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Melodie & Rhythmus 8 / 1985 |
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Andre Ruschowski |
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Mittlerweile hat es sich bestimmt herumgesprochen, und die Titelzusätze auf nun schon drei LP`s weisen nochmals nachdrücklich darauf hin: REINHARD LAKOMY hat sich seit 1978 weitgehend der elektronischen Klangerzeugung verschrieben. Da er in dieser Hinsicht einer der ersten ( wenn nicht sogar der erste ), aber auf jeden fall der konsequenteste professionelle DDR – Musiker war, ist es nun sein persönliches Schicksal, zu einer Art Paradepferd elektronischer Popmusik in der DDR geworden zu sein. Das war nicht unbedingt LAKOMYS Schuld, sind doch solche Pionierrollen eine nicht ganz leichte Bürde, garantieren aber in jedem Fall rege Anteilnahme seitens des Publikums. Aus diesem Grund ist man leicht geneigt – allzumal im Ausland – LAKOMYS elektronische Produktionen für den Entwicklungsstand dieser Musikrichtung in der DDR schlechthin zu halten. Das trifft aber nur zum Teil zu. Doch bleiben wir bei REINHARD LAKOMY und sehen uns mit diesen Überlegungen im Hinterkopf seine neueste Langrille an, die er gemeinsam mit Rainer Oleak fertig gestellt hat. „Zeiten“ stellen auf dieser LP eine Art übergreifende Klammer dar. Das wird vor allem an den Bezeichnungen der Stücke „Gleichzeit“, „Raumzeit“ und „Ruhezeit“ auf der ersten Seite sowie „Klangzeit“ und „Hochzeit“ auf der zweiten Seite deutlich. Die Titel der Stücke mit ihrem plakativen Mystizismus weisen jedoch eher in die Anfangszeiten elektronischer Rock – und Popmusik, als das sie ein modernes, innovatives Konzert vermuten lassen. Um so beruhigter ist man nach den ersten, und erst recht nach den letzten Klängen der Platte. Der erste Eindruck ist durchaus positiv, man braucht keine Angst zu haben, das hier die Tonika neu erfunden wird oder die Phantasie der Komponisten in allzu ferne Zeiten und Weiten entschwindet. LAKOMY behält immer den Popmusik – Hörer im Auge, und so erwartet einen interessante und im großen und ganzen durchaus im Trend der Zeit liegende elektronische Popmusik, der von vornherein schon ein großer Interessentenkreis sicher sein dürfte. Was zuallererst auffällt, sind die durch ihre Klarheit und Lebendigkeit bestechenden Klänge digitaler Synthesizer. Aus dieser Richtung bezieht die LP einen wesentlichen Teil ihrer Faszination, wobei auch hier Vorsicht am Platze scheint. Viele erinnern sich sicherlich noch an die ersten analogen Synthesizer die Anfang der 70er Jahre zunehmend in Studios und auf der Bühne auftauchten ( Man denke nur an Keith Emerson ). In dieser Zeit waren elektronische Klänge das musikalische Fortschrittssymbol par excellence und oft allein schon eine Garantie für Interesse und Erfolg. Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei, und auch die Klangwirkungen der neuen Synthesizergeneration, ob nun FM – Sound oder gesampleter Naturklang, werden es sich gefallen lassen müssen, bald auf ihre musikalische Funktionalität reduziert zu werden. In diesem Sinne hört sich die vorliegende LP fast wie ein Katalog ausgefeilter FM - Presets, ergänzt durch eigene, meist geräuschhafte Sounds und analoge Bassklänge, an. Die abwechslungsreiche klangliche Gestaltung kann jedoch nicht über die Tatsache hinweghelfen, das alle fünf Titel nach einem doch recht einheitlichen Prinzip aufgebaut sind: Nach ausgesprochen lukullischen mehr oder weniger ausgedehnten Klangfeldern zu Beginn der Stücke ( kristallartige Klänge meist durch Zufallsgeneratoren gesteuert; leise, entfernte Streicher; ect. beginnt sich nach und nach eine rhythmische Struktur zu entwickeln, die dann in jedem Fall in einen als Höhepunkt gedachten Teil mit starkem Funky – Groove mündet, welcher dann meist ausgeblendet wird. Nur in der „Ruhezeit“ fehlt der Funky - Teil. Hier übernimmt ein sich bis ins bombastische steigernde Streicherpart diese Funktion, der mit einem, höchstwahrscheinlich bewusst im „Anti-Funk-Gestus“ auf 1 und 3 und geringfügig variierten Hit-Hat-Vierteln programmierten Drum Computer kombiniert wurde. Hier wird im Klang gebadet und auch die Klischees gleich dutzendweise reproduziert. Überhaupt der Drum – Computer: Man kennt den Klang von REINHARD LAKOMYS nun schon drei Platten und einige Live-Konzerte hindurch, so das man sich gewünscht hätte, der alte Typ hätte gelegentlich mal einem neuen Platz gemacht, zumal die Sounds der Schlaginstrumente, voran der Hi-Hat, wenig befriedigend sind. Sehr erfreulich ist zu bemerken, das der Drum - Computer nicht vom ersten bis zum letzten Takt der LP durchläuft. Besonders zu Beginn der „Hochzeit“ scheint sein Einsatz sehr gelungen. Was die Abmischung der LP angeht, so ist der Sound im wesentlichen korrekt und sauber. Schade ist, das sich während des Abmischvorgangs kaum ein Regler bewegt hat. Die räumliche Verteilung der Stimmen liegt meist zu Beginn der Titel fest und bleibt bis zum Schluss, selbst bei vielen Effekten, unverändert. Total programmiert klingende Titel, wie die „Raumzeit“, wechseln in angenehmer Weise mit Stücken, wo die Komponisten dann beim Chorusspiel so richtig loslegen und beweisen können, das sie Grunde genommen doch Jazzer ( geblieben ) sind. Die Dramaturgie der Stücke spricht in dieser Hinsicht ebenfalls für sich. Das wäre auch nicht weiter problematisch, versuchte man nicht immer die kreativen Möglichkeiten des elektronischen Instrumentariums in den Mittelpunkt zu stellen, sondern einfach nur die Tatsache, dass hier Musiker – welcher Stilistik auch immer – durch modernes Equipment in der Lage sind, ihre eigenen Sound – und Musikvorstellungen selbst bzw. mit minimaler äußerer Hilfe zu realisieren. Trotz des recht einheitlichen Gestaltungsprinzips der Stücke finden sich auf dieser Scheibe so ziemlich alle Spielarten heutiger elektronischer Popmusik – angefangen von geräuschhaft – collageartigen Stimmungen über Disko – Funkiges bis zu fülligen, stark melodiösen Streicherarrangements – so das es doch mit dem Teufel zugehen müsste, wenn nicht jeder auf seine Kosten käme. In diesem Sinne sollte jeder selbst den Hörtest machen. |