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Melodie & Rhythmus 4 / 1984 |
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Ohne Pose und Glitzerlächeln – Peter Tschernig |
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Caroline Gerlach |
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Da ist einer, der sich auf der Bühne oder Kamera nicht verstellt, dort nicht schöner, jünger, angenehmer zu sein vorgibt, als er ist, der nicht mehr verspricht, als er gibt. Von ihm sind keine fantastischen Ausflüge in ungeahnte Höhen der Unterhaltungskunst zu erwarten, keine untergründig schwelenden Wunschträume zu erfahren, deren Verwirklichung nur an unfreundlichen Umständen gescheitert wären; er ist kein Spinner, er ist einer, der nachdenkt über Naheliegendes, über das, was er tut, wie er es am besten tun kann, und für wen er es tut. Hört sich alles höchst gewöhnlich an, aber es ist eben noch nicht das Gewöhnliche in einem Beruf, in dem selbstgefällige Eitelkeit und schnell zu gewinnende Popularität mitsamt ihren Vorteilen noch allzu oft Motive für seine Ausübung sind. |
Die Vorliebe für Country-Musik, ein Dutzend Jahre Erfahrung im unterhaltendem Umgang mit Leuten als Profi-Diskotheker und die zufällige Entdeckung, das seine Stimme auch zum Singen taugt, waren für ihn die Basis, in dieses Gewerbe umzusteigen. Das heißt, die Berufsbezeichnung Interpret betrifft `s nicht ganz, denn das er Texte schreibt und seine Lieder zum Teil selber macht, das er für eine Country – Show das Buch geschrieben hat und auch mit dem gesprochenen Wort umgehen kann, gehört natürlich alles mit dazu.
„Wichtig ist vor allem, dass man ein bisschen von der althergebrachten Form der Unterhaltungsprogramme wegkommt, so nach dem Schema: Das war dies, jetzt kommt das, und wer die Gäste sind, hängt auch nur davon ab, wer gerade Zeit hat. Ich hab jetzt was versucht, mit `ner durchgehenden Handlung, Spiel, Dialogen und einer festen Besetzung, wo sich musikalische und artistische Teile sinnvoll einordnen – mal sehen, wie `s den Leuten gefällt.“
Country Musik ist für ihn nicht einfach ein Soundmuster, in das sich seine Stimme zufällig ideal einpasst; es ist eher die Art und Weise, wie mit ihr Alltagsgeschichten erzählt werden, die ihn ursprünglich daran gereizt hat. Logisch, das er schließlich anfing, seine eigenen Geschichten dazu zu schreiben. Die einzige, die mich dabei ermutigt und wirklich geholfen hat, war Gisela Steineckert. Sie hat natürlich die Texte, die ich ihr damals geschickt hatte, knallhart beurteilt und auseinander genommen, aber sie nahm sich auch die Zeit, mit mir über Aufbau und Pointen und all diese handwerklichen Sachen zu reden.“
Inzwischen gibt es auch selbst Komponiertes. Bei dem Wort zuckt er zusammen und meint: „Aber ich komponiere doch nicht!“ Ich darauf verunsichert: „Wie nennen Sie denn das?“ „Na, ich erfinde ein bisschen, so auf der Gitarre …“. Aha. Viele andere würden sich mit solchen Fähigkeiten eine schnelles Repertoire zusammenschustern, ein paar Musikanten mieten und in einer Personality – Show ausstellen.
„nein, nein, dazu ist es noch viel zu früh. Themen für Lieder habe ich zwar genug, aber musikalisch ist das alles noch zu ähnlich. Wennschon, dann muss so etwas sehr abwechslungsreich sein.“ Schon deshalb, weil die Musik für ihn in erster Linie das Transportmittel für Texte ist. „Ich gebe zu, das musikalisch manches banal ist, aber das ist eine Konzession an das Publikum. Als alter Diskotheker weiß ich, das die Leute ganz spontan urteilen, und wenn ich will, das sie auf die Texte hören, muss ich ihnen mit der Musik entgegenkommen.“
Da wären wir bei den Texten, für die er sich anlässlich seiner ersten LP einige Kritik einhandelte. Er schreibt sie aus unmittelbaren Eindrücken, Beobachtungen, Erfahrungen, möchte sie genauso unmittelbar beim Hörer ankommen. Alltägliches, Persönliches, Greifbares ist sein Material, denn auch große Themen müssen in diesem Metier in sofort nachvollziehbaren Bildern und Geschichten daherkommen, sonst ist die Wirkung verschenkt. Auf dem sicheren Grund seiner Kenntnis des ( mitunter schwierigen ) Diskothekpublikums schreitet er vorsichtig die Grenzen seines Genres aus. Das ist: Reelles einbringen, den Leuten nicht nach dem Munde singen, aber auch nicht an ihnen vorbei. Wer das zuwenig findet, mag ihm Banalität und Spießigkeit vorwerfen; ich jedenfalls halte die erfolgreiche Bemühung, das machbare in diesem festgefahrenen Genre auszuloten, für alle Anerkennung wert.
Das die Anwesenheit von PETER TSCHERNIG und seinen Liedern in unserer Schlagerlandschaft von Anfang an so angenehm auffiel, liegt ja vor allem daran, dass so viele andere, um so vieles banalere Lieder, in verhunztem Deutsch und mit grauslig verquaster pubertärer Weltsicht, manchmal fast vergessen lassen, das es auch so geht. Wir wären mit unserem Schlager allemal weiter, hätten wir mehr von seiner Sorte.