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Nun
hat auch die populäre Modern Soul Band aus Berlin ihre erste LP. Das
freut einen. Man darf diese Band unter Gerhard "Hugo" Laartz zu den
Pionieren des DDR - Beat rechnen, deren erhebliche Verdienste nicht
zuletzt in der Pflege eines bläserbetonten Beat - und Soul Stils
liegen, der Einflüsse von "Blood, Sweat and Tears" zu erkennen gibt.
Das ist ja kein schlechter Einfluss.
Die
Domäne der Modern Soul Band ist nun keinesfalls der Instrumental
Titel, wie man auf Grund der bläserorientierten Besetzung annehmen
könnte. Jeder, der die Gruppe kennt, weiß das. Und ich glaube, dem
hätten die für die Auswahl der Plattentitel Verantwortlichen Rechnung
tragen sollen. Die beiden mitgelieferten Instrumental Titel wirken als
ziemlich uninteressante Füllsel, die man gern zugunsten weiterer,
anregender Vokal - Titel eliminiert sähe, von denen die Band genügend
im Repertoire hat.
Es sind
weniger die instrumentalsolistischen Leistungen in " 5 nach halb 7 "
und " Hallo Carlos ", die einen nicht sonderlich gewogen stimmen,
sondern es ist die von blasser melodischer Erfindungskraft getrübte
musikalische Substanz, die die Titel konturlos aussehen lässt. " 5
nach halb 7 " schleppt sich mühselig über die Drei - Minuten - Runde
und hat zudem einen sehr beiläufigen Charakter, er klingt wie eine
illustrierende Musik zu einem filmischen Verkehrsmagazin. Oder zu
ähnlichem. Ein profilloses Thema eröffnet das Ganze um sich damit
eigentlich auf Nimmerwiedersehen zu empfehlen. Es taucht zwar auf,
aber allenfalls schemenhaft. Hinzu kommt, das die vielen Unisoni nicht
mit gestochener Spannung musiziert werden und dem Kenner auch nicht
verborgen wird, in welcher kaschierten Holprigkeit instrumentale
Wechsel und Ablösungen erfolgen.
Kaum
besseres ließe sich zum lateinamerikanisierten " Hallo Carlos " sagen,
einem Titel mit allerlei geflötetem Rankenwerk. Er huscht, ohne Spuren
zu hinterlassen, vorüber. Ein etüdenhafter Nonsens von Gerhard Laartz,
den ich mehr als Lied - Komponisten schätze.
Fünf
Lieder auf dieser LP sind von ihm. Diese und die anderen verfügen über
etwas, was für sie einnimmt: Es sind ehrliche, im musikalisch -
inhaltlichen Ausdruck unmittelbare Lieder. Es sind keine schwachen
Lieder mit austauschbaren Zeilen, sie bleiben vielmehr konkret an der
Realität. Teilweise haben sie appellartigen Charakter, beziehen
moralisierend und ironisch Stellung gegen Stillstand, Saturiertheit
und Verspießung.
"He,
Mann" ( Laartz / Kramer ) fordert zur Selbstbesinnung auf,
gewissermaßen zur individuellen Re - Humanisierung. "He, Mann" ist
eine provozierende Intonation, jene meinend, die unentwegt egoistisch
streben, pausenlos stur auf den eigenen Weg achten. "Autobiographie" (
Höhle / Branoner ), ein zünftiger Rock - Titel, nimmt die Legion jener
Zeitgenossen aufs Korn, die das Wohlstand - Vehikel Auto zum
wochenendlichen Prunkstück herausputzen und am liebsten auch die
Reifen bügeln würden. Und auch "Verlier` nie die eig `ne Fantasie" (
Laartz / Maywald ) ist zu jener Gruppe appellierender Lieder zu
zählen. Hier, wie bei fast allen Titeln, fällt die fehlende
instrumentale Spannung des Musizierens auf. Beim letztgenannten Lied
kommt als formale Ungeschicklichkeit hinzu, das an den Text - Schluss
noch ein umständliches, immer wieder neu ansetzendes Instrumental -
Finale angehängt wird.
"Himmel
und Hölle" ( Laartz / Branoner ) und "Irrtum" ( Darsow / Branoner )
wenden sich auf durchaus unübliche, antiromantische Weise dem
Verhältnis Frau - Mann zu. Ist es dort eine Variante zum Thema "Rätsel
- Weib", so wird im anderen Lied ausgesagt über die Spantaneität
plötzlicher Verbindungen, die ebenso schnell abbrechen kann wie sie
zustande gekommen sind. "Himmel und Hölle" rechne ich, wie auch
"Schlafen gehn", zu den gelungenen Titeln dieser LP ( übrigens alle
sind Rundfunkaufnahmen ). Selbst eingedenk einer mir zu ausgeprägten
Tendenz zu Abkapslung und Insolation ( auch im musikalischen Duktus,
wenn "und nichts sehn" auffällig gemacht wird durch lange
ausgehaltenen, ausgestellten Ton ) halte ich "Schlafen gehn" ( Laartz
/ Branoner ) für ein gutes Lied.
Regine
Dobberschütz singt gleichsam mit schweren Augendeckeln ( diesen Gestus
transformiert sie hervorragend ins Musikalische ) von einem Mädchen,
das sich nur im Bett so richtig zuhaus fühlt. ( Dies ohne jegliche
erotische Anspielung verstanden. )
Regine
Dobberschütz, deren Stimme mitunter nicht sehr gesund klingt ( "Nochmal
klein sein" ), und Klaus Nowodworski geben der Gruppe wohl das
eigentliche Gesicht. Beide passen zwar im Duett "Irrtum" nicht so
recht zusammen, ansonsten verfügen sie aber über ausgeprägtes Feeling
und die Fähigkeit, ihre stimmlichen Mittel differenziert, je nach
Eigenart und Inhalt der Lieder, einzusetzen.
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