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Melodie & Rhythmus 11/1975 |
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Stephan Trepte im Gespräch |
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Zwei neue Titel der Gruppe LIFT haben in den
zurückliegenden Wochen und Monaten berechtigtes Aufsehen erregt: der
"Soldat vom Don" - gewidmet dem 30. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus
- und "Mein Herz soll ein Wasser sein" - ein Titel, der allein durch
seinen ungewöhnlichen Dreiertakt Interesse auslöst. Der Komponist beider
Beatnummern heißt STEPHAN TREPTE. Seine Wiege stand in Bielau, einem Niederlausitzer, bei Kamenz gelegenen Dorf, wo er am 20. Juli 1950 geboren wurde. Die nächsten Wohnorte hießen Hohenstein und Radebeul; hier ging er auch zur Schule. Sie wurde 1968 mit dem Abitur in Dresden beendet, dem bislang letzten Wohnsitz der Familie Trepte. Parallel zum Abi hatte Stephan die Möglichkeit, die Facharbeiterlehre als Maschinenbauer abzuschließen; nach absolviertem Schulbesuch begann er im Mühlenbau - Kombinat. Bereits nach einem halben Jahr rief die Nationale Volksarmee. Nach der Armeezeit ging Stephan zu den Mühlenbauern zurück. Doch seine Liebe zur Musik - die auch bei der NVA gefördert wurde - siegte schließlich, so dass er, den Berufsausweis in der Tasche, 1972 bei der Gruppe "electra" als Gesangssolist einsteigen konnte. Im Januar 1974 wechselte der dann zur Gruppe LIFT, deren Mitglied er bis heute ist. Und hier schließt sich unsere erste Frage an: |
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Um Sänger, Komponist oder
Musiker zu werden, bedarf das meist gewisser Anstrengungen durch
verständnisvolle Partner. Wie sah das bei ihnen aus? Es war meine Mutter, die mich zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr zum klassischen Klavierunterricht delegierte. Einmal im Leben - und sei es recht oder schlecht - Beethoven Sonaten oder Klavierstücke von Grieg gespielt und nachempfunden zu haben, das prägt sich tief ein; selbst wenn man das in jungen Jahren nicht so empfindet und lieber andere Dinge getan hätte. Der 1. Preis, den ich bei einem Pianisten - Leistungsvergleich in Radebeul erhielt, gab den Anstoß, extern einen Kursus zur Vorbereitung auf ein Musikstudium zu besuchen. Neben Abi und Facharbeiterabschluss beschäftigte mich also schon damals unentwegt die Musik. Das Interesse wuchs durch die aufkommenden "Beatles". Wieder war es meine Mutter, der ich erste Griffe auf einer alten Laute abguckte. Aus der Laute wurde schließlich eine Gitarre, und aus mir wurde ein singender Gitarrist. Später wandte ich mich noch dem Claviset zu, so das ich in diversen Amateurgruppen als Melodiegitarrist, Sänger und Claviset - bzw. Klavierspieler mitwirken konnte. |
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| Wer Sie näher
kennt, dem fällt ihre Vorliebe für geschmackvolle Texte auf ? Ja, ich liebe gute Rezitationen, und ich habe mich damit auch schon mehrfach erprobt. Als Komponist fühle ich mich auch mehr als ein Liederschreiber - und Lieder brauchen gute Texte. Außerdem bereitet es mir Freude, auch als Sänger mit Texten vor ein Publikum treten zu können, zu denen man etwas sagen kann. Hinter dem, was sich heute leicht dahersagen lässt, verbirgt sich ein großer Entwicklungsprozess. Anfangs habe ich nur englisch gesungen. Das Blatt wendete sich, als ich bei "electra" begann, und Bernd Aust mir die Aufgabe stellte, seine Titel in deutsch zu interpretieren ("Sonne, Mond und Sterne" , "Tritt ein in den Dom"). Als ich beide Titel beim Leipziger Sender produzierte, stellte sich plötzlich ein nicht erkannter "S" Fehler heraus. Ich wollte verzweifeln, hätte mir nicht Luise Mirsch Mut gemacht. Beim Interpretieren deutscher Texte habe ich insbesondere die Arbeiten von Kurt Demmler - aber auch anderer - immer mehr schätzen gelernt. Bei der Gruppe electra entstand dann auch Ihre erste Komposition "Dein Kummer" nach einem Text von Demmler. Sie lief recht gut in der Tippararde. Als Sie zu LIFT wechselten, brauchten Sie sich vorerst um gute Titel keine Sorgen zu machen, denn hier war es vor allem Franz Bartzsch, der für Sie recht Erfolgreiches schrieb: "Komm doch einfach mit" (im Duo mit Christiane Ufholz), "Jeder Tag ist eine lange Reise" u.a. Ja, schade das Franz damals ausstieg, denn seine Titel lagen mir. Außerdem ließ er mir als Sänger viel interpretatorische Freiheit. Die Notwendigkeit, für mich selbst etwas zu schreiben, wurde nach seinem Wechsel immer größer. So entstanden bei LIFT die Titel "Atlantis" und die oben genannten. Zwei neuere, lustige sind inzwischen fertig geworden: "Einladung in Thüringer Art" (Demmler) und "Fernsehlied" (Der Text dazu stammt von meiner Frau). Gibt es für Sie bestimmte Vorbilder ? Ich könnte Stevie Wonder, ABBA und andere nennen, doch als ein Beispiel, wie man bei uns Originelles erreichen kann, liegt mir Veronika Fischer mit ihrer Band näher. Als Komponist gefällt mir "Lackys" Art, ein großes Vorbild bleibt für mich auch Franz Bartzsch. - Die oft diskutierte Hard - Rock Musik geht mir indes völlig ab. Dazu bin ich einfach viel zu sehr Sänger. Bei Titeln wie "Große Fenster wünsch ich mir" hatte man gelegentlich den Eindruck, das ihre Stimme in der Höhe überfordert wurde? Das stimmt. Einige wollten aus mir mit Macht einen Tenor machen. Der bin ich beileibe nicht. Meine Stärke ist die baritonale Mittellage. Haben Sie ein Steckenpferd? Wer hätte wohl keins? Ich habe nicht nur nahezu alle Orgelplatten mit Bachscher Musik, ich lege sie in regelmäßigen Abständen auch immer wieder auf. Vielen Dank für dieses anregende Gespräch. |
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