Ohne Applaus

J.Walter

Lyrik

Komp. Thomas Natschinski

Text: Gisela Steineckert

 

Ohne Applaus

steigen wir beide von unserer improvisierten Bühne
mit dem Versuch einer arroganten Miene
aus den Weltgeistkostümen heraus
tun als hätten wir es wer weiß wie eilig
setzen uns bedeutsam in Trab, das heißt
wir gehn sprachlos ab
Ohne Applaus
 

Wir waren ziemlich mäßig, sogar mittelmäßig

wer das sagt, ist nicht gehässig
wahr ist, geblieben im Text stecken
haben einander nicht erzählt
wir haben nicht dasselbe Stück gespielt
 

Einmal hatte ich das einzig richtige Stichwort

einmal wusste ich, worum es hier eigentlich geht
da hab ich gemerkt, wie das ist
wenn kein Ton mehr stimmt,
weil ihn der andere nicht aufnimmt
wie das ist, wenn man merkt
das man ganz allein da oben steht
Ohne Applaus
 

Unser Stück ist, wie es scheint ziemlich dumm

wir steh’n da ohne Publikum
sogar unsere Freunde wenden sich gelangweilt ab
nicht mal ein Notschrei aus zwei Kehlen
brächte sie noch in Trab, sie kennen unsere Szenen
Abgang und Auftritt, immer im Laufschritt
Ohne Applaus
 

Geh’n wir beide aus unserem durchregneten Haus

was für ein leerer rufsicherer Saal
welches Echo von den Wänden
zum Schluss geh’n ein paar Funzeln aus
es schlummern die Requisiten, wir lasen nicht Schicksal
sondern ständig einander die Leviten
raus hier raus
Ohne Applaus
 

Geh’n zwei ziemlich verstörte Akteure

am Ende kaum bedeutender als irgend eine dumme Göre
hau’n ab, als hätten sie weder spielen wollen noch spielen sollen
und schon gar nicht etwa ein Stück über so was wie Glück
schon gar nicht, als hätten sie sich selber ins Pech getunkt
schon gar nicht etwa selber im Mittelpunkt
 

Komm wir hau’n ab, oder nicht?

Ist etwa noch alles drin, selbst für uns zwei Idioten?
Wie wir da steh’n, tragisch, lächerlich leer
Ohne Applaus

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.