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Melodie & Rhythmus 12/1976 |
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Michael Heubach im Gespräch |
| Mit dem Michael Heubach verbinden sich bei vielen Schlagerfreunden zwei Erfolgsbegriffe: die Gruppe "Automobil" und der Nina Hagen Dauerbrenner "Du hast den Farbfilm vergessen"; zumal in Kurt Demmlers Text der "Micha" die Hauptrolle spielt. Kein Wunder, das unsere erste Frage in diese Richtung zielen musste. |
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Warum ging `s mit der
Gruppe "Automobil" nicht weiter ? Werden wir eines Tages mit einem neuen
"Farbfilm" rechnen können? Was den "Farbfilm" betrifft, so war das ein Gag, am Klavier improvisiert, in fünf Minuten aufgeschrieben, ursprünglich mal sogar für Hans Jürgen Beyer gedacht, bis Kurt Demmler dann die Farbfilm - Variante einfiel, die eigentlich nur von Nina interpretiert werden konnte. Ihren folgenden Kompositionen nach zu urteilen, war der "Farbfilm" somit eine Art Zufall - doch ein recht origineller? So ist es! Diese Art ist nicht für mich typisch. Außerdem hätte ich Angst, das die sogenannten Nachzieher - also Versuche, weitere Titel im Schatten des großen Erfolges anzusiedeln - nur von kommerziellen Überlegungen und nicht von echten Einfällen geprägt sein könnten. - Ja, und was "Automobil" betrifft: Nina ging von heute auf morgen. Der Name "Automobil" war indes so fest mit dem ihren verknüpft, das Versuche, mit anderen Solisten unter gleichem Firmennamen zu beginnen, unnötige Startschwierigkeiten gebracht hätten. |
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| Seit Oktober
1975 sind Sie als Keyboardspieler bei der Dresdner Gruppe LIFT. Mit den
Titeln "Tochter Courage" (Text Frieder Burkhart), "Wasser und Wein" und
"Neuer tag bricht an" (Texte Kurt Demmler) haben Sie einen
bemerkenswerten Einstand gegeben. Offensichtlich fühlen Sie sich bei LIFT
wohl, was nach Ihrer wechselvollen Laufbahn doch etwas bedeuten will ? Die Zeiten, das ich von Jahr zu Jahr die Gruppen wechselte, möchte ich nicht missen. Sie gaben mir die Gelegenheit, viel zu hören und abzuwägen. Ich vermochte dadurch, rascher meinen eigenen Stil auszuprägen. Bei LIFT habe ich nunmehr Kollegen gefunden, mit denen ich meine Vorstellungen verwirklichen kann. Was mir vorschwebt, erklärt sich möglicherweise am besten, wenn ich kurz auf meinen Lebenslauf und die musikalische Ausbildung eingehe: Also: Geboren am 4. Oktober 1950 in Leipzig, ab fünf Jahren Klavierunterricht. Da meine Freude am Musizieren, vor allem am Improvisieren auffiel, wurde ich zur Spezialschule für Musik nach Halle geschickt. Ab 1967 studierte ich an der Leipziger Musikhochschule Fagott bei Werner Seltmann, später extern bei Conny Odd Komposition und Arrangieren. Ich sah schon damals keinen Widerspruch darin, mich gleichermaßen für die Musik von Beethoven, Strawinski und den Beatles zu interessieren. Für mich war (und ist) beides gleichermaßen aktuell und lebensnah. Da ich schon von der Schulzeit an in verschiedenen Amateurbands erproben konnte, war es keineswegs so abwegig, das ich mich nach 1971, das Diplom in der tasche, verschiedenen Gruppen anschloss; der "Bürkholz Formation", der "Horst Krüger Band" und anderen. Haben Sie zu dieser Zeit schon komponiert? Es begann mit einem Auftrag an der Spezialschule in Halle, für die Händelfestspiele eine Bläserfanfare zu schreiben. Danach entstanden einige Klavierstücke. Für die Hochschulband schrieb ich Titel im Herp - Albert - Stil. Im Funk erklang später "Wer die Rose ehrt" in einem Arrangement von mir; in Sendungen liefen außerdem meine Kompositionen "Wer bloß ist heute groß" und "Finden wir uns neu". Irgendwie drängte es mich jedoch schon damals zu größeren Werken, die es ermöglichen , musikalisch tiefer zu loten. So schrieb ich z.B. für die "Bürkholz Formation" eine Rockkantate; bekannter durch Funk und Platte wurde die siebenminütige "Tagesreise", produziert mit der ehemaligen "Horst Krüger Band". Die Tendenz führender Gruppen konzertante, umfangreichere Werke zu konzipieren, ist ebenso bemerkenswert wie die Tatsache, das ein relatives großes und junges Konzertpublikum diesen Bestrebungen recht aufgeschlossen gegenübersteht. Da die gelungensten Neuschöpfungen durchaus überzeugend und geschmackvoll, unter Berücksichtigung neuer, von Rock, Soul, Beat, Synthesizer und Mellotron geprägter Hörgewohnheiten in Bereiche der sogenannten seriösen Musik vorstoßen und dies unter aktiver Teilnahme der Zuhörer, sollte dieser Entwicklung die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als auch auf diesem Wege einen Beitrag zu leisten, unserer zeitgenössischen konzertanten Musik eine größtmögliche Breitenwirksamkeit zu sichern, und ein junges, kritisch - aufmerksames Publikum heranzubilden. Außerdem ist es für mich wichtig, in ständigem Kontakt mit jenen zu bleiben, für die wir musizieren und komponieren. Zum anderen werden Sie uns aber gewiss zustimmen, das von unseren führenden Gruppen und deren Schöpfern auch recht viele jener Zufälle erwartet werden, wie der "Farbfilm" einer war. Denn der Bedarf an solchen Titeln ist noch immer ungedeckt. Einverstanden! |
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