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Wem ist es schon
vergönnt, seinen 50. Geburtstag nicht nur mit Familie und Freunden, sondern
zusätzlich mit vielen begeisterten Anhängern bei strahlendem Wetter in einer
großen Freilichtbühne feiern zu können. Damit nicht genug, deckte sich der
runde Geburtstag der Sängerin Veronika Fischer auch noch mit ihrem
dreißigjährigen Bühnenjubiläum.
Eine Zeitreise war am Sonnabend in Berlin-Weißensee angesagt, kein Blick
nach vorne. Eine Art Museum der DDR-Popmusik wurde den begeisterten
Zuschauern präsentiert, ein von Jauchzern und Freudenschreien begleiteter
Rückblick auf die eigene Jugend ermöglicht.
Veronika Fischer wurde am 28. Juli 1951 in Wölfis/Thüringen geboren. 1968
begann sie ihr Gesangsstudium an der Dresdner Musikhochschule »Carl Maria
von Weber«. Nebenbei sammelte sie erste Live - Erfahrungen mit verschiedenen
Bands wie z.B. der Fred Herfter-Combo und der Stern Combo Meißen und brachte
1973 mit der Gruppe Panta Rhei ihre erste LP heraus. 1973 schloss Veronika
Fischer ihr Musikstudium mit dem Staatsexamen als Solistin für Chanson und
Musical ab. 1974 gründete sie ihre erste eigene Gruppe: Veronika Fischer &
Band.
Das erste Solo-Album der jungen Sängerin, »Veronika Fischer & Band« ,
erschien 1975, gefolgt von drei weiteren LP's: »Sommernachtsball« (1976), »Aufstehn«
(1978) und »Goldene Brücken« (1980). Zur gleichen Zeit wirkte sie an den
ersten Kinderplatten von Reinhard Lakomy »Geschichtenlieder« und »Der
Traumzauberbaum« mit.
Nach ihrer Übersiedlung nach Westberlin 1981 wurde es stiller um die
großartige Sängerin. Zwar konnte sie weiterhin regelmäßig CD ’s produzieren
und auf Tournee gehen, ihre Gratwanderung zwischen Schlager, Chanson, Pop
und Rock fand jedoch in der neuen Umgebung nie wieder die Anerkennung wie zu
DDR-Zeiten. Und in der Tat: nun wirkten ihre Produktionen auch meist
ziemlich unbestimmt bis beliebig, das Milieu des Ostens in seiner ganzen
Widersprüchlichkeit hatte ihrer Kunst Inhalt und Prägung gegeben, nicht
zuletzt auch ein vertrautes Publikum.
Deutlich fehlte nun auch die Handschrift eines kongenialen Partners wie
Franz Bartsch, der ihr einst ihre großen Hits wie »Auf der Wiese« und »In
jener Nacht« auf den Leib geschrieben hat. Und so ging es auch am Sonnabend,
trotz einiger Songs aus der neuen CD »Tief im Sommer«, nicht um Schritte in
die musikalische Zukunft, sondern hauptsächlich um Nostalgie.
Die gab es reichlich: Ex-DT 64-Moderator Wolfgang Martin hielt die Laudatio,
Holger Biege durfte ein paar Ständchen schmettern, Franz Bartsch setzte sich
in der zweiten Hälfte des Konzertes ans Keyboard und Jäcki Reznicek, Andreas
Bicking und Uwe
Hassbecker ließen die »guten, alten Zeiten« von »4 PS« bis »Silly«
wunderkerzen- und mitklatschtauglich aufleben. Alles äußerst routiniert und
professionell, aber fernab jeder Inspiration und somit eher eine Hitparade
oder ein DDR - Musikantenstadl als ein Konzert von Musikern, die auch heute
noch etwas Wichtiges zu sagen haben.
Der schlecht abgemischte Sound tat ein übriges, den Genuss zu mindern.
Selten wurde es so deutlich wie am Sonnabend: Die DDR-Popmusik ist eine
abgeschlossene Epoche, deren Protagonisten ihre spezifischen Elemente kaum
kreativ in die neue Kulturlandschaft einbringen konnten. Natürlich gab es
Höhepunkte. Als sich der beste Rockschlagzeuger der DDR, Frank Hille, (u.a.
»Pankow«) mit seinem Kollegen von Veronika Fischers Band, Frank Schirmer,
aufmachte, ein bisschen Druck in die sonst eher schlagermäßigen Grooves des
Abends zu implementieren, stoppte die musikalische Kalkberieselung eine
Zeitlang. Zumal Saxophon-Tausendsassa Andreas Bicking flockig-rockige Riffs
im Stil von David Sanburn und Michael Brecker über das Drumgewitter legen
konnte. Doch der Rest des Programms blieb größtenteils merkwürdig museal.
Der Begeisterung der 2500 Zuschauer in der ausverkauften Bühne tat das
natürlich keinen Abbruch. »Vroni« ist Teil ihrer Geschichte, und die lässt
man gerne ab und zu aufleben. Und so ist der kommerzielle Erfolg der sich
anschließenden Konzerttournee durch die neuen Bundesländer nahezu
garantiert. Trotzdem wünscht man der Ausnahmesängerin, dass sie wieder eine
künstlerische Sprache findet, die über diese nostalgische Ebene hinausgeht.
Das Zeug dazu hat sie allemal.
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