Im Februar ist die vierte Soloplatte von
Andre Herzberg erschienen "Das Kalte Herz", nach einem Märchen von
Wilhelm Hauff. Sie ist anders, als in der Vergangenheit von ihm gewohnt,
eine Art Hörbuch mit diversen Liedern , keine gewöhnliche Rockplatte,
sondern die akustische Variante des gleichnamigen Puppenmusicals von ihm
und den beiden Puppenspielerinnen Kaufmann & Co.
1984 hast du mit Pankow "Hans im Glück"
raus gebracht, 2008 jetzt Solo das "Kalte Herz" beides Märchen. Warum
fühlst du dich scheinbar besonders von dieser Literaturgattung angezogen?
Für mich sind sogenannte Märchen erst einmal Geschichten, wo manchmal die
Realität ein bisschen außer Kraft gesetzt wird, sie erzählen lange
Lebensabschnitte und warum wir und unsere Wünsche sich ändern, im
wirklichen Leben ist es also langsamer, langweiliger und trostloser, ich
liebe Märchen, sie haben einen pädagogischen Zweck, es sind die Stellen,
wo mein kleiner Sohn zu mir sagte, Papa, schwindelst du jetzt? heute
schüttelt er nur noch den kopf, in ein paar Jahren wird er seinen Kindern
auch solche "Schwindelgeschichten" erzählen. Der Trick besteht darin, den
Schwindel halb merkbar zu machen, also es könnte so sein, nicht, wie die
meisten Religionsvertreter oder Diktatoren, du musst daran glauben, sonst
kommst du in die Hölle, sondern, es wäre doch nicht schlecht, wenn...
hätte man uns so den Kommunismus beigebracht, dazu eine große offene Tür,
durch die man gehen kann, wenn man es nicht mehr hören will, wer weiß ...
Leider habe bis heute keine Aufführung vom Kalten
Herzen sehen können, las aber, dass es im September weitere Termine gibt.
Vielleicht klappt das ja noch.
Bei der CD-Produktion hattest du musikalische Unterstützung von Herrn
Petereit und Ingo Yorck, natürlich auch von den Kaufmann-Schwestern. Wie
muss ich mir die Live-Umsetzung vorstellen? Eher wie deine Soloauftritte
mit Backround?
Die Kaufmannschwestern sind Schwestern des Herzens, vor allen Dingen
großartige Puppenspielerinnen, die schon lange gemeinsam auf der Bühne
stehen. dazu singen sie gern und mögen meine Lieder und wohl auch meinen
Humor, jedenfalls waren sie bereit, Peter, Liesbeth, Holländermichel,
Glasmännlein und noch ein paar aus dem Schwarzwald zum Leben zu erwecken,
ich sitze daneben auf dem Erzählerhocker mit der Gitarre, muss die Stellen
der Geschichte erzählen, die allgemein wichtig sind, wo aber Tage vergehen
würden, wenn man sie spielt, so viel Zeit und Kraft hat keiner so lange
zuzuschauen, der Erzähler kürzt "drei Teile Herr der ringe" auf einen
teil. Außerdem verallgemeinert er, er darf auch mal über sich reden, denn
eine gute Geschichte sollte immer verallgemeinbar sein. Dazu gibt es eine
"Bude", eine Art Häuschen, wie man es vom Puppenspiel kennt, eine
Landkarte, die sich bewegt, damit man einen Draufblick hat, wo die
Geschichte spielt, eine Pistole für einen Mord, Dias von der Reise, Geld,
was die Zuschauer gern einstecken.... es gibt Lanze, aber ich will nicht
alles verraten.
Meine momentan persönliche
Nr.1 ist HERZ AUS STEIN. Dieser hat mir schon in der PANKOW-Version sehr
gut gefallen, die aktuelle ist aber um Welten besser. Warst du damals mit
Pankow nicht ganz zufrieden? Hättest ja auch die alte nehmen können...
Das Album das kalte herz ist in Zusammenarbeit mit Rainhardt Petereit
entstanden, mit dem ich schon bei "Losgelöst eine intensive Beziehung
getestet hatte. Dabei ist es was ganz anderes, wenn ich mit Pankow spiele,
hier ist alles klar, die Band hat einen bestimmten Stil, jeder kennt
seinen Platz, es geht sehr schnell, dabei kommt immer der typische
Pankowsound raus. Mit Petereit habe ich eine ganz andere Arbeitsweise, er
nimmt auf seine sensible Weise meine Signale auf und tut seine Energie
dazu, als Musiker, als Mixer, als Berater, heraus kommt eine eigene
Handschrift, die den Reiz der Arbeit ausmacht. Deshalb haben wir
verschiedene Stücke noch mal aufgenommen.
Ingo
hat auch mitgemischt - vielen vielleicht noch bekannt als Bassist von
Rockhaus und spielte er bei Pankow. Ingo war jahrelang ausgewandert in die
USA, hat in namhaften Bands (u.a. Molly Hatchet) gespielt und ist jetzt
als Multinstrumentalist wieder im Umfeld von Ulla Meinecke aufgetaucht.
Sein Einfluss auf den Sound der neuen Platte scheint mir im Vergleich zur
"Losgelöst" nicht unerheblich zu sein. Ist dem so? Wird es jetzt
öfter wieder eine Zusammenarbeit geben? Werft ihr gar JACKI aus der Band?
Ich habe mich sehr gefreut, dass Inge, ich
nenne ihn immer noch so wie in den Achtzigern, mitgearbeitet hat. Er ist
ja mit Herrn Petereit seit frühster Jugend befreundet, wir beide können
auch ohne nachdenken miteinander, ihm haben die Songs, das Konzept gut
gefallen, Jäcki wollte auch ein paar Sachen spielen, hat sich aber nicht
ergeben, vielleicht beim nächsten Mal.
Man munkelt, das sich Pankow im Herbst wieder mit
einem, na MÄRCHEN zurückmelden wollen - "HANS IM GLÜCK 2008! " Was gibt es
schon von diesem Projekt zu berichten? Ihr müsstet ja dann eigentlich
schon dran arbeiten. Eure 2006er Version von "Stille" lässt ja auf einiges
hoffen - für mich einer eurer besten Titel überhaupt.
Wir spielen wieder ab Januar 2009 mit Pankow und der Neuauflage von Hans
im Glück, beginnend mit dem Tag der Maueröffnung, was fängt der ex ddr-
Bürger Hans mit seiner neu gewonnenen Freiheit an? Da gibt es die
unterschiedlichsten Antworten darauf, wie sieht es mit dem
Aufstiegsspezialisten aus, mit dem Businessman, mit dem Familienpapa, bis
zum Hans negativ. Pankow mit Unterstützung des Resniczek Clan, Sebastian,
der Sohn von Jäcki hat das Stück als kleiner Junge mitverfolgt, der Papa
hatte ihn oft auf Konzerten mit dabei. Inzwischen ist er Schauspieler und
Musiker geworden, er wird unser Erzähler sein, mit Rap ist er ja groß
geworden, außerdem hat er seine sicht auf die Nachwende Zeiten, er wurde
gerade zum Mann, damals.
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