LP Rezension  Prinzip 1988

Rezension aus Junge Welt - 03.05.1988

Waltraud Heinze

Prinzip-Chef Jürgen Matkowitz vertraut auf jahrelang live erfolgreich Erprobtes. Fast alle Songs beginnen mit einem ausführlichen bis langatmigen Vorspiel, darauf folgen zwei Strophen, der Refrain, dann acht bis sechzehn Takte Gitarren-Chorus, schließlich noch mal eine Strophe, Refrain, Ausblendung ... Harmonisch interessant ist „Sag mir doch", aufmerken lassen mitunter Matkos Gitarre oder der Sänger Wolfgang Franke, wenn er seine Stimme strahlen lassen kann wie in „Deine Liebe" oder „Halt mich fest".

Die Texte sind Beiwerk; sie haben vor allem für diese Musik viel zuwenig Biß. Der komprimierte Einsatz von gängigen Klischees wird leider ausgerechnet in einem Friedenstitel unerträglich. Zitat: „Wenn der Frieden stirbt / stirbt die ganze Welt / darum sing' ich euch mein Lied / damit du und ich und die ganze Welt / den Frieden fest behält. / Wenn die Taube fliegt / und kein Schuß sie hält / die Sonne immer scheint / keine Mutter mehr auf der ganzen Welt / ihren Sohn niemals beweint. / Laßt uns schaun auf das Grün, auf das Blau, auf das Land / auf des Meeres tiefen Grund / Laßt uns baun auf Gefühl, auf das Herz, auf Verstand / auf des Liebens engen Bund ..." Soviel Einfallslosigkeit, Plagiat, sprachliche Schluderei verträgt ein solches Thema einfach nicht. Kein guter Schlußpunkt für diese Platte.