Interview mit Suzanna von den Spreefaltern

 

Interviews

04.10.2007 - Berlin - Alte Feuerwache

 

 

danke Thomas  ( keletizene.de )

 

  Wer und was verbirgt sich hinter SPREEFALTER ?

Im Sommer letzten Jahres - es fehlte uns nur noch der Name - saß ich mit unserem Herrn Mantey cocktailschlürfend und meditierend am Ufer der Spree. Irgendwann fiel ihm ´´Silberweiß´´ ein, aber das klang mir zu sehr nach ´´Silbermond´´. Mehrere Bezeichnungen wurden so kreiert, bedacht und verworfen, als er dann aber´ ´Spreefalter´´ sagte, ging bei mir die Sonne auf, das fand ich genial! In der Band gingen die Meinungen etwas auseinander - so ganz demokratisch konnten wir das nicht entscheiden - haben uns dann aber doch auf ´´Spreefalter´´ geeinigt. Je öfter man den Namen ausspricht, desto schöner klingt er und er paßt auch sehr gut. Wir sind ja alle Berliner und sehr vielfältig - wie auch die Schmetterling : bunt gemischt.

Habt ihr ein ´´Zielpublikum´´?

Nein, wir haben kein bestimmtes Publikum, das wir mit unserem Programm ansprechen wollen. Wir wünschen uns, dass alle unsere Musik schön finden. Kinder, Omis, Intellektuelle, Penner, Arbeiter, Arbeitslose - alle sollen ´´Spreefalter´´ mögen.

Wie habt ihr überhaupt zueinander gefunden ?

Den Götzi (musikalischer Leiter und der Mann an den schwarz-weißen Tasten) habe ich mit sechzehn kennengelernt und fand damals schon seine Lieder immer sehr, sehr schön.
Irgendwann bin ich dann mit Micha, unserem Bassisten, nach Grimma zum ´´Liederflut-Festival´´ gefahren,  wir haben uns da alle möglichen ´´modernen´´ Sachen angehört und beschlossen, mal Musik mit einem anderen Sound zu machen - wir kommen ja ursprünglich aus der Folk-Szene. So haben wir uns dann ein Jahr lang getroffen und alles mögliche, rockige, ausprobiert. In dieser Zeit traf ich auch wieder auf Götz, der gerade aus New York zurück kam und machte ihm den Vorschlag , dass ich jetzt auch seine Lieder singen könnte.
Das Repertoire wurde dadurch umfangreicher, wir luden dann Jan Hammerschmidt zu einer Probe ein, dass er sich das Ganze ja mal anschauen könne und so fügte sich eins zum anderen...Dazu kommt, dass wir uns alle schon längere Zeit kennen, alles nette und interessante Kollegen - wir spielten alle schon in den unterschiedlichsten Konstellationen in verschieden Bands - aber in dieser Form als ``Spreefalter´´ gibt es uns erst seit einem Jahr .Es macht Spaß - mal sehen, wo es hingeht.

Wie entstehen die Titel , wie ist eure Arbeitsweise?

Es sind überwiegend Lieder von Götz Lindenberg.
Karsten Troyke ist auch ein Freund von uns und hat extra für ´´Spreefalter´´ ein paar Titel komponiert - und ein Lied stammt auch von mir. Das habe ich schon vor längerer Zeit geschrieben und singe es heute noch sehr gern , das ist der ´´Penner - Song´´ .
Aber es gibt schon reichlich Material - wir müssen es nur noch proben - für unser zweites Programm; auch wieder zum größten Teil aus der Feder von Götz.

Es gibt ja die ´´freundliche´´ Redewendung von der brotlosen Kunst - könnt ihr von eurer Musik leben ?

Der eine oder andere kann es schon. Jan Hermerschmidt ist ohnehin der Star in unserer Band, er auf jeden Fall. Er spielt ja noch in mehreren Bands, ist immer gut gebucht. Deshalb müssen wir immer sehen, dass wir einen gemeinsamen Termin finden , sonst gehen wir nämlich als ´´Kleiner Spreefalter´´ auf die Bühne, was immer sehr schade ist, denn ohne Klarinette ist der ´´Spreefalter´´ nur halb so farbenfroh.
Marek, unser Schlagzeuger, hat auch noch mehrere Projekte (u.a. Klezmer Chidesch ) und lebt auch von der Musik.
Micha konnte es auch viele Jahre, arbeitet aber auch noch als Bauingenieur und Götz lebte auch zwölf Jahre von der Musik , ist ´´nebenher´´ Chemiker und beschäftigt sich mit Solarenergie. Aber wer weiß, wer weiß (wovon wir nächstes Jahr leben...).

Wie ist die Resonanz seitens der Medien ?

Wir sind jetzt mit unserer ersten CD am Start und haben schon die Hoffnung, das Interesse zu wecken, da sind wir sozusagen in der Phase der Kontaktierung - von sich aus kommt da keiner.

Kannst Du etwas über deine ´´musikalische Sozialisation´´ sagen , gibt es da so etwas wie ein einschneidendes, prägendes Erlebnis ?

Als Kind habe ich viel Schlager gehört zusammen mit meiner Mama, ihre ganzen russischen Romanzen, Zigeunerlieder...Mit 16,17 hab ich dann bei Karsten Troyke vorgesungen für sein Programm  ´´Eigene Lieder und Lieder der Welt´´, Götz hat mich am Klavier begleitet zu Adamos ´´Tombe la Neige´´ und zu einem russischen und einem ukrainischem Volkslied - so fing eigentlich die Karriere an. Dann kamen französische Chansons ins Repertoire, die hörte ich auch schon früher...
Zu Hause höre ich alles mögliche -  den Punk der ´´Toten Hosen´´ genauso gern wie Milva, die ich sehr mag, aber auch Stones oder Norah Jones, Edith Piaf , Karsten Troyke oder oder oder..da will ich mich nicht so festlegen.
Nicht zu vergessen die ganzen rumänischen Zigeunerweisen und deren Interpreten wie z.B. Sofia Vicoveanca oder der Film ´´ Das Zigeunerlager zieht in den Himmel´´ , Fanfare Ciocárlia natürlich - da war ich mal Vorband, ganz nette Burschen - ...
Mein musikalisches  ´´Aha-Erlebnis´´ gestaltete sich im Ferienlager Natternmühle, als ich mich, dreizehnjährig, auf das Kulturprogramm vorbereitete und spätabends noch an MEINEM SONG arbeitete, die Erzieherin kam und mich fragte, was ich da treibe , ich solle doch lieber zu Bette und ich ihr sagte, dass genau das eben nicht ginge, da ich noch  am Lied für meinen morgigen Auftritt zu arbeiten hätte ...Da habe ich a capella meinen ersten Song vorgetragen - und das Ende vom Lied : Alle Kinder kamen zum Schluss zu mir, bildeten eine Traube um mich und sagten ´´Du wirst mal ´n Star.´´
Das war schon sehr prägend, wenn du merkst, dass das, was du machst so gut ankommt. Und dann natürlich in der Schule : Klassenfahrt, Klampfe dabei und meine eigenen Lieder...

Die berühmten ´´Drei Wünsche´´...

Gesundheit, Frieden  - und einen ewig munteren Kopf...

Was (er-)freut Dich ?

Ach, da gibt es vieles. Ich kann mich an einem Baum erfreuen, an Enten... alles, was gerade kommt und schön ist. Jemanden wieder zu treffen, ein gutes Buch lesen, einen freien Tag haben, Tango tanzen...

Und was ärgert Dich, treibt Dir den Blutdruck in die Höhe ?

Mich ärgert, wenn jemand lügt, wenn jemand dummes Zeug erzählt und wenn einem jemand in den Rücken fällt, von dem man das nicht erwartet hätte!