Melodie & Rhythmus  2 / 1991

R. St.

Pierre Pomade und Gustav Glimmer nippen am Kaffee. Französisch mit Cognac, den kleinen Finger abgespreizt. Und dazwischen schlurft einer gewollt cool und so gar nicht hier zu Hause.

Zwischen Cool Jazz und Bossa Nova fägt er Imponiergehabe und unverbindliches Geplänkel im „Cafe Größenwahn“ ein – der Titelsong der aktuellen zweiten ZÖLLNER – LP ist für mich ein voll ausgereizter Grand mit Vieren ! Vergleiche sind zwingend, da die Scheibe, wie das zwischen Wahlen und Währungsunion verloren gegangene Amiga – Debüt, Songs aus den Live Programmen „Kopfschmerzen“ und „Hirsch Heinrich“ aufbereitet.

„Du bist schön“ klingt funkiger, weniger wehleidig als die erfolgreiche Rundfunkfassung „Mit dir bin ich allein“ bildhaft inszeniert, in „Rosarote Spiegel“ verlieren die Bläser gegenüber dem Live – Eindruck einiges an Dynamik. Gewaltig dagegen, wie DIRK ZÖLLNERS Organ und ein sanftes Sax die dem Floydschen „Us And Them“ verwandten Keyboard – Elegien in „Zwischen den Stühlen“ aufbrechen.

Die LP, abwechslungsreich wie nur wenige in letzter Zeit, zeigt den Frontmann als einen der amerikanischten Deutschen. Der kann rappen, flüstern, brüllen, malt witzige Sponti – Vokalisen und gewinnt dabei Gesicht und Welt – Sicht:

Hauptsache Farbe und nicht immer nur schwarz – weiß. Genau !