|
Und
immer wieder Soul
1968 in
Berlin. Fredersdorfer Klub „Ostbahnhof“. Eine Session jagt die andere.
Von Dixieland über Soulmusik bis Free Jazz ist alles möglich. Bekannte
Gesichter:
Uli
Gumpert, Klaus Lenz, Manfred Schulze …. Hier findet Hugo Laartz ( org,
p ) seine Mannschaft für eine neue Band – das Modern – Septett:
Andreas Altenfelder (tp ), Jürgen Fritsch ( ts ), Eugen Hahn ( b ),
Gunter Wosylus ( dr ) Günther Dobrowolski ( g ), Klaus Nowodworski (
voc ).
Titel
von Otis Redding, Wilson Ricket, James Brown, Jimmy Smith u.a. stehen
auf dem Programm. So zieht man seine Kreise. Soul war angesagt …
Mit
Conny Bauer ( tb ) verstärkte sich der Bläsersatz, und auch personell
gab es Veränderungen. Kreativere Zeiten brachen an, es gab erste
Rundfunkproduktionen mit eigenen Titeln. Und aus dem Moder – Septett
war inzwischen die Modern – Soul – Band geworden. Man tourte mit
Gastsolisten, fusionierte mit den Musikanten von Klaus Lenz zur Big –
Band …
Diskotheken kannte man noch nicht. Aber in den Berliner Live – Läden
wie Gesellschaftshaus Friedrichshagen, dem Eisenbahner – Kulturklub,
und Rübezahl brannte die Luft. Engagierte Veranstalter sorgten dafür,
das normale Konzertabende Rockfestivals wurden, bis zu zehn Bands (
auch polnische und ungarische Gruppen ) wetteiferten und musizierten
miteinander …
Doch
vor der aktiven Förderung einer breiten DDR – Rockszene gab es auch
Durststrecken – die Haare waren zu lang, die Musik zu laut … Oder
die musikalischen Moden wechselten, und so mancher glaubte, der Soul
hätte seine Schuldigkeit getan.
MSB –
Chef Hugo Laartz ( wohl so etwas wie der Soul-Vater der DDR ) hat es
immer besser gewusst und zog mit der Band unbeeindruckt von allen
Moderichtungen in Rock und Pop seinen Streifen durch …
1982
kam Christian Schmidt als neuer Sänger hinzu – „Joe Cocker aus
Pankow“, wie Hugo damals sagte …
Und
heute? Man freut sich über Erfolge in den ehemaligen Live –
Hochburgen wie Hartha, Colditz, Bad Liebenwerda oder Leipzig., Cottbus
und Rostock. Gute handgemachte Musik wird wieder akzeptiert.
Klaus –
Dieter Böhm war bei einem solchen Konzert, am 17.6.1988 in Colditz,
dabei:
14.00
Uhr Treffpunkt Bahnhof Berlin – Köpenick. Warum so früh? Für einen
ordentlichen Soundcheck müsse Zeit sein, werde ich belehrt. Nach drei
Stunden Fahrt ist die „Colditzer“ Freilichtbühne erreicht.
Konzertbeginn 21 Uhr. Aber ein Teil des Publikums ist bereits
angereist, nicht nur aus Colditz. Man beobachtet und befachsimpelt den
Soundcheck. Gitarre, Bass und Schlagzeug werden von „Arnold“ an den
Instrumenten und „Schwinge“ am Mischpult eingestellt. Hugo macht seine
Keyboards selbst startklar. Die meiste Zeit wird für die drei Bläser,
das Markenzeichen von MSB, benötigt. Zunächst blasen sie ihre Mikros
auf dem für sie aufgebauten Podest an, proben ihren Satz dann vorn an
der Bühnenrampe.
Während
dieser Zeit richtet „Kalle“ seine Lampen, Spots und Scheinwerfer auf
alle Musikanten ein, die gerade auf ihren Positionen probieren.
Schließlich spielt die ganze Band noch zwei Titel an, um die
akustische Bühnensituation auszuloten. Das zahlreicher gewordene
Publikum applaudiert …
Noch
Zeit für einen kleinen Imbiss, ein kühles Getränk in der nahen
Gaststätte. Inzwischen strömen die Massen auf den Platz, die Fans
drängen sich um den Bühnenrand …
Das MSB
Konzert beginnt mit einer kleinen Ouvertüre, einem Vorspiel ohne
Akteure auf der Bühne, das sehr spannend klingt und ein wenig an
südostasiatische Tempelmusik erinnert, rotes Licht und Nebel
unterstützen diese Stimmung.
Das
sich anschließende Instrumentalstück wird von Andre Erdmann am
Saxophon und Anrey Horvath, dem neuen Gitarristen eingeleitet, dann
ein nahtloser Übergang zum „Berliner Song“, und die Band steht
komplett auf der Bühne. Kraftvoll und rau die Stimme von Christian
Schmidt.
Bereits
nach den ersten Titeln wird schon intensiv vor der Bühne getanzt.
Getanzt wird auch auf der Bühne – die einstudierte Choreographie der
drei Bläser läuft wie geschmiert, wirkt nie aufgesetzt. Spaß auf
beiden Seiten.
Neue
Titel sind im Programm zu hören ( leider eben nur für das Live –
Publikum, denn die neuesten MSB – Produktionen im Rundfunk liegen
bereits zwei Jahre zurück ! Schade und unverständlich zugleich ! ).
Einige der neuen Stücke werden teilweise in englisch präsentiert, wie
„Safari“, „Surchin“ oder „Everybody Needs Somebody To Love“.
Neu
auch der Joe Cocker gewidmete Titel „Aber wenn du kommst und singst“.
Begeisterung !
Die
gilt auch Instrumentalem, wie Joe Zawinuls „Birdland“ oder Eigenem mit
dem Titel „Ferrys Time“ – ein Stück für den Trompeter Ferry Grott.
Im
Publikum scheint man die Songs alle bestens zu kennen. Ansagen
erübrigen sich, die Songs kommen Schlag auf Schlag, bis der „Alte
Soul“ an der Reihe ist …
Die
Zugabe lag in der Luft. Und es bleibt nicht bei der einen: „Dont You
Love Me Anymore“ von Joe Cocker. Man verlangt noch nach dem berühmten
MSB – Joe Cocker – Medley. Es wird geradezu euphorisch aufgenommen. (
Und dabei fällt mir wieder ein: Wieso kam eigentlich niemand auf die
Idee, diese Band – anstelle von NO 55 – als Vorgruppe bei den Joe
Cocker – Konzerten einzusetzen ? ).
Nach
mehr als zwei Stunden Konzert muss selbst der Skeptiker konstatieren:
MSB ist eine Live – Band wie sie im Buche steht ! Spielfreude,
Engagement und handwerkliches Können zeichnen die Modern Souler aus.
Und nicht zuletzt das gelungene Bemühen, dem guten alten Soul immer
wieder Leben einzuhauchen.
Auf der
Rückfahrt erfahre ich noch von einem der belebendsten Augenblicke ( so
Hugo Laartz ) in der MSB – Geschichte: von drei erfolgreichen
Konzerten im März dieses Jahr in Dänemark, Auftritte in Klubs mit
internationalem Ruf.
Aufmerksamkeit hatten wir vielleicht erwartet – aber Begeisterung, so
viel Applaus, Zugaben … Das war schon erstaunlich für uns, auch
insofern, das die Vergleiche zu internationalen bands auf der Hand
liegen, so spielte am Vortag z.B. John Mayall dort … Für den Herbst
erhielten wir eine neue Einladung …“
Und auch ich werde der nächsten Einladung zu einem MSB – Konzert mit
Sicherheit folgen !
|