Zöllner Presse 1988

Junge Welt 07.06.1988

 

Hand in Hand - wie wichtig das ist!

 

„Die Zöllner" — dabei zum internationalen Rock-Konzert gegen Apartheid am 16. Juni an der Radrennbahn Weißensee

Waltraud Heinze

 
,,'n Käfer aufm Blatt, 'n Blick in der Stadt, 'ne Hand in einer Hand" — so scheinbar nebensächliche, kleine Beobachtungen, Augenblicke unseres Alltags, wie attraktiv sind sie? Wie fähig ist man, sie für sein Leben überhaupt als schöne Momente zu empfinden? Und: Werden sie angesichts von Fernsehbildern, Filmen oder Nachrichten — aus Südafrika zum Beispiel, wo menschliche Würde jeden Tag unter Stiefeltritten, Fausthieben, Schüssen stirbt — nicht zu sehr wesentlichen Werten?

Dirk Zöllner bezieht uns mit seinem Gesang, in seinen Texten in sein Nachdenken ein. Er ist ein guter Beobachter, er stellt Fragen, und er möchte, daß wir als seine Zuhörer mit ihm zusammen Probleme nicht nur sehen, sondern sie auch als die unseren erkennen, daraus Lebenskraft und Lust zum Tun nehmen. Seit November 1987 steht Dirk Zöllner (von Chicorée kommend) mit André Gensicke (ehemals Lama) als „Die Zöllner" auf der Bühne, anfangs von der Gruppe „Kleeblatt" unterstützt. Zwischen vielen Auftritten — in FDJ-Jugendklubs, zu den Tagen der Jugend im Palast, zum Pop-Festival 1988, jüngst zum ND-Pressefest — nutzen sie die Zeit zum Erarbeiten ihres ersten Konzeptprogramms, „Kopfschmerzen" benannt, wird darin die Haltung der „Zöllner" zu einem attraktiven Leben, wie sie es verstehen, mit dem Schlußlied „Käfer auf'm Blatt" auf den Punkt gebracht. Sie probieren es musikalisch in drei Varianten: Die eine bestreiten Dirk als Sänger und André an den Keyboards allein, zur zweiten — einer Art klassischen Kammervariante für ganz kleine Klubs — ergänzt eine Geigerin Stimme und Klavier. Bei der dritten werden „Die Zöllner" verstärkt durch die Zwölf-Mann-Band „Die Helden" (Studenten der Musikhochschule Berlin), durch Backgroundchor und Tänzer. Premiere dieses vitalen Unternehmens ist voraussichtlich im Juli zum Rocksommer der FDJ.

Wenn „Die Zöllner" am 18. Juni beim internationalen Rockkonzert „Beat Apartheid" auftreten, dann zählt für sie vor allem das Gefühl dabeizusein, einmal zu erleben, vor so vielen Zehntausenden zu stehen und mit ihnen einen James Brown zu hören... „Bei Joe Cocker hab' ich fast ge­heult", sagt Dirk. „Dies' Gesicht, diese Stimme! Der Mann hat seine ganze Seele aus sich herausgeholt! Das war mehr als Musik!"