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Melodie und Rhythmus 5 / 1982 |
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U.Brüning |
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Uschi Brüning |
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Gisela Steineckert |
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Wir sind sehr zögernd aufeinander zugetrabt, was es geben kann, angesichts der Umstände aber doch erstaunlich ist. Und ganz gegen meine sonstige Art, mit einem Interpreten zu arbeiten. Oder hatte ich damals noch gar keine eigene Art? Günther Fischer spielte mir Kompositionen für eine ungewöhnlich interessante, im Wortsinn bezaubernde Stimme vor, die ich vom Band in persönlichem Englisch hören konnte.
Ich hatte, mühsam und damals noch sehr ungeübt, deutsche Texte auf diese Musiken gepasst, die Sängerin USCHI BRÜNING hatte dann diese Lieder gesungen – nicht sehr gern, gegen das Vorurteil ankämpfend, zu ihrer Stimme und ihrer Art zu singen gehöre Englisch.
So kam es zu zwei Mitschnittplatten, auf denen die eigenwilligen reichen Kompositionen von Günther Fischer zu hören waren, die bei uns einmalige Stimme der BRÜNING, und mir war auch das eine und andere gut gelungen.
„Hochzeitsnacht“ wird jetzt, nach zehn Jahren, häufiger im Rundfunk gespielt als damals. Das lag an der schlechten Technik, am ungerechten Anteil der Summe des Klanges, der für USCHI BRÜNING blieb. Es lag an vielem. Vielleicht vor allem daran, das wir uns nicht zu zweit stark gemacht haben gegen die exquisiten Musikanten, die die Stimme ihrer Sängerin nur als ein Instrument ansahen. Ich hielt die BRÜNING für arrogant, kontaktarm, ein bisschen gedankenlos.
Da ich selber ein Pedant bin, macht mich jede Art von zur Improvisation neigendem Naturell leicht voreingenommen. Die BRÜNING ist eine schüchterne Person. Auch auf der Bühne, soweit es nicht ihre Stimme anlangt. Sie verschließt sich lange und rasch wieder, wenn sie singt. Wenn ich sie singen höre, weiß ich, das dies ihre leicht strömende Art zu lachen, zu weinen und sich mitzuteilen ist.
Sie kann das auch ohne Worte. Ihre Stimme, die durch ihr Wesen dringt, fordert den Gedanken, der beim Zuhörer entstehen kann, schon durch den Ton, sie bedarf nicht unbedingt des Begriffes. Dennoch kann ich es nicht lassen, für sie Texte zu machen. Es ist eine Art von Aufgabe, die ich nie bis zu dem Punkt der völligen Übereinstimmung bringe. Etwa, das ich mich zufrieden zur Seite und anderen zuwenden könnte.
Will sagen, nach jedem Lied habe ich das Gefühl, mit dem nächsten könnten wir anfangen. Während ich bei Jürgen Walter immer weiß, wir haben noch nicht genug gesagt, denk ich bei der BRÜNING eher, wir haben uns überhaupt noch nicht mitgeteilt.
„Bittere Landschaft“ ist unser schönstes gemeinsames Lied. Ein Anfang, nicht mehr, aber einer in ihre Richtung, ein Lied, das sie liebt. Aber ich denke, sie fühlt sich noch wohler bei dem neuen Versuch, sich selber gemäß zu singen, zu musizieren.
Ernst-Ludwig Petrowsky spielt Bariton-Saxophon und sie singt. Ein ungewöhnliches Duo. Ich denke, sie weiß nicht bis auf den Grund über sich selber Bescheid. Sie will auch gar nicht. Das sie eher eine romantische Person mit Idealen, Sehsüchten und fast bieder zu nennenden moralischen Wertvorstellungen ist, trägt sie nicht herum, gibt es sich vielleicht selber kaum zu. Als Gerichtssekretär hatte sie nüchtern und sachlich zu sein. Aber sie ist gewiss nicht tüchtig im landläufigen Sinne. Für eine heutige Unterhaltungskünstlerin hat sie so gut wie keine Ellenbogen.
Sie macht nichts aus dem Vorteil, eine solche Stimme zu haben, jedenfalls nichts, was man zählen oder vorzeigen könnte, also nicht Lebens –und Arbeitsbedingungen, die ihr eigentlich nach den Gesetzen zustehen. Sie hat nur ein Zimmer, sie verkauft sich selber schlecht, also: nicht.
So jung sie noch ist, sie war zugleich für uns alle eine Wegbereiterin und hat lange die ganze Keile und Benachteiligung abgekriegt: für ihren Stil. Ein Drittel unserer Elevinnen versucht, wie die BRÜNING zu singen. Den Schmelz, das dem Ohr und den Sinnen so ungewöhnlich Wohltuende, diese Reinheit, die nicht nur aus den Stimmbändern kommt, das hat keine von ihnen.
Die BRÜNING hat Stil. Und sie hat das historische Verdienst, gegen Vorurteile angesungen zu haben, sie hat Interesse geweckt und wach gehalten. Was wir jetzt im weitesten Sinne Unterhaltungskunst nennen, nimm `s monumental, dann ist ihr Name da schon eingegraben. Mir taucht sie in letzter zeit in Unternehmungen unter, aus denen sie dann eine Goldmedaille, einen Preis oder blaue Flecke mitbringt.
Sie arbeitet wieder mit Günther Fischer, und wie ich eben bemerke, gehört sie in mein Leben als eine ganz besondere Person, um die man sich vielleicht bei uns nicht genügend reißt, weil sie nicht dauernd etwas verlangt. Im III. Quartal kommt eine neue Jazz Platte, die heißt „USCHI BRÜNING“. Wo ich sie am meisten vermisst habe, das ist jene schöne Stelle, wo man manchmal etwas in die und die Hand gedrückt kriegt.