird einfach farbiger. "
Sicher ist es zu früh, von einem Lakomy Sound zu reden, aber seine persönliche Handschrift ist sowohl im Schlager als auch im Jazz nicht zu überhören.
Wäre noch zu vermerken, das Amiga Ende 1973 eine Langspielplatte nach dem Motto "alles von Lakomy" herausbringt, das er gemeinsam mit Petrowsky, Schneider und Koch ein Jazz - Quartett gegründet hat, demnächst die Filmmusik für einen neuen Kriminalfilm aus der Fernsehserie "Polizeiruf 110" schreibt, im Juli eine Single von ihm mit "Ich geh in den Tag" auf den Plattenmarkt kommt und natürlich die Vorbereitungen für die Weltfestspiele auf Hochtouren laufen.