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Gunnar Leue
„Berauschende Konzerte“
Dirk Zöllner über die erste Tournee ostdeutscher Rockmusiker durch Israel
Dirk Zöllner tourte mit seiner Band und einigen Musikern der Nachwuchsband
Six als erste deutschsprachige Rocktruppe durch Israel. Das Ganze lief als
Deutschrock-Projekt unter dem Begriff
D-Rock@Israel.
Wir sprachen mit Dirk Zöllner.
Wie hat das Publikum reagiert in einem Land, in dem viele Menschen mit
der deutschen Sprache immer noch Schreckliches verbinden?
Das War für uns eine spannende Frage. Ich hatte befürchtet, dass der Klang
unserer Sprache schlimmer Bilder aufwirft, was aber zum Glück nicht der
Fall war. Meine Bedenken waren absolut überflüssig.
Wo
sind Sie aufgetreten?
Wir hatten sieben Konzerte, zuerst in den Golanhöhen, wo wir in einem
Kibbuz untergebracht waren. Dort spielten wir in kleineren Clubs. Die
wurden dann immer größer, als wir nach Jerusalem kamen oder an den
Gazastreifen, wo wir der Hauptakt bei einem Festival mit populären
einheimischen Bands waren. Dafür hatten wir uns eigens ein Medley
ausgedacht, in dem wir sehr bekannte Volkslieder verrockten. Das hat
großen Spaß gemacht.
Wie war der Kontakt zu einheimischen Musikern?
Wir waren ein bisschen überrascht, wie problemlos wir zusammen Musik
machen konnten. Es gab immer wieder Sessions, nachdem israelische Musiker
oder auch mal ein marokkanischer Sänger einfach auf die Bühne kamen. Wir
haben viel improvisiert. Es waren sehr berauschende und erfolgreiche
Konzerte, die sehr weit über unseren Erwartungen lagen.
Aus Israel hört man fast täglich Terrormeldungen. Haben Sie die
angespannte Situation zu spüren bekommen?
Als wir uns in das Land aufmachten, dachten wir tatsächlich, wir fahren in
den Krieg. Aber wir kamen in keine heiklen oder gar gefährlichen
Situationen. Dort findet ein ganz normales, modernen Leben statt. Tel Aviv
zum Beispiel schläft nie, dagegen ist Berlin fast noch bieder. Das kann
man sich gar nbicht vorstellen.
War Politik gar kein Thema auf der Tour?
Unsere Auftritte liefen als Friedenskonzerte ab, was aber nicht heißt,
dass wir politisch irgendeine Stellung bezogen hätten. Die Israelis haben
es als Akt der Solidarität und Freundschaft betrachtet, dass wir uns für
die Situation in ihrem Land interessieren. Die Leute waren dafür sehr
dankbar und haben uns in keiner Weise vereinnahmt. Man kann es schwer
erklären. Wenn man sieht, welche religiösen Zerwürfnisse, aber auch welche
Toleranz in diesem kleinen Land existieren, ist das fast unbeschreiblich.
Für uns kommt ja meist nur das Machtspiel der Politiker rüber, aber das
hat nichts mit den Menschen dort zu tun. Die sind ganz offen und
warmherzig.
Hier zu lande wird gerade diskutiert, ob es einen neuen Antisemitismus
gibt. Wurden Sie daraufhin angesprochen?
Die Israelis haben das wahrgenommen, aber erstaunlicherweise keine großen
Kommentare dazu abgegeben. Ich hatte das Gefühl, dass die Leute meiner
Generation eine Chance sehen, aus unserer gemeinsamen Geschichte etwas zu
machen und dass sie die Deutschen nicht als Feinde betrachten. Wir haben
dort Freundschaft gefunden und kleine Brücken gebaut, die ich außerhalb
der Politik sehe. Dass wir als sympathische und bunte Leute da angekommen
sind, macht mich sehr glücklich. Für mich war es auch so etwas wie ein
ideelle Wiedergutmachung. In der DDR gab es ja eine andere Form der
Verdrängung der deutschen Geschichte. Wir hatten uns rein gewaschen und
mit dem Erbe unserer Väter und Großväter nichts zu tun, weil wir auf der
Spur der kommunistischen Ideale wandelten. Wir waren quasi automatisch
Antifaschisten.
Wurde besonders registriert, dass Sie aus Ostdeutschland kamen?
Nein, da wurde nicht so unterschieden. Allerdings hatten die meisten
vorher keine Ostdeutschen kennen gelernt, und wir haben bei unseren
Gesprächen eine gewisse Ähnlichkeit herausgefunden. Diese Bedrängung durch
die Lage lässt die Israelis ein bisschen so zusammenrücken und miteinander
reden, wie wir das früher in der DDR kannten, wenn man einen gemeinsamen
Feind oder ein gemeinsames Thema hat. Da stehen die diffizilen Unterschied
hinten an, weil es ein größeres Thema gibt. Da haben wir das Gefühl
entdeckt, das wir als Ostdeutsche sehr gut kennen.
Was bleibt von der Tour?
Zuerst eine veränderte Denk- und Sichtweise. Außerdem hoffe ich, dass der
Austausch mit den israelischen Musikern fortgesetzt wird. |