Warum bist du geblieben

A.Schmidt

Lyrik

Komp. Arno Schmidt

Text: Ed Stuhler

 

Warum bist du geblieben

als man dich gehen ließ?
Hat es dich nicht getrieben
ins Bundesparadies?
 

Oder war es nur verpassen,

hast du den Zug verpennt?
Hat dich der Mut verlassen
im kritischen Moment?
 

Hast du mit dem Gedanken

nicht doch etwas gespielt?
 Hast du mit deinem blanken
Gewissen nicht gedealt?
 

Und hättest du nicht Familie,

und wärst du jung genug,
sag ehrlich, was dann wäre?
Dann säßest auch du im Zug?
 

Bist du auch wirklich sicher,

daß du hier richtig bist?
Daß das kein fürchterlicher,
kein Lebens-Irrtum ist?
 

Gehörst du zu den Rufern

beim Fahnen-Manifest,
wenn man sich an den Ufern
der Spree bejubeln läßt?
 

Oder bist du bei den Tauben,

  daß du es so weit treibst,
den Zeitungs-Quatsch zu glauben,
  - den du selber schreibst?
 

Hängst du an Privilegien

im Dienste und privat?
An seltsamen Kollegien,
am Amt, am Apparat?
 

Denkst du, dein guter Posten

war eigne Tüchtigkeit?
Und stand nicht nur auf Kosten
der Mitgliedschaft bereit?
 

Hat dich der Sieg vernichtet,

der Alltag abgestumpft?
hast du dich eingerichtet
und nennst es nun Vernunft?
 

Oder denkst du, in andern Ländern,

bist du die Hälfte wert,
daß zum Bleiben und Verändern
wohl doch mehr Mut gehört.
 

Warum bist du geblieben,

 als sich die Welle brach?
  Warum bist du geblieben?
 Denkst du darüber nach?

Hinweis: Der hier aufgeführte Text entstammt keiner gedruckten Publikation, sondern wurden von den Originalaufnahmen abgehört. Für ihre hundertprozentige Richtigkeit kann deshalb keine Garantie übernommen werden.