Reform Presse 1981

Melodie und Rhythmus  1981

Wolfgang Martin

Als Höhepunkt in der Geschichte der Magdeburger Gruppe erschien im Herbst 1979 bei Amiga deren erste Langspielplatte. Danach wurde es ziemlich ruhig um Reform, sogenannte innerbetriebliche Probleme unter den Musikern ( wahrscheinlich wäre es interessant, mal von einem Psychologen analysieren zu lassen, welchen besonderen Situationen Rockmusiker im Muggenalltag ausgesetzt sind, wenn sie über einen längeren Zeitraum Tag und Nacht gemeinsam unterwegs sind !) führten zu personellen Veränderungen, nicht aber zum völligen Stil – Wandel der Reform Musik.

Zentrale Persönlichkeit der Gruppe ist Stefan Trepte, einer der talentiertesten und zugleich erfahrensten Rockmusiker unseres Landes. Er wurde nach dieser Krise zusehends fleißiger und schrieb eine Reihe, in ihrer Art unterschiedlicher Titel, die Reform unter der bewährten Produzentenobhut von Luise Mirsch im Rundfunk aufgenommen wurde.

Besonders gelungen scheint mir die letzte Serie, u.a. mit dem Erfolgstitel „Wenn die Blätter fallen“, die uns sehr deutlich hörbar macht, welche Potenzen in dieser Gruppe stecken: keine konstruierten Kompositionen, überfrachteten Arrangements, statt dessen eine Einheit von Musik ( Stefan Trepte ) und Text (Ingeborg Branoner), die sehr intensive Interpretation durch Stefan Trepte, der damit den teilweise sehr poetischen Worten einen zusätzlichen Wahrheitsstempel aufzudrücken scheint.

Der Titel „Löwenzahn“ läuft bereits erfolgreich in den Wertungssendungen, und als originelle Zugabe produzierte Trepte nach seiner Vertonung des Gedichts „Mein Hund“ von den sowjetischen Lyriker Jewtuschenko.

Der Bann in den Medien ist also gebrochen, die Zeit der Reform Funkstille vorbei. Parallel dazu arbeiten die Musiker natürlich ständig an der Verbesserung ihres Konzertprogrammes, das ihre wichtigste Visitenkarte bleibt.

Als Höhepunkt im ersten Halbjahr 1981 die Realisierung eines internationalen Projektes: Reform wird in diesem Monat am 8-stündigen Gala Konzert im Rahmen des Festivals „Bratislavska Lyra“ in der CSSR teilnehmen. Bereits zuvor spielte der bekannte Keyboarder Marian Varga ( Collegium Musicum ) die neuesten Reform – Produktionen im Berliner Funkhaus mit ein und wird die Gruppe auch auf ihren Konzerten in der CSSR begleiten.

Die Produktion einer Reform Langspielplatte in unserem Nachbarland soll schließlich gar unter Mitwirkung des international anerkannten Musikers Dr. Martin Kratochvil (Jazz Q Praha) realisiert werden.

Diese internationale Zusammenarbeit wird die Gruppe Reform sicher auch in ihrer weiteren musikalisch – künstlerischen Arbeit zusehends beflügeln, so das man schon jetzt sagen kann: Reform ist tatsächlich wieder voll da …