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Melodie & Rhythmus 7/1983 |
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… wollen die Leute auf die Beine bringen |
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Bernd Bibratsch |
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Wenn dieser Artikel erscheint, sind KATRIN LINDNER und ihre Musikanten noch unterwegs oder gerade heimgekehrt von einer Sechs Wochen UdSSR Tournee. Ihre Musikanten – das sind seit Ende 1982 Sieghart Schubert (keyb) und Andreas Brauer (dr). Seit Sieghart Schubert – nunmehr im 10. Jahr! – ein eigenes Unternehmen betreibt, hat er `s mit größerem und kleinerem Bläsersatz, mit unterschiedlichen Vokalisten (ab 1976 mit KATRIN LINDNER) versucht – und jetzt also in Minibewetzung. ( Nicht zu vergessen allerdings Ingeborg Branoner, die seit 1975 alle Texte schreibt, und Luise Mirsch, seit 1976/1977 Schubis Rundfunkproduzentin. ) |
Ende 1982 ging das erste Konzert über die Bühne. Die Regie besorgte Ronald Mooshammer, der sich auch die Lichtkonzeption ausdachte: keine wilde Disko – Flimmerei, sondern Lichtspiele, die Stimmungen aufgreifen, weitertreiben wollen.
Und was als neue Programmkomponente an bunten Bildern vor Augen geführt wurde, hatte Hans Parczyk gemalt.
„Hinter dem, was wir drei heute auf die Bühne bringen, steht das ganze Team“, sagt Sieghart Schubert.
„Mensch, vergiss das nicht“ war in der DDR Spitzenparade 1982, „Nachkriegskinder“ und „ES kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt“ (alle Schubert / Branoner) gehören um heutigen Repertoire. Mit diesen Titeln beteiligten sich KATRIN LINDNER und SCHUBERT-Band Ende Januar überzeugend an „Rock für den Frieden“ im Palast der Republik. Aber was das Neue an ihrem Programm ausmacht, das blieb natürlich nur angedeutet. „Alle Jahre wieder“, „Landurlaub“, „Karussell“, „He, heut` Nacht“, „Nashorn“ – um erst einmal zu nennen was im Rundfunk läuft – kommen mit mehr Frische, mehr Drive, und die Titel sind durchsichtiger arrangiert. Da spielt sich nichts weg.
Der neue Mann am Schlagzeug ist Andreas Brauer, er wurde in einer Amateurband des Bezirkes Halle entdeckt. Und wo Musikanten und moderne Technik nicht ausreichen, da hilft KATRIN mit Flöte, Mundharmonika, Perkussion … Musikalischer Gewinn obendrein: Es darf getanzt werden. Auch im Text wollen sie die Leute auf die Beine bringen: „ …Mensch, geh mal raus!!!“ singt KATRIN, und genauso herzhaft zählt sie die an, welche – „Zu Tisch, zu Tisch“ – den Sinne ihres Daseins im vollen Bauch sehen.
Wie junge Menschen leben, miteinander umgehen und umgehen sollten, das war SCHUBERTS Thema schon immer, jetzt kommt es direkter, hemdärmliger, schärfer pointiert zur Sprache. Auch im neuen Programm geht die Auseinandersetzung mit Themen und Typen des konfliktreichen Alltags zusammen mit dem deutlichen Wort zu den Grundfragen unserer Zeit: „So muss der Friedlichste doch wahrhaft bleiben – es ist ein Dornenweg zum Frieden in der Welt“, singt KATRIN, und: „Ich will nicht, das unsere Kinder Vorkriegskinder wird `n!“
Die drei und ihre Mitstreiter haben sich viel und wollen sich noch mehr einfallen lassen. Das aktuelle Wellen auch an SCHUBERTS Ufer schlugen, ist nicht zu überhören, aber von Strandgut haben sie noch nie gelebt. Nicht alles, was sie nun aufgehoben haben, scheint mir des Aufhebens wert – sie haben gewonnen und werden mehr gewinnen, wenn sie verlieren, was Manier ist und nicht mehr.