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Oh, mein Gott |
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A.Schmidt |
Lyrik |
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Komp. Arno Schmidt |
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Text: Ed Stuhler |
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Oh, mein Gott, wie groß und schön ist dein Tierreich anzusehn, |
| und ein jedes ist ein echtes Unikat. |
| All die niedlichen Giraffen, Schweine-Hunde, Esel, Affen, |
| am possierlichsten natürlich der Primat. |
| Originelle Exemplare, keine miese Dutzendware, |
| edel sei der Mensch, hilfreich und nicht blöd. |
| Deine Schöpfung, mit Verlaub, ist perfekt, aus Lehm und Staub |
| hätte ich wohl auch nichts Besseres gedreht. |
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Und das Denkmal vorm Palast steht für 40 Jahre Knast |
| glauben manche und damit es jeder weiß, |
| schreiben sie es mit den Dosen Karl und Friedrich auf die Hosen, |
| auf die Weste, auf die Nase, auf den Steiß. |
| Jeden Sonntag kommt ein Mann, der das nicht ertragen kann, |
| und Bewußtsein ist für ihn bewußtes Sein. |
| Also putzt er wie besessen mit Geduld und scharfen Wässern, |
| und so hält er seine Weltanschauung rein. |
| Und die dicke Präsidentin, prominente Kunstregentin, |
| glaubte ernsthaft, daß sie Dichterfürstin wär. |
| Ihre kitschigen Ergüsse warn das höchste der Genüsse, |
| denn sie hatte mit den Mächtigen Verkehr. |
| Heute will sie nichts mehr wissen von den heißen Bruderküssen, |
| und der Rubel ist auch gar nicht so gerollt . |
| Ich hab nicht im Geld gebadet, ich hab niemandem geschadet, |
| ich hab immer doch das Beste nur gewollt. |
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Und der VEB-Direktor und der Leiter von dem Sektor |
| haben selbstverständlich nicht die kleinste Schuld. |
| Und die Zirkel-Referenten, die beauftragten Skribenten, |
| und die Leserbriefe-Schreiber, und die Kennziffern-Eintreiber, |
| und die elenden Claqueure, und die Nachrichten-Friseure, |
| und Zuträger, die kleinen, und die Spitzel, die gemeinen, |
| und die Jubel-Komponisten, und die Fälscher von den Listen, |
| und die mit den großen Ohren, und die Wächter und Zensoren, |
| und die blonde Intendantin, und die dicke Intrigantin, |
| und die Schnitzler, und die Krenze, und die Typen an der Grenze, |
| und die Jugendfunktionäre, die Berufsrevolutionäre, |
| und noch all die andern Knaben, die wir schon vergessen haben, |
| alle haben sie das Beste nur gewollt, |
| alle haben sie das Beste nur gewollt... |
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Und die Onkels und die Tanten, die bornierten Ignoranten, |
| die Statistiker, die platten, und die seidenen Krawatten, |
| und die mit den braunen Hirnen, und die fetten Abriß-Birnen, |
| sind ja uch nur arme Schweine, wenn sie wissen, was ich meine. |
| Und die Einheitsbrei-Gewinner, und die Wußtenwirschonimmer, |
| und die selbsternannten Sieger, und die geilen Balkankrieger, |
| und die Stasispitzel-Jäger, die beamteten Zuträger, |
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und die Kommunistenfresser, was ist denn an denen besser? |
| Oh, mein Gott, wie groß und schön ist dein Tierreich anzusehn, |
| und ein jedes ist ein echtes Unikat. |
| Deine Schöpfung, mit Verlaub, ist perfekt, aus Lehm und Staub, |
| hätte ich wohl auch nichts Besseres gedreht. |
Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.