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Text: Wolfram Bodag |
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| Geht ein alter Mann |
| seit vielen, vielen Tagen |
| unsre Strasse auf und ab. |
| Bleibt erstarrt vor jedem Türschild
stehn, |
| als stünde er vor einem Grab. |
| Der Bart ist stopplig, |
| die Füße tun ihm weh, |
| sein Weg war lang und hart. |
| Er blickt sich traurig um |
| und läuft zu mir zurück. |
| Brubbelt etwas in sein Bart |
| und fragt mich |
| wo die Nummer achtundvierzig ist. |
| Doch ich kenn` sie nicht, |
| kenn` nur meine eigne Nummer. |
| Und ich frag |
| ob die besagte Achtundvierzig |
| wirklich in der Strasse sei. |
| Er pocht mit seinem Stock |
| an meine Haustür. |
| Dies hier ist die Nummer drei, |
| dann die Nummer fünf, die sieben |
| und die neun. |
| Gegenüber liegt die zwei, |
| so sei er bis an die fünfzig
vorgestoßen. |
| Dort ist die Strasse vorbei. |
| Und ich nehm` ihn beim Arm |
| und geh die Nummern ab, |
| Haus für Haus. |
| Sechsundvierzig, siebenundvierzig, |
| fünfzig und aus. |
| Und er fragt mich fordernd |
| wo die achtundvierzig sei, |
| die Zahl ist nicht dabei, |
| nicht dabei ... |
| Und so renne ich seit
vielen, vielen Tagen |
| unsre Strasse auf und ab. |
| Bleib gehetzt vor jedem Türschild
stehn, |
| ob es die achtundvierzig wirklich
gab. |
| Der alte Mann ist längst
verschwunden, |
| mir wachsen Stoppeln im Gesicht. |
| Und wenn mich einer nach der
Uhrzeit fragt ... |
| Ja, selbst den Monat wüßt` ich
nicht. |
| Aber eines weiß ich, |
| bald wird jemand bei mir stehn, |
| und der wird mit mir gehn |
| nach der achtundvierzig sehn. |