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Melodie & Rhythmus 10 / 1974 |
| Wolfgang Ziegler im Gespräch | |
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Wenn wir schon WOLFGANG ZIEGLER inmitten
seiner Gruppe WIR zeigen, dann sei auch gleich erwähnt, das sich die
Besetzung in einigen Punkten entscheidend verändert hat. Seit dem 1.4.1974
spielen und singen in der Gruppe: Dieter Lehmann ( Gitarre ), Achim Türpe
( Bass ), Peter Müller ( Schlagzeug ), Katrin Schubert ( Gesang ), Doris
Martin ( Gesang ) und Wolfgang Ziegler ( Piano, Orgel, Gesang ). Die fleißige Arbeit der neuen Formation wurde mit einer Urkunde beim II. Interpretenwettbewerb der DDR in Karl-Marx-Stadt belohnt. Von den Funkneuaufnahmen werden "Marie-Louise", "Feuer her" und das "Trinklied" überaus positiv eingeschätzt - das könnten gute Omen für die neue Besetzung sein. In Klaus Kühne - er schrieb "Trinklied" und "Oktober" wurde offensichtlich ein neuer Textautor gewonnen, was nicht ohne Bedeutung wäre, da Jens Gerlach offenbar mit WIR nicht mehr so fest verbunden ist. Die Mehrzahl der Kompositionen kommt nach wie vor aus der Feder von WOLFGANG ZIEGLER. |
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Wenn wir richtig informiert sind, so
wurden Sie am 8.10.1943 in Rostock geboren, schlossen die 1. Erweiterte
Oberschule 1963 mit dem Abitur ab und lernten von 1963 - 65 im
Dieselmotorenwerk ihrer Heimatstadt den Beruf eines Motorenbauers. Sie haben recht! Der eingeschlagene Berufsweg kam meinem ursprünglichen Wunsch entgegen, Ingenieur zu werden. Nachdem ich mich jedoch mit den damit verbundenen Aufgaben vertraut gemacht hatte, wurde mir bewusst, das meine Fähigkeiten auf einem anderen Gebiet, genauer gesagt, auf dem der Musik liegen. Durch meine Hobbys war ich entsprechend vorbelastet. Außerdem hatte mich meine Mutter frühzeitig ans Klavier geführt. Was kein Wunder ist, da sie an der Rostocker Universität die Fächer Musiktheorie und Orgel lehrt; früher gab sie auch als Cembalistin Konzerte. |
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Damit wäre erklärt, warum sie bereits als Sechsjähriger begannen, Klavier zu üben. Ich bin froh, durch die Schule Bachscher Inventionen und Bartokscher Klavierstücke gegangen zu sein. Was sich damals an musikalischem Geschmack bilden konnte, möchte ich heute nicht missen. Ihrem Wunsch, Hobby und Beruf zu verbinden, kam gewiss die Möglichkeit entgegen, zwischen 1965 und 1970 als Referent für kulturelle Aufgaben bei der Rostocker Handelsgesellschaft für Waren des täglichen Bedarfs arbeiten zu können. Ja ! Denn in der Zwischenzeit hatte ich meine Liebe zur klavierbetonten Tanzmusik entdeckt und 1963 ein Trio in der Besetzung Piano, Gitarre, Schlagzeug gegründet, aus dem 1964 die "Baltics" hervor gingen. Es muss 1964 gewesen sein, als Ihre ersten Kompositionen "Sag nie vorbei" und "Mit dir leben" entstanden sind. Erstere soll ja noch heute im Funk zu hören sein. Worüber ich mich sehr freuen würde. - Um in der zeit zu bleiben: 1965 schrieb ich dann die Filmmusik zu dem Heiner - Carow - Film " Die Reise nach Sundevit ". Und wie ging `s weiter ? Denn die mit vielen Goldmedaillen geschmückte Karriere der "Baltics" näherte sich 1970 ihrem Ende, als Sie Gesangsstudent am ehemaligen Studio für Unterhaltungskunst in Berlin wurden und sich anschließend einem Leipziger Unterhaltungsprogramm anschlossen. Der Wunsch, nicht nur zu interpretieren - obgleich ich leidenschaftlich gerne singe - ließ mich immer wieder zur Feder greifen. Das oft beschriebene, glückliche Zusammentreffen mit Jens Gerlach führte dann bekanntlich 1972 zur Gründung der Gruppe WIR. Wie entstehen ihre Titel ? In den meisten Fällen liegen die musikalischen Umrisse zuerst vor. Die Texte entstehen danach. Was nicht ausschließt, das dabei beides Änderungen unterworfen werden kann. Obwohl ich überwiegend am Klavier komponiere, entstanden in letzter zeit auch Titel, die von der Gitarre her konzipiert sind. Sie tendieren dadurch stärker zum Melodisch - Liedhaften. Beispiele sind "Geh mit mir", "Wir sind die Welt" und andere. In beiden Texten werden die Menschen aufgefordert, den Blick nach vorn zu wenden, die Schönheiten des Lebens zu entdecken und nicht ziellos dahinzuleben. Das Ringen um gehaltvolle Texte zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm der Gruppe WIR. Beginnend mit den dreisätzigen "Black Power", dem "Requiem für Grimaux", "Soll das alles sein" bis zu dem Titel "Oktober", der dem 25. Jahrestag unserer Republik gewidmet ist. Für uns gibt es kein Thema unseres Hier und Heute, das ausgeklammert werden müsste. Selbst wenn es sich auf Anhieb nicht bewältigen lässt. So haben wir beispielsweise über ein halbes Jahr an "Black Power" gearbeitet, um dem Kampf der Farbigen für soziale Gerechtigkeit überzeugend Ausdruck zu geben. Werke dieser Art bleiben natürlich gewisse Eckpfeiler im Programm, worüber die populären Formen nicht vergessen werden dürfen. Die neue Besetzung erlaubt es Ihnen, zwei Frauenstimmen einzusetzen. Damit haben Sie sicher auch die Ausdrucksmöglichkeiten des Komponisten und Arrangeurs WOLFGANG ZIEGLER erweitert ? Die jetzige Besetzung kommt meiner heimlichen Liebe, viel mit Gesang arbeiten zu können, sehr entgegen. Alles weitere wollen wir mit ansprechenden Produktionen unter Beweis stellen. |
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