Andre Herzberg Interview 2008

E-Mail-Interview mit André Herzberg (PANKOW) vom 25.03. – 27.03.2008

Pankow

eine Initiative von Lutz

Interviews

Im Februar ist die vierte Soloplatte von Andre Herzberg erschienen "Das Kalte Herz", nach einem Märchen von Wilhelm Hauff. Sie ist anders, als in der Vergangenheit von ihm gewohnt, eine Art Hörbuch mit diversen Liedern , keine gewöhnliche Rockplatte, sondern die akustische Variante des gleichnamigen Puppenmusicals von ihm und den beiden Puppenspielerinnen Kaufmann & Co.


1984 hast du mit Pankow  "Hans im Glück" raus gebracht, 2008 jetzt Solo das "Kalte Herz" beides Märchen. Warum fühlst du dich scheinbar besonders von dieser Literaturgattung angezogen?


Für mich sind sogenannte Märchen erst einmal Geschichten, wo manchmal die Realität ein bisschen außer Kraft gesetzt wird, sie erzählen lange Lebensabschnitte und warum wir und unsere Wünsche sich ändern, im wirklichen Leben ist es also langsamer, langweiliger und trostloser, ich liebe Märchen, sie haben einen pädagogischen Zweck, es sind die Stellen, wo mein kleiner Sohn zu mir sagte, Papa, schwindelst du jetzt? heute schüttelt er nur noch den kopf, in ein paar Jahren wird er seinen Kindern auch solche "Schwindelgeschichten" erzählen. Der Trick besteht darin, den Schwindel halb merkbar zu machen, also es könnte so sein, nicht, wie die meisten Religionsvertreter oder Diktatoren, du musst daran glauben, sonst kommst du in die Hölle, sondern, es wäre doch nicht schlecht, wenn... hätte man uns so den Kommunismus beigebracht, dazu eine große offene Tür, durch die man gehen kann, wenn man es nicht mehr hören will, wer weiß ...


Leider habe bis heute keine Aufführung vom Kalten Herzen sehen können, las aber, dass es im September weitere Termine gibt. Vielleicht klappt das ja noch. Bei der CD-Produktion hattest du musikalische Unterstützung von Herrn Petereit und Ingo Yorck, natürlich auch von den Kaufmann-Schwestern. Wie muss ich mir die Live-Umsetzung vorstellen? Eher wie deine Soloauftritte mit Backround?


Die Kaufmannschwestern sind Schwestern des Herzens, vor allen Dingen großartige Puppenspielerinnen, die schon lange gemeinsam auf der Bühne stehen. dazu singen sie gern und mögen meine Lieder und wohl auch meinen Humor, jedenfalls waren sie bereit, Peter, Liesbeth, Holländermichel, Glasmännlein und noch ein paar aus dem Schwarzwald zum Leben zu erwecken, ich sitze daneben auf dem Erzählerhocker mit der Gitarre, muss die Stellen der Geschichte erzählen, die allgemein wichtig sind, wo aber Tage vergehen würden, wenn man sie spielt, so viel Zeit und Kraft hat keiner so lange zuzuschauen, der Erzähler kürzt "drei Teile Herr der ringe" auf einen teil. Außerdem verallgemeinert er, er darf auch mal über sich reden, denn eine gute Geschichte sollte immer verallgemeinbar sein. Dazu gibt es eine "Bude", eine Art Häuschen, wie man es vom Puppenspiel kennt, eine Landkarte, die sich bewegt, damit man einen Draufblick hat, wo die Geschichte spielt, eine Pistole für einen Mord, Dias von der Reise, Geld, was die Zuschauer gern einstecken.... es gibt Lanze, aber ich will nicht alles verraten.
 

Meine momentan persönliche Nr.1 ist HERZ AUS STEIN. Dieser hat mir schon in der PANKOW-Version sehr gut gefallen, die aktuelle ist aber um Welten besser. Warst du damals mit Pankow nicht ganz zufrieden? Hättest ja auch die alte nehmen können...


Das Album das kalte herz ist in Zusammenarbeit mit Rainhardt Petereit entstanden, mit dem ich schon bei "Losgelöst eine intensive Beziehung getestet hatte. Dabei ist es was ganz anderes, wenn ich mit Pankow spiele, hier ist alles klar, die Band hat einen bestimmten Stil, jeder kennt seinen Platz, es geht sehr schnell, dabei kommt immer der typische Pankowsound raus. Mit Petereit habe ich eine ganz andere Arbeitsweise, er nimmt auf seine sensible Weise meine Signale auf und tut seine Energie dazu, als Musiker, als Mixer, als Berater, heraus kommt eine eigene Handschrift, die den Reiz der Arbeit ausmacht. Deshalb haben wir verschiedene Stücke noch mal aufgenommen.

Ingo hat auch mitgemischt - vielen vielleicht noch bekannt als Bassist von Rockhaus und spielte er bei Pankow. Ingo war jahrelang ausgewandert in die USA, hat in namhaften Bands (u.a. Molly Hatchet) gespielt und ist jetzt als Multinstrumentalist wieder im Umfeld von Ulla Meinecke aufgetaucht. Sein Einfluss auf den Sound der neuen Platte scheint mir im Vergleich zur "Losgelöst" nicht unerheblich zu sein. Ist dem so? Wird es jetzt öfter wieder eine Zusammenarbeit geben? Werft ihr gar JACKI aus der Band?
 

Ich habe mich sehr gefreut, dass Inge, ich nenne ihn immer noch so wie in den Achtzigern, mitgearbeitet hat. Er ist ja mit Herrn Petereit seit frühster Jugend befreundet, wir beide können auch ohne nachdenken miteinander, ihm haben die Songs, das Konzept gut gefallen, Jäcki wollte auch ein paar Sachen spielen, hat sich aber nicht ergeben, vielleicht beim nächsten Mal.


Man munkelt, das sich Pankow im Herbst wieder mit einem, na MÄRCHEN zurückmelden wollen - "HANS IM GLÜCK 2008! " Was gibt es schon von diesem Projekt zu berichten? Ihr müsstet ja dann eigentlich schon dran arbeiten. Eure 2006er Version von "Stille" lässt ja auf einiges hoffen - für mich einer eurer besten Titel überhaupt.


Wir spielen wieder ab Januar 2009 mit Pankow und der Neuauflage von Hans im Glück, beginnend mit dem Tag der Maueröffnung, was fängt der ex ddr- Bürger Hans mit seiner neu gewonnenen Freiheit an? Da gibt es die unterschiedlichsten Antworten darauf, wie sieht es mit dem Aufstiegsspezialisten aus, mit dem Businessman, mit dem Familienpapa, bis zum Hans negativ. Pankow mit Unterstützung des Resniczek Clan, Sebastian, der Sohn von Jäcki hat das Stück als kleiner Junge mitverfolgt, der Papa hatte ihn oft auf Konzerten mit dabei. Inzwischen ist er Schauspieler und Musiker geworden, er wird unser Erzähler sein, mit Rap ist er ja groß geworden, außerdem hat er seine sicht auf die Nachwende Zeiten, er wurde gerade zum Mann, damals.