Vorm Übergang ( Marta )

Thalheim

Lyrik

Komp. Jürgen Ecke / Barbara Thalheim

Text: Fritz-Jochen Kopka

 

Marta, Marta, fahr rüber.

Der Rentnertrott hier ist dir sowieso über.
Du hast` n  Bruder, du hast` n  Pass,
Marta fahr rüber, gönn dir was.
Wir bringen dich hin,
wir holen dich ab,
das ist bequem,
da machst du nicht schlapp.
 

Wo ist mein Pass, mein Portemonnaie,

wo ist mein Schein von jenem Geld,
die Grenze nähert sich so jäh.
Gleich ist sie da, die andre Welt,
das war ja früher alles eins,
was bin ich nur so aufgeregt.
Wo ist mein Pass, mein Schein,
wo ist die gelbe Zählkarte,
ich weiß nicht wie ich reden soll,
jetzt fühlt man sich wie selbst geteilt.
Zwei Stimmen, eine wär` genug,
sind fest in meiner Brust verkeilt.
 

Marta, Marta, im Westen,

wir kennen den ja vom Fernsehen am besten.
Du hast` n  Bruder, `n janzen netten,
Marta fahr rüber, mach dir` n  fetten.
Wir bringen dich hin,
wir holen dich ab,
das ist bequem,
da machst du nicht schlapp.
 

Ich weiß nicht wie ich reden soll,

hier herrscht ein solcher Überfluss.
An Waren und an Menschen auch,
der Kaffee ist ja ein Genuss.
Bei uns wird jetzt so viel gebaut, na, in Berlin ...
Und vor den Fenstern ist es laut.
Es gibt auch Tote im Verkehr,
die Zeitung teilt das sogar mit,
Frau Hansen starb zuletzt am Krebs,
und keiner ahnte wie sie litt.
Ach, so was soll ich nicht erzähl` n.
 

Marta, Marta, da drüben

kannst du die ganze Werbung kriegen.
Du hast doch Enkel, die sind da scharf drauf,
Marta, komm wieder, mach deinen Sack auf.
Wir steh` n  schon Schlange, wir holen dich ab,
wir streicheln dich, da machst du nicht schlapp.
 

Die Angst vor Krebs und Bombendreck

herrscht heimlich wohl in jedem Land.
Kein Zoll nimmt die aus dem Gepäck,
kein Präsident kriegt die verbannt.
Ich glaub nicht, das ich noch mal reis,
längst bin ich alt und ohne Schwung.
So bald schmilzt nicht das viele Eis,
vielleicht für euch, ihr seid noch jung.
Ich werde bald im Himmel sein,
kein Mensch braucht dafür einen Pass.
Da kauf ich niemals wieder ein,
es macht mir einfach keinen Spaß.
 

Marta, Marta, da drüben

kannst du dich wie im Himmel fühlen.
Wir lieben dich, wir sind gespannt,
Marta, komm wieder und öffne deine Hand
Wir stehn schon lange, wir freuen uns sehr,
Was ist denn das ?
Die Hand ist ja leer.

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.