|
|
|
Ohne Applaus |
|
steigen wir beide von unserer improvisierten Bühne |
|
mit dem Versuch einer arroganten Miene |
|
aus den Weltgeistkostümen heraus |
|
tun als hätten wir es wer weiß wie eilig |
|
setzen uns bedeutsam in Trab, das heißt |
|
wir gehn sprachlos ab |
|
Ohne Applaus |
|
Wir waren ziemlich mäßig, sogar mittelmäßig |
|
wer das sagt, ist nicht gehässig |
|
wahr ist, geblieben im Text stecken |
|
haben einander nicht erzählt |
|
wir haben nicht dasselbe Stück gespielt |
|
Einmal hatte ich das einzig richtige Stichwort |
|
einmal wusste ich, worum es hier eigentlich geht |
|
da hab ich gemerkt, wie das ist |
|
wenn kein Ton mehr stimmt, |
|
weil ihn der andere nicht aufnimmt |
|
wie das ist, wenn man merkt |
|
das man ganz allein da oben steht |
|
Ohne Applaus |
|
Unser Stück ist, wie es scheint ziemlich dumm |
|
wir steh’n da ohne Publikum |
|
sogar unsere Freunde wenden sich gelangweilt ab |
|
nicht mal ein Notschrei aus zwei Kehlen |
|
brächte sie noch in Trab, sie kennen unsere Szenen |
|
Abgang und Auftritt, immer im Laufschritt |
|
Ohne Applaus |
|
Geh’n wir beide aus unserem durchregneten Haus |
|
was für ein leerer rufsicherer Saal |
|
welches Echo von den Wänden |
|
zum Schluss geh’n ein paar Funzeln aus |
|
es schlummern die Requisiten, wir lasen nicht Schicksal |
|
sondern ständig einander die Leviten |
|
raus hier raus |
|
Ohne Applaus |
|
Geh’n zwei ziemlich verstörte Akteure |
|
am Ende kaum bedeutender als irgend eine dumme Göre |
|
hau’n ab, als hätten sie weder spielen wollen noch spielen sollen |
|
und schon gar nicht etwa ein Stück über so was wie Glück |
|
schon gar nicht, als hätten sie sich selber ins Pech getunkt |
|
schon gar nicht etwa selber im Mittelpunkt |
|
Komm wir hau’n ab, oder nicht? |
|
Ist etwa noch alles drin, selbst für uns zwei Idioten? |
|
Wie wir da steh’n, tragisch, lächerlich leer |
|
Ohne Applaus |