Melodie und Rhythmus 5 /1988

 

Michael Meyer

Prinzip ist keine Band der großen Sensationen, Bandchef Matkowitz hält nichts von den gewaltigen, funkensprühenden Knalleffekten, die doch immer auch Brandspuren hinterlassen.

„Matko“ ist pfiffig. Und klug. Und clever. Und er ist ein Arbeiter, ein ruheloser, einer von jenen, von denen Druck ausgeht. Ständig. Druck, kreativer Druck auf die Band, aber auch auf sich selber. Matko braucht keine Pausen. Und hat er eine, dann nutzt er sie zum Ausknobeln, zum Entdecken neuer Marktchancen, zur Entwicklung irgendwelcher raffinierter technischer Tricks, die er dann auch möglichst sofort umgesetzt sehen und hören will.

Verfolgt man das Leben dieser Band über die Jahre, dann weiß man: Sie war immer da, sie hat immer gespielt, sie hat immer Titel und Platten produziert, sie war immer national und international auf Tour, sie war immer erfolgreich, und sie ist es auch derzeit. Dieser Erfolg ist kein lärmender, aber ein stabiler, obwohl es bei Prinzip keineswegs leise und still zugeht. Bestandteil einer Strategie? Matko lächelt, ich bejahe.

Matko entdeckt Möglichkeiten, die andere übersehen, worüber mache in ihrer Un-Ahnung lächeln, da hat Matko gut lachen. Er kooperiert mit Gruppen aus und in der CSSR, er bereist wochenlang mit Prinzip und aus Prinzip die UdSSR, pro Tag mitunter zwei Konzerte, eine Strapaze ist das, eine in vieler Hinsicht lohnende.

In der UdSSR kam eine Prinzip-Single auf den Markt, als Testauskopplung der vierten LP, die Single war landesweit schnell vergriffen …

Matko ist ein Sucher. Und er findet gute Leute für seine Band, für seine Projekte, er hat Partner: Wolfgang Franke zum Beispiel, „Wolle“ steht bei Prinzip am Gesangsmikro, er hat zwei Titel zur neuen Prinzip - LP beigesteuert: „Halt mich fest“ und „Tiger der Nacht“.

Damit bin ich beim Thema LP: Sie ist mit „Phönix“ überschrieben, dem Namen jenes einst von den Ägyptern verehrten Vogels, der der Sage nach so alle 500 Jahre erschien, sich später auf dem Scheiterhaufen verbrannte und verjüngt wieder aufstieg. Man kennt das. Nun ist es nicht so, das Prinzip nur „alle 500 Jahre“ eine LP auf den Markt bringt, es ist auch nicht so, dass Prinzip eine Verjüngungskur a la Phönix nötig hätte, den Titel der LP gab der fünfte Song auf der A-Seite ( Matkowitz / Witt ). Ansonsten geht es auf dieser Scheibe derb und deutlich zu, die Gitarre ist erfreulich weit vorn, Matko entlockt ihr wahrlich Kunststücke, wirkungsvoll und emotional hart durchdrungen. Eine Steigerung für den Meister ? Matko über seine, über die neue Prinzip - LP:

Das Weinerliche ist abgesagt, wieder liegen wieder schön auf der Rocklinie.

Das kann ich bestätigen. Matko gab mir eine Demo-Kassette, in Eile kopiert, wenige Minuten vor Abflug in die UdSSR ( 60 Konzerte in acht Wochen ), wenige Tage nach jenem Verkehrsunfall, bei dem zu nächtlicher Stunde ein BRD-Lastzug auf der Autobahn den Prinzip - Technik - LKW und Hänger in den Strassengraben drückte.

Er, Matko, hatte also zu tun. Reichlich. Letzte Frage: Ist Prinzip wieder auf der alten Linie ?

Matko: „… auf der alten neuen Linie !?“