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Melodie & Rhythmus 1/1983 |
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Hart und unbequem |
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Walter Kutzner |
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Ausruhen konnte man sich auf der Musik dieser neuen Magdeburger Rockband nicht. Ihr mit offensichtlichem Eigensinn gewählter, altertümlich – bequemer und sich wohl auch selbst parodierender Name geriet an jenem Tanzabend blitzschnell nicht nur durch ihre ausgezeichnete Neutöner-Härte zur blanken Irritation, sondern auch durch all die positiven, mit vitalem Engagement vorgetragenen Inhalten.
Bevor indes diese Kapelle aufspielte, eröffnete in der Berliner Rübezahl-Clubgaststätte am Müggelsee eine Diskothek den Abend. „Musiv-Service“ zeichnete sich, wenn auch ihr Repertoire etwas zu stark am Marktdenken orientiert war, durch brillante Soundqualität, durch eine flüssige, spritzige bis witzige Moderation, aus. Sympathisch auch solche, von den Diskobesuchern nicht nur tolerierten, sondern mit Tanzfreudigkeit honorierten Verdachtsaüßerungen des Moderators, denen zufolge sich das Publikum womöglich aus einem großen Teil Fußkranker zusammensetze …
„Ist die Band neu, zeigt Publikum sich scheu“ – solche, wohl aus dem Mittelalter stammende Erfahrung fand sich bestätigt, als dann SCHESELONG mit dem typisch erfrischenden Druck von Rock – Neutönern begann. Und hier zeigte sich wieder einmal, dass es eigentlich eine Bestimmung geben müsste, die im Interesse des Publikums den Veranstalter zu einem Mindestmass an Gewährleistung von stilistischer Einheit zwischen Diskothek und Band auffordert.
Das Wechselbad zwischen aalglattem Diskosound und dem harten Drive von SCHESELONG mit den jeweils verschieden gelagerten Funktions– und Wirkungsansprüchen trug nicht unbedingt zu einer homogenen Stimmungsdramaturgie an diesem Abend bei. Wenn auch nicht durch Tanzende, so doch durch ein ungewöhnlich hohes Maß an Aufmerksamkeit und starken Beifall trug nichtsdestoweniger das Publikum dann der neuen Gruppe Ehre an.
Eine Beachtung, die SCHESELONG allein schon deshalb verdient hätte, weil sie seit ihrer Gründung im Sommer 1981 und den ersten Auftritten Anfang `82 fast ausnahmslos selbst komponiertes und getextetes Material vorträgt.
Dabei ist ihr inhaltliches Spektrum bemerkenswert. Es reicht von kritischen Songs gegen Nikotinmissbrauch, gegen hinlänglich bekanntes, eigentümliches Gebaren in Fußballstadien über Titel, die sich voller Nachdruck und zeitgenössischer Weise mit Geldgier, Egoismus und anderen kleinbürgerlichen Verhaltensweisen auseinandersetzen bis hin zu vielschichtigen, teils dramatischen Stücken wie dem „Steppenwolf“, einer rockmusikalischen Verarbeitung des literarischen Herrmann-Hesse-Themas, oder dem phantastischen „Fliegerlied“, das an parodistischer Schärfe weit über das Hans-Albers-Original hinaus nichts mehr zu wünschen übrig ließ. Bei mehreren SCHESELONG – Veranstaltungen konnte ich übrigens erleben, wie dieses letztgenannte Stück vom Publikum am lebhaftesten zur Zugabe gefordert wurde.
Zweifellos zählt SCHESELONG zu den interessantesten und viel versprechendsten Neuheiten unserer Rockszene. Mit ihrem bereits jetzt schon vorhandenem Profil einschließlich ihrer Spielfreude, verspricht sie – bei kontinuierlicher Weiterarbeit im textlichen, konzeptionellen und choreographischen Bereich – eine der bemerkenswertesten Rockgruppen unseres Landes zu werden.
Die Besetzung: Klaus Schaefer (voc), Dirk Münster (ld-g), Michael Kranz (ld,ld-g), Michael Homann (bg) und Joachim Körner (dr).