Musikexpress 1995

Musikexpress  9/1995

 
Der Hauch des Oppositionellen
Mit einer Prise Rock sorgten PANKOW für Unruhe
 

Der Bandname - eine kleine, aber immerhin: eine Frechheit. Im Pankower Schloss residierten ab und zu die regierenden alten Männer oder quartierten ihre ausländischen Gäste ein, so zum Beispiel Bolschoi Breshnew. Und der Name assoziierte Punk.

Den aber spielten PANKOW nie. Dafür war Gitarrist Jürgen Ehle ein viel zu großer Stones - Fan. Trotzdem reichte diese frische Brise Rock `n` Roll, um der Band subversive Attacken gegen den DDR - typischen Mainstream, genannt liedhaften Rock, heftigst vorzuwerfen. PANKOW - das war die Rumpfband der in den Westen abgedüsten Veronika Fischer plus Sänger Andre Herzberg.

Das Rockspektakel "Paule Panke" ließ die Schwanenkönige und rosaroten Wolken dahin gleiten und stellte statt dessen einen Schlosserlehrling auf die Bühne. Jürgen Ehles Gitarre knuffte schweißtreibend, Herzberg war ein wütend - romantischer Kautz. Doch die systemkonformen Partei - und Kulturfunktionäre wollten diesen Lehrling nicht. Mit über fünf Jahren Verspätung kam "Paule Panke" als Platte heraus. Den Fans war `s egal, PANKOW war eine geile Live - Band und erhielt sich den Hauch des Oppositionellen.

Das 88er Album "Aufruhr in den Augen" gilt als Vorwendeepos, das Frust - Stück "Langeweile" hat damals sogar den Suhler SED - Bezirksfürsten Albrecht in Harnisch gebracht, weil der sich, durchaus zu recht, als alter Mann, auf den man zu lange gehört hat, verunglimpft fühlte. Ja, solch eine verheerende Wirkung hatte Rockmusik in der DDR, lieber Leser !

Nach immerhin zwölf Jahren Bandgeschichte und fünf Alben zerbrach die Band schließlich. Andre Herzberg versuchte es fortan auf eigene Faust, 1994 erschien seine zweite CD "Tohuwabohu". Der Rest von PANKOW veröffentlichte im gleichen Jahr das Album "Vierer Pack". Im Herbst des vergangenen Jahres waren die Band und Andre Herzberg wieder gemeinsam auf Tournee. Allerdings zum letzten Mal, wie es hieß.