Andre Herzberg Rezension 1991

Rezension  1991

Andrè Herzberg – kein Neuling, aber ein neuer Name.

Und mit Sicherheit setzt dieser Name neue Akzente in die deutschsprachige Rocklandschaft. Man hört, er kommt aus Berlin, man hört, er kommt aus Pankow. Als Frontmann von PANKOW hat er erheblich den Stil dieser Band geprägt und mit ihr beachtliche Erfolge errungen. Doch auch als Schauspieler konnte Andrè Herzberg seine Erfahrungen sammeln: so brachte er seine Talente beim Rockspektakel „Paule Panke“, aber auch im Einpersonenstück „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ von Gogol auch auf dem Theaterboden zur Geltung.

Jetzt liegt sein erstes Solo-Album vor – elf Songs voller Spannung, Groove und vor allen Dingen: Gefühl. Herzberg scheut sich nicht vor purem emotionalem Feeling, er weiß, wo er herkommt, macht daraus auch kein Geheimnis und obwohl man ihn mit „Optimismus und Kampfgeist“ nicht mehr wecken kann, verbreitet er doch eine gehörige Portion Mut. Diesen Mut zieht er aus sich selbst („…muss an mir selbst mich nach oben zieh`n“) und gibt ihn bereitwillig ab („…ich glaube an dich und ich glaube an mich“).

SED-Kulturfunktionäre quälte er immer wieder mit Provokationen und auch heute provoziert er ungewendet, aber charmant mit seinem ungebrochenen Querulantentum. Seine Performance war und ist immer unberechenbar – und nie durchschnittlich. Wer ihn einmal auf der Bühne erlebt hat, setzt neue Erwartungen und Ansprüche. 

Der Berliner Journalist Ronald Geer über seinen Freund Andrè Herzberg:  

Ich hab dich sterben seh`n, und war hilflos wie du. Hilf mir und kauf mich noch vor dem letzten Knall, denn: Ich bin eine märkische Kiefer und ich glaube an dich. Und an mich. Ich kann nicht abhauen, sagt er. Und wenn er es sagt und singt, klingt es nach Rhythm & Blues. Kannst du dir das vorstell`n? So ein schwerer erdiger Groove, diese schneidende Gitarre und seine Stimme dazu? Die ist irgendwie lakonisch und doch weich, bitter und doch kein bisschen weinerlich. Ich glaub, er ist einer von diesen Typen, die sich nie entscheiden können, ob sie nun Held sein oder ein großer Junge bleiben wollen. Die ihre Show machen und irgendwie unheimlich stark sind. Aber wenn du richtig zuhören kannst, dann hörst du, wie verletzbar sie sind.

Ja, ja, ich weiß, das is`n Klischee. Aber nimm`s ihm nicht übel, wenn mir nichts Besseres einfällt: Er ist kein Klischee, und seine Songs kannst du dir zum x-ten Mal anhören, ich wette, du findest nicht eins, mit dem er sich aus dem Blues dieses himmelschreienden Lebens davonstiehlt.

Der kann erzählen, von sich, einfach so! Als wäre weiter nichts dabei. So wie ich es immer gern können wollte. Und ganz einfache Sachen sagen, die zu sagen sich die wenigsten trauen. „Ich glaube an dich“ z.B. – irgendwie fühle ich mich da ertappt.

Wahrscheinlich hat das auch was damit zu tun, wie viel er von sch selber weiß und zugibt. Und das er sich getraut, sich zu erinnern, wohin er will und woher er kommt: Aus der Vergangenheit. Aus dem Osten. Vom Rock `n `Roll. Aus Pankow. Aus der Band PANKOW. Aus einer Szene, die ihn querulantisch, aufmüpfig, charmant wie ein Presslufthammer, spontan, narzistisch, provokant, nonkonform kannte. Identifikationsfigur, Motor, Ideenproduzent, Selbstdarsteller war und wird er sein.

Wut hat eine starke Stimme. Mut hat eine neue Hoffnung. Sehnsucht hat eine eigene Sprache.

Der Rock `n `Roll einen guten (deutschen) Namen: ANDRÈ HERZBERG.