Unterhaltungskunst  12/1977

Wolfgang Lange

Etwas zur zweiten LP mit Veronika Fischer und ihrer alten Band unter Franz Barztsch ( der soeben , da diese Zeilen geschrieben werden, mit seiner neuen Band  ´´4 PS´´ frischen Lorbeer in Dresden erntete ): Diese zweite LP ist mir so lieb und teuer wie die erste .

Wenn man überhaupt von Schwachpunkten sprechen kann , dann liegen sie mehr im textlichen Bereich. Also bei Kurt Demmler, der zwar einigen fabelhafte , gescheite Dinge wie ´´Nein, Doktor, nein´´ ( das große Fragen berührt ) und ´´Klar wird´ ich warten´´, aber auch einige Titel geschrieben, die mir relativ zeitlos erscheinen ( ´´He , wir fahr´n  mit dem Zug´´ ) oder alte Hüte unwesentlich neu verpacken ( ´´Der Hahnrei´).

Es liegt wohl auch an mir, dass ich den ´´Rauchigen Sommer´´ nicht begreife .  

Demmler überstrapaziert, glaube ich, einen poetisch ohnehin nicht starken Begriff ´´Rauch´´ ( das erwies schon sein für Chris Doerk geschriebener  ´´Rauch in deinen Augen´´ ).

Der ´´Rauchige Sommer´´ ist ungeachtet dessen aber einer der musikalisch stimmigsten auf dieser LP, melodisch und harmonisch interessant, sehr rationell und originell instrumentiert. Bartzsch halte ich, und der Eindruck verstärkt sich zusehends, für eine unserer größten kompositorischen Begabungen neben Biege, Lakomy und wenigen anderen.

Er hat einen ausgeprägten Sinn für logische melodischen Entwicklungen, für das organische Verhältnis von Melodie und Harmonie , für deren gegenseitige bereichernde Durchdringung. Wenn mir ein Bild gestattet sei: Hinter jedem Takt lauert gewissermaßen schon wieder eine überraschende harmonische Wendung. Man kennt ja ansonsten seine Pappenheimer, kann relativ leicht durchschauen, wenn ein Komponist eines äußeren Effekts wegen eine scheinbar eigenwillige harmonische Reihe einem Titel mitgegeben hat.

Dies nun ist bei Franz Bartzsch ganz und gar nicht der Fall, die organische Verzahnung von Melodischem und Harmonischem gibt seinen Liedern die eigentliche Substanz, formiert ihre emotionelle ´´Geladenheit´´. Dabei wirken sie alle sehr einfach, weil sie natürlich dahinfließen.

Ich wage dies kaum zu sagen: ich empfinde sie meist als sehr menschlich warme Lieder.

Warum ? Sie qualifizieren unser Gefühl.