Super Illu   15 / 2000

 

Damals berühmt - und heute ?

Klosterbrüder

     

 

 Bei Fans Kult, beim Staat unten durch. Sie mussten den Namen ändern, sogar die Haare sollten ab. Da hatten sie die Nase voll…

Ein Kult lebt . Wie Phoenix aus der Asche taucht eine Legende auf : Die  ´´Klosterbrüder´´ sind wieder da ! Mit ihren aufmüpfigen Songs haben die zottelmähnigen Rocker in den 70er Jahren DDR-Zeitgeschichte geschrieben – und sich fortwährend Ärger eingehandelt . selbst ihren Namen mussten sie ablegen , sich Gruppe ´´Magdeburg´´ nennen. Die TV-Sendung ´´RUND`` ließ sie mit ihren langen Haaren nicht auf den Bildschirm. 1981warfen die Rocker wegen der vielen Repressalien das Handtuch.

Fast zwei Jahrzehnte später finden sie als gereifte Herren nun wieder zueinander. Im Januar standen die ´´Klosterbrüder´´ in Magdeburg auf der Bühne – und 2000 Fans jubelten. ´´Das hat uns umgehauen´´, sagt Ex-Bandleader Dietrich Kessler. ´´Wir wollten eigentlich nur einmal auftreten, mehr aus Spaß – jetzt machen wir weiter.´´

Einladung nach Sachsen. Am 7. und 8.April mischen die ´Klosterbrüder´´ zusammen mit dem Magdeburger Rock´n´Roll-Orchester Munzig bei Meißen auf . Im Kulturhaus Triebischtal geht die Post ab. Ein Spaß am Rand: Im Bühnenhintergrund wird ein Sarg stehen. Dietrich Kessler: ´´Früher wurde immer das Gerücht verbreitet, wir würden in Mönchskutten auftreten und Gitarrenkästen in Sargform haben. Alles Quatsch, aber an diese Mär wollen wir jetzt mit dem Sarg-Gag erinnern. ´´ Ihren Witz haben die Rocker, inzwischen gestandene Familienväter, nicht verloren – das will was heißen. Haben einige doch herbe Zeiten hinter sich.

Der Ausreiseantrag, den die Bandmitglieder 1983 kollektiv stellten, endete für Dietrich Kessler im Stasi-Knast ( Vorwurf Agententätigkeit ). Erst eineinhalb Jahre später wurde er mit Westgeld freigekauft. Die anderen ( außer Hans-Joachim Kneis ) hatten sich einschüchtern lassen und waren geblieben. Dietrich Kessler: ´´Ich hätte nie geglaubt, dass die ´´Klosterbrüder´´ jemals wieder auf der Bühne stehen.´´

Keine lange Fremdheit. Das erste Wiedersehen war spannend. ´´Eine Band ist wie eine Ehe´´, sagt Dietrich Kessler. Das Treffen ging gut: Die Musiker sprachen noch immer die gleiche Sprache. Nach der ersten Umarmung war das Eis gebrochen. Eine ganze Nacht wurde verquatscht.

Profi-Musiker sind nur noch drei: Kneis , Weigert und Schilanski. Die anderen: Kramer ist Tonmeister, Blankenburg Sporttrainer und Kessler Musikverleger und Autor im eigenen Verlag. Sie wohnen verstreut in Magdeburg, Berlin und Köln. Doch unter ´´Klosterbrüdern´´ ist das keine Entfernung .