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Junge Welt 11.05.1986 |
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Nicht von Schokolade singen |
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Gespräch mit Werther Lohse von Lift / Zwischen Traditionen und neuen Anforderungen |
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Waltraud Heinze |
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Ein Lift fährt auf und ab, bringt Neigungen Leute hinauf oder hinab. Die einen steigen aus, Neue steigen ein, immer ist er in Bewegung. Daran muss ich denken, als Werther Lohse, einer der "Pioniere" der 1972 entstandenen Band mit dem Namen Lift, mir seine neuen Musiker vorstellt. Die letzte Umbesetzung liegt gerade ein Jahr zurück - in dieser Zeit entstanden so publikumswirksame Titel wie "Sag mir alles", ,"Immerfort" und das engagierte und künstlerisch überzeugende "Memento mori" zu "Rock für den Frieden" 1985. Nun liegen drei aktuelle Lift-Produktionen beim Rundfunk vor, eingespielt von jenen neuen Musikern schon, die Werther Lohse um sich scharrte. Werther, wieder eine neue Band, warum? Wir haben einfach gemerkt, dass zu stark ausgeprägte individuelle Neigungen den kollektiven Prozess behindern, aber gerade den braucht eine Band. So konzentriert sich Michael Heubach wieder ausschließlich auf`s komponieren, Till Patzer ging zu Uwe Jensens Begleitband und Hans Wintoch tritt, wie auch schon zuvor, wieder solistisch als Geiger auf. Lift zählt zu den Bands, die ein Stück DDR-Rockgeschichte mitschrieben hat. Wie hältst du die Balance zwischen dieser Tradition und den neuen Anforderungen, die das Publikum an dich stellt? Die Traditionspflege bei uns hat eigentlich zwei Aspekte, Der eine: zu unserem Konzertprogramm dazu gehört gehört ein Medley so bekannter Lift Titel wie ,,Abendstunde", „Komm her", "Nach Süden", "Tagesreise" oder "Am Abend mancher Tage". Der zweite ist das ursprüngliche Rockinstrumentarium zurückgreifen - weg von Synthesizer und Drumcomputer hin zu Bass, Schlagzeug und Gitarren. Diese Besetzung, glaube ich, entspricht dem Gestus von LIFT Liedern am ehesten - balladenhaft, hymnisch, emotional und sehr textintensiv. Und gerade letzteres wird mir mehr und mehr wichtig. Und weshalb? Weil ich vom Gefühl her nicht von Bonbons und Schokolade singen kann. Ich will als Interpret gerade über die Inhalte an die Leute herankommen und habe da in unserem Texter Bernd Böhlich einen guten Partner gefunden. Und weil du eben von Traditionen gesprochen hast - dazu gehört für LIFT auch, das sich die Band immer zu politischen und gesellschaftlichen Ereignissen ins Verhältnis setzt, denk an Soli Beat und Rock für den Frieden ... Im Augenblick denk ich da in "Tief im Blut" , ein Titel der gerade in den Wertungssendungen läuft ... Ja, dieses Lied hatten wir zum 40. Jahrestag der FDJ geschrieben. Nimm mal die vielen jungen Leute, die von überall herkommen, um hier in Berlin etwas zu bauen. Die alle Kraft aus sich herausholen, das Beste zu geben. Von einem, der solche Haltungen wie Mut, Durchstehvermögen, Selbstüberwindung eben tief im Blut hat, handelt dieser Song. Und irgendwie hat er auch mit uns zu tun, brauchen wir solche Eigenschaften, um das Lift-Profil zu bewahren. Nicht, in dem wir in Nostalgie verfallen, sondern immer noch was Neues, Anregendes, Nachdenkenswertes draufsetzen. |