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Sylvias persönliche Sicht |
Von Sylvia erhielt ich ein wunderschönes Mail zu den "Klosterbrüdern / Magdeburg". Danke. Es ergänzt eigentlich alles und ich danke für die Mühe.
| Die KLOSTERBRÜDER wurden bereits 1963 von
Magdeburger Studenten gegründet. Anfang der 70er wechselten sie in das "Profilager" und erspielten sich - als eine der erfolgreichsten Livebands Kultstatus. Als die Puhdys noch "Geh zu ihr" trällerten, legten die KLOSTERBRÜDER mit "Lied einer alten Stadt (Weimar)" einen Sound hin, der bis dato so nur von Deep Purple rüberkam. Im Beatlexikon 1977 stand zu lesen: "...Gruppe bevorzugt expressive, vielgestaltige musikalische Elemente. Schöpfer der eigenen Titel Klaus Weigert (Baß) und Dietrich Kessler (Saxophon) meist nach Texten von Burkhard R. Lasch..." Das "Lied einer alten Stadt" von Weigert-Lasch (u.a. auf Amiga - LP "Rhythmus 75") ist eines der schönsten Lieder, die die DDR Rockmusik herausgebracht hat und ist für die KLOSTERBRÜDER das Identifikationslied schlechthin. 1975 wechselte der Keyboarder Hans-Peter Dohnaetz zu Pilot. |
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Mit dem "Lied einer alten Stadt" und "Fieber" waren sie in Funk- und Fernsehen präsent. Eine gemeinsame "KLOSTERBRÜDER & Stern-Combo-Meissen Tour" unter dem Namen "FUSION" war das Konzertereignis im Frühjahr/Sommer 1975! Leider waren der Name KLOSTERBRÜDER und auch die große Fangemeinde, die die Band ständig bei ihren Konzerten quer durch die damalige DDR begleiteten, den Kulturfunktionären immer wieder Anlass dafür, der Band mit Berufsverbot zu drohen. Aus Angst davor und auch auf Druck seitens des Kulturministeriums wurde der Name KLOSTERBRÜDER Ende 1975 in Gruppe MAGDEBURG verändert. Kurz danach verließ Drummer Detlef Kessler die Band um bei Klaus Lenz Jazz zu spielen. Nachdem diesen Part Waldemar Janicki eine Weile übernommen hatte, kam 1977 Bernd Schilanski als Trommler zu MAGDEBURG. Außerdem war auch Hans-Jürgen Ludwig als Sänger tätig und zeitweise hat Hans "Die Geige" Wintoch einige Muggen bei MAGDEBURG abgegeben. Als Texter war Jan Witte engagiert. Auch nach der Namensänderung war die Band weiterhin sehr erfolgreich.
1979 ging Bassist Klaus Weigert. Seinen Platz bekam Andreas Kuhnt. Nachdem ein paar Songs auf Amiga Samplern erschienen waren (z. Bsp. "Oh, oh Otto" 1977 oder "Alte Bänder" 1979 eine Komposition von Rüdiger Barton), kam 1980 die erste und einzige LP "Magdeburg", die den Höhepunkt der Band darstellte, heraus. Die Titel: 1. verkehrte Welt 2. Ebbe und Flut 3. harte Tage 4. kalt und heiß 5. Teufels - Rock’n Roll 6. wenn ich zwei Leben hätt‘ 7. raus aus meiner Haut 8. roter Wein 9. was wird morgen sein
Die Besetzung damals war: Dietich Kessler (voc, sax, keyb, fl); Gisbert Piatkowski "Pitty" (g, voc); Rüdiger Barton "Ritchy" (keyb, voc); Andreas Kuhnt (bg, voc); Bernd Schilanski (dr); Hans-Joachim Kneis (voc)
Im Frühjahr 1999 hatte ich ein Telefonat mit Rüdiger Barton. Er erzählte mir, daß es auf jeden Fall zu den beiden Singels "Vorsicht Glas" und "hundsgemein", die ich bereits kannte, noch mehr Singels (z. Bsp. "Heißes Land" und "Grand Hand") gegeben hat, die in der Reihe "Beatkiste" bei Amiga erschienen sind.
Zu einem Stück befragte ich Bernd Schilanski, der heute bei Allemann trommelt, per Email: "...Der Song "Gottlose Lieder" ist nur mit diesem Text produziert worden. Die Textvariante "Untreue Freunde" war die ursprüngliche Idee, die wurde aber damals vom Rundfunk abgelehnt. "Schweigt ihr Propheten" war auch nur eine Textvariante ist aber auch nicht zum Einsatz gekommen. In unseren Konzerten haben wir nur den "Untreue Freunde" Text verwendet. Der Text bezieht sich auf die damaligen Mitglieder Pitti und Ritchie die uns über Nacht verlassen hatten..." Pitty ist damals zu No. 55 gegangen und wurde Anfang der 80er durch Charlie Ludwig ersetzt, der heute mit Charlies Crew immer noch in der Magdeburger Szene aktiv ist. Ritchy Barton ist damals zu Silly gewechselt.
Es gab immer wieder weitere Repressalien, insbesondere vom Fernsehen der DDR. Im Frühjahr 1980 kam es zum endgültigen Eklat. Kurz vor einem Auftritt in der Sendung "RUND" wurde die Band "nach Hause" geschickt, weil die Haare des Sängers zu lang waren. Das agressiv-lapidare Statement des Produktionsleiters war nur: "Damit seid ihr für das Fernsehen der DDR erledigt". Dieses Ereignis und viele andere unerträglichen Demütigungen brachten die Band dahin, daß sie 1981 einen kollektiven Ausreiseantrag stellte. Danach erfolgte sofort Berufsverbot und Hans-Joachim Kneis und Dietrich Kessler mußten - bevor sie in den "Westen verkauft" wurden - für 1½ Jahre in den Stasi-Knast. Später veröffentlichten diese beiden eine CD unter dem Titel "Eine Legende kehrt zurück". Ich bekam diese von einem recht enttäuschten Fan, der mir dazu schrieb: "...Die mißglückte CD "Eine Legende kehrt zurück" Schatten ihrer selbst, sowohl musikalisch wie auch technisch die Unterkante. Nicht zu vergleichen mit dem was die Klosterbrüder früher einmal waren..."
Bernd Schilanski beschrieb mir diese Zeit so: "...Die ganze Ausreiseaktion war damals als Warnung an die Kulturbonzen gedacht, die haben aber nicht lange gefackelt und reagierten sofort mit Medienverbot, Auftrittsverbot und letztendlich mit Inhaftierung. Der verbliebene Rest waren Hans "die Geige", Charlie Ludwig und ich. Hans war in Berlin untergetaucht und ist seit dem Solistisch aktiv. Charlie und Ich spielten danach beim damals neugegründeten Rock`n Roll Orchester. Da haben wir es aber nicht lange ausgehalten und gründeten dann im Sept.83 das Heavy Metal Trio MCB..."
Am 14. Januar 2000 waren die Klosterbrüder erstmals wieder auf der Bühne vereint. Sie spielten auf der 2. Rock-Gala im Hotel Maritim in Magdeburg:
Quelle: Magdeburger Volkstimme Samstag, d. 15.Januar 2000, Mattias FRICKE Magdeburger Bands im "Maritim" ROCKGALA: Gästezahl bei zweitem Event verdoppelt Rund 1600 Gäste kamen in Turnschuhen, Jeans oder auch im "kleinen Schwarzen" auf den Samtteppich des Nobelhotels "Maritim" zur zweiten Magdeburger Rockgala. Egal was Frau oder Mann trug, im Vordergrund standen Rockmusik und Small-Talk. Diesmal hatte sich die Gästezahl sogar verdoppelt. Der Erfolg vom letzten Mal hatte sich offenbar herumgesprochen. Der Saal war voll und das Foyer auch.
Diesmal standen die Magdeburger Bands
"Reform", "Klosterbrüder" und auch das "Rock`n-Roll-Orchester" im Mittelpunkt. Bei "Hey, kleine Judy", "Komm`mit zu mir" oder "Fieber" und "Lied einer alten Stadt" wippte und schnippte das Publikum mit. Die Melodien aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern gingen in Fleisch und Blut über, als ob die Zeit für viele Gäste stehen geblieben ist. Eine Metall-Modenschau verstärkte die Gala-Stimmung. Während Models die extravagante Mode des ukrainischen Desingners zeigten, wurde mit einem Gläschen Sekt bei Small-Talk angestoßen. Es war eben Party-Stimmung der noblen Art.
Auf die Idee, in Magdeburg eine Rockgala zu organisieren, kam Mario Seitenmacher von der Magdeburger Firma für Fernsehwerbung "adcom" bei einer Geburtstagsfeier: "Wir dachten uns , es müsste einmal im Jahr eine Gelegenheit geben, bei der sich Magdeburger Bands zum Konzert treffen können. Als Zielgruppe wollten wir vor allem die 25- bis 50-Jährigen ansprechen." Dass dies auch so gut funktioniert hat, sei selbst für ihn überraschend gewesen. "Mit einem so großen Zuspruch haben wir nicht gerechnet."
Kontakt zu Sylvia Serrasalmus.sylvi@t-online.de