Uns und einer fortgetriebenen Freundin

St. Krawczyk

Lyrik

Komp. Stephan Krawczyk

Text: Stephan Krawczyk

 

Sie wurd´ nach zwei Jahren nach drüben abgetrieben,
nach der lieblichen Umklammerung im Knast:
so wie Herren ihren unbrauchbaren Knechten
noch mal gründlich zeigen , dass die Schlinge passt.
Sie wollt´ eigentlich vor vierundzwanzig Monden,
leider ohne das gestempelte Papier,
nur mal ´n anderes Stückchen Erde unterm Hintern;
aufgegriffen wurd´ das fahnenflüchtige Tier.
Und jetzt schreibt sie mit den buntbedruckten Karten
Gegen Gitter zweier Lebensjahre an.
Sie ist draußen, erstmal raus und diese Bilder
Ziehn mich unnatürlichstark in ihren Bann .
 
Fetzen greller Vogelschreie
Dringen durch die Mauerritzen,
jetzt im Zug nach Genua sitzen,
endlich auf dem Sprung ins Freie.
Fast im Mittelmeer ersaufen,
in Sandstürmen trocken drehen,
sprachlos übern Abgrund gehen,
dann die Rückfahrkarte kaufen .
 
Ach , was ist das für ein ordentlicher Zustand,
das man bleiben oder aber gehen muss,
und der Faden zu den weggetriebenen Freunden
ist nicht dicker als ein bunter Kartengruß.
Ach Italien , traumverklärtes Stückchen Sehnsucht,
gerne hätt´ ich deinen Stiefelschaft geküsst.
Eifersüchtig sind die Herren hier der Ansicht,
dass ich erst´ mal ihre Stiefel küssen müsst.
Weil ich hoff´ , dass ich nicht soweit runter komme,
dass das Fernweh mich hier noch zum kriechen treibt ,
wird ´ich heut´ noch jene Freundin in der Fremde
darum bitten , dass sie nur noch Briefe schreibt .

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.