Lift- Gerhard Zacher - Presse 1977

Melodie & Rhythmus  11/1977

 

Werkstattgespräch mit Gerhard Zacher

     
Lift - dieser Name, den sich Dresdner Beatmusiker 1973 gaben, hat einen guten Klang. Er steht für einprägsame liedhafte Kompositionen, intelligente Arrangements und anspruchsvolle, engagierte Texte. Sechs Musiker verbergen sich hinter diesem nicht alltäglichen Namen:

Michael Heubach (Tasteninstrumente), Werther Lohse (Schlagzeug, Gesang), Henry Pacholsky (Gesang), Till Patzer (Saxophon, Flöte, Tasteninstrumente) und Wolfgang Scheffler (Tasteninstrumente). Der Bassist und Leiter des Sextetts, Gerhard Zacher, gab in einem ADN-Interview Auskunft über die Arbeit der Band.

     
  Bis auf einen Bass verwendet LIFT keine Gitarren. Was bedeutet dieser Verzicht auf ein nahezu obligatorisches Instrument der Beatszene?

Stilistisch bewegen wir uns zwischen Rock - Jazz, sinfonischem Rock und liedhaften Titeln. Dabei rücken wir die teilweise von vier Musikern gespielten Tasteninstrumente wie Orgel, E-Piano, Synthesizer und Mellotron in den Vordergrund. Durch vielfältige Klangvarianten - und Kombinationen können wir leichten Herzens eine Melodiegitarre entbehren.

     

Fast die gesamte LIFT Mannschaft komponiert. Wie kommen Sie da auf einen gemeinsamen Sound?

Das uns das gelingt, beweisen am Besten unsere bisherigen Aufnahmen. Trotz unterschiedlicher stilistischer Bekenntnisse haben wir doch, glaube ich, einen gemeinsamen Nenner gefunden. Der Stil ergibt sich wohl zuallererst aus der Vielfalt. Wir gerieten schnell in einen musikalischen Manierismus, wenn wir die Unterschiedlichkeit zugunsten eines einheitlichen Klangbildes aufgäben.

Wie funktioniert das Komponieren in ihrer Gruppe?

Hatten wir zunächst nur die (wenn auch sehr guten) Einfälle Michael Heubachs realisiert, so sind wir doch in jüngster Zeit mehr zu einer kollektiven Arbeit übergegangen. Um ein Beispiel zu nennen: "Du falsche Schöne", von drei Leuten komponiert und arrangiert, war im Prinzip fertig, doch das Ergebnis befriedigte uns nicht; der Text hatte noch nicht die instrumentale Entsprechung. Michael Heubach hatte den rettenden Einfall: Er unterlegte den an alte deutsche Volkslieder erinnernden text mit spinettartigen Klängen. Übrigens ist`s bei uns üblich, auch den Sänger in die Arbeit einzubeziehen. So geht er nicht widerwillig an einen fertigen Titel.

Der Gesang ist für Sie die Krönung des Titels. Welche Texte bevorzugen Sie?

Wir legen Wert auf echte Aussagen und ein Engagement ohne Lippenbekenntnisse. Das haben wir schon zu Beginn unserer Arbeit versucht mit einem Lied für Vo Thi Lin, das Mädchen von Son My. Das haben wir u.a. fortgesetzt mit "Soldat vom Don", und wir versuchen uns jetzt erneut zum Jahrestag der Oktoberrevolution.

Sie machen auf der Bühne einen recht zurückhaltenden Eindruck. Halten Sie nichts von einer Show?

Es kann sogar sein, dass wir Popmusik für Erwachsene machen. Wir wollen aber auch jüngere Zuhörer - zum Tanz spielen wir nicht mehr - erreichen. Von aufgesetzten Effekten halten wir nichts. Unsere Musik ist unsere Show! Nicht in dieser Hinsicht ist uns der polnische Musiker "Czeslaw Niemen, dessen ganz auf den musikalischen Ausdruck orientiertes Konzert wir im Frühjahr erlebten, Vorbild.

Für Ende des Jahres ist die erste LIFT - LP angekündigt. Was wird darauf zu hören sein?

Wir wollen vor allem keine alten Hüte anbieten. Der älteste ist Werther Lohses Erfolgslied "Wasser und Wein".